Kinder Gedenkstätte KinderzimmerSeite 2/2
Für Verwandte und Familienangehörige ist es nicht leicht, die starke emotionale Bindung zu einem kleinen Wesen nachzuvollziehen, das oftmals nur wenige Stunden und durch Dutzende von Schläuchen am Leben erhalten werden konnte. Zumal die Trauerphase mehrere Jahre lang dauern kann. Freunde haben in den ersten Monaten nach der Schwangerschaft zwar großes Verständnis und sind gute Zuhörer, doch nach einer gewissen Zeit werden sie mürbe. Dann fangen sie an, „Immer-noch?“-Fragen zu stellen. Schwangere Freundinnen wiederum haben oft Schuldgefühle und versuchen, dem Paar mit ihrem dicken Bauch aus dem Weg zu gehen. Auch tröstend gemeinte Worte können schmerzen. „Es ist sicher besser so.“ „Ihr könnt ja noch andere Kinder haben.“
Für manche Betroffene ersetzt das Internet das leer gebliebene Kinderzimmer. Liebevoll werden dort Seiten eingerichtet, alles ist sehr bunt und verspielt. Im Hintergrund funkeln Sterne, auf der Begrüßungsseite lächelt Winnie The Pooh oder tanzen Diddel-Mäuse. Man findet ein Fotoalbum mit Ultraschallbildern oder Bilder der winzigen Körper in Brutkästen, dazu Gedichte und Briefe an das verstorbene Baby. Zu Weihnachten, Ostern und zum Geburtstag werden Glückwunschkarten abgebildet. Obwohl das Kind tot ist, tun seine Eltern alles dafür, um weiterhin eine Bindung zu ihm zu halten, eine Art Kindheit mit ihm zu erleben. In der Fantasie der Eltern entstehen sogar Freundschaften unter den Sternenkindern – betroffene Eltern, die sich durch Selbsthilfegruppen und Foren kennen gelernt haben, verlinken ihre Seiten untereinander und schreiben sich, dass ihre Kinder „miteinander spielen“.
Weiterleben. Das Wichtigste für die Sterneneltern. Nicht ihren Kindern folgen, sondern weiterleben. Viele Frauen habe nach einer Fehlgeburt ein gesundes Kind zur Welt gebracht und mit ihrem Partner eine glückliche Kleinfamilie gegründet. Das verlorene Kind werden sie jedoch nie vergessen. Und so schreibt eine Mutter an ihr Kind:
„Liebes Sternchen,
wir lieben dich über alles und daran wird sich nie etwas ändern. Dein Geschwisterchen soll kein Ersatz für dich werden, du wirst uns immer fehlen. Wir werden dich oft gemeinsam besuchen.
Kuss,
deine Mama“
- Datum 13.09.2006 - 05:59 Uhr
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Sie schreiben, "es liegt in Gottes Hand ob Leben entsteht und wie lange es als irdisches Leben dauert" - wie eigentlich passt das zusammen mit "ist sein Tod vielleicht auch ein Protest"? Es kann - zumindest in meiner Logik, die zugegebenermassen menschlich und begrenzt ist - nur *einer* von beiden ueber den Tod eines Ungeborenen frei entscheiden, der ungeborene Mensch oder Gott.
Ich habe weniger Schwierigkeiten damit, die Umstaende des Lebens als "Gabe Gottes" zu verstehen; praenataler Suizid als Form gesellschaftlichen Protests dagegen kommt mir dann doch als ein etwas gewagtes Konstrukt vor...
Aber viel problematischer finde ich, was Ihre Aussage in Menschen ausloesen kann, die ein Kind verloren haben. Sie sagen vorweg, "... wir sind vollkommen in der Hand Gottes oder des Schicksals...", und dann bringen Sie (in anderen Worten) die Erklaerung: "Die Mutter ist schuld - der Mensch in ihrem Leib konnte sich naemlich nicht sicher sein, ob er (ihr) willkommen waere, und hat sich deshalb sicherheitshalber aus dem Leben verabschiedet." Auf wen, wenn nicht auf die Mutter, sollte sich der "Protest" denn sonst beziehen? Auf eine Umwelt, von der das Ungeborene kaum mehr als ein paar extrem gedaempfte Eindruecke bekommt? Gut, es spuert den Stress *auf* die Mutter - und wieder ist *sie* in der Schuld: Warum kuemmert es sie mehr, was sie stresst, als das ungeborene Kind (das doch vor jedem Stress geschuetzt werden muss)?
