Eine Kanadierin zieht nach Berlin, um Musik zu machen. Die Lehrerin Merrill Nisker wird zu Peaches. Ihr Demoband gibt sie bei der kleinen Plattenfirma Kitty-Yo ab. Dort ist man aus dem Häuschen über das Gehörte, und im Jahr 2000 erscheint das Debütalbum The Teaches Of Peaches. Ein im Alleingang eingespieltes Werk. Dreckig, einfach und selbst für Popmusik auffällig auf den Punkt: Alles dreht sich um Sex.

Von nun an zockelt Peaches durch die Lande, spielt in jedem noch so kleinen Club und hinterlässt ein euphorisiertes Publikum. Ihre grandiosen Shows sprechen sich herum, so wird sie zu einer Art Michael Jackson für Stars. Auf ihrer US-Tour reist ihr Marilyn Manson hinterher, Madonna schickt ihr einen unterschriebenen Slip zum Konzert. In Los Angeles holt Iggy Pop sie im weißen Rolls Royce vom Flughafen, im schwarzen Rolls bringt er sie zurück. Begeisterung allerorten, Peaches wechselt zu einem großen Label.

Nun, Jahre später, fragt man sich natürlich: Was kommt jetzt? Hält der Peaches-Zug immer noch am Endbahnhof Sex?

Warten wir noch einen Augenblick auf Peaches – und wenden uns ihrer Vorgruppe zu. Die Schottin Janine Rostron lebt erst seit zweieinhalb Jahren in Berlin, auch sie zog wegen der Musikszene hin. Sie sieht aus, als wäre sie der weltgrößte Fan von Kate Bush und auf der Bühne nennt sie sich Planningtorock.

Beim Peaches-Konzert im Hamburger Club Übel und Gefährlich bestreitet sie das Vorprogramm. Allein steht sie auf der Bühne, ihre Show zielt ab auf Perfektion. Sie kombiniert Videoprojektionen aus eigener Herstellung mit einer ausgefallenen Hutsammlung. Ihre Bewegungen sind packend, ihre Musik treibt die Leute an.

Sie wird gemocht, gehört und gefeiert. Dabei hat ihre Musik wenig mit Peaches zu tun, denn Planningtorock singt Lieder, die in ihrer Vollendung eher an Songs von David Bowie erinnern.

Berlin ist die Heimat der Ego-Show. In keiner Stadt der Welt stehen so viele Künstler allein mit Videoprojektion auf der Bühne. Sie arbeiten an der Schnittstelle zur Bildenden Kunst. Nicht immer zur Freude des Publikums: Man möchte auf der Bühne auch mal mehr als einen Menschen sehen, ein Mit- oder Gegeneinander.

Aber Planningtorock braucht keine Hilfe: Die Musik, die Videos und sogar das Veröffentlichen — alles ihr Werk. Das erfordert viel Kraft und Organisiation. Und bringt ihr Glück: Das ambitionierte Label Chicks On Speed Records bringt ihre neue Platte heraus.