Sie schreiben: "Auch dass Menschen ihre Daseinsberechtigung zunehmend oekonomisch nachweisen müssen richtet sich gegen das Leben , da das im Mutterleib ein Mensch einfach nicht kann, aber der Druck der auf ihn verübt wird, kann er erleiden. "
Ich glaube, Sie pauschalisieren da ein wenig - vielleicht auch ein wenig zu viel. Der oekonomische Druck in unserer Gesellschaft *ist* nicht gering, aber das war er nie, nur war das frueher einfach ein gegebenes Faktum. Es war einfach so, dass ein "Faulpelz" unsozial war, weil jede Hand gebraucht wurde, um das Familieneinkommen heranzuschaffen oder den Haushalt zu bewaeltigen. Unpassendes Wetter oder ein Hausbrand, schon eine Krankheitswelle oder Invaliditaet einzelner Familienangehoeriger konnte eine Familie in den Ruin reiben - war das wohl weniger "oekeonomischer Druck"? Ich bezweifle es. Er war vielleicht ertraeglicher, weil er geteilt wurde. Aber "Entweder Du machst Dich nuetzlich, oder Du siehst zu, wo Du bleiben kannst." ist nun keine Errungenschaft des 21. Jahrhunderts, nur war sie frueher vielleicht noch mehr von der blanken Not diktiert und besser akzeptiert.
Wenn Sie es ernst meinen mit "es liegt in Gottes Hand ob Leben entsteht und wie lange es als irdisches Leben dauert", sollten Sie in Erwaegung ziehen, dass es auch in Gottes Hand liegt, einer Kultur, die sich in kollektivem Jammer ueber die Unmoeglichkeit hundertprozentiger Sicherheit und eines Lebens, in dem auch das Notwendige noch Spass machen soll, einen Hinweis darauf zu geben, dass die Welt vielleicht einfach doch kein grosser Spielplatz ist, auf dem nur wichtig ist, worauf man grad die groesste Lust hat. Wir hatten nicht sieben, sondern eher, sagen wir, fuenfzig "fette Jahre" - aber nach den fetten kamen schon immer auch wieder magere Jahre. Und in denen ist der "oekonomische Druck" nunmal hoeher; das liegt in der Natur der Sache - genauso wie alle die unschoenen Randerscheinungen, die magere Jahre nun mal haben.
Generationen von Menschen haben Dinge erlitten, die fuer die meisten heute in Deutschland lebenden Leute blosse Worte sind: Hungersnot, Epidemien, Krieg... Geschichtlich betrachtet, war Leid der Normalfall und ein weitgehend vom Leid verschontes Leben ein Gluecksfall, fuer den man beneidet wurde. Wenn man heute in die aermeren Gegenden dieser Welt schaut, ist es dort auch heute noch so. Dagegen nimmt sich der Druck, einen Beruf ausueben zu sollen, auf den man keine rechte Lust hat, doch eher wie ein sanftes Unbehagen aus...
Die Trauer ist etwas das auch zornig macht weil der Mensch für alles glaubt einen Anspruch auf eine Erklärung zu bekommen.
Gibt es aber nicht, wir sind vollkommen in der Hand Gottes oder des Schicksals, und der/das schuldet niemand eine Erklärung.
Dessen müssen wir uns immer bewusst sein, dass die menschlichen Fähigkeiten begrenzt sind, und Problemlösungen nur neue Probleme schaffen wenn zb. offensichtlich gegen die Schöpfung und die höhere Ordnung verstoßen wird. ist es wirklich wichtiger Karriere zu machen als die optimale Zeit die nunmal in der Jugend liegt für Kinder zu nutzen, und müssen wir eine Gesellschaftsordnung dulden die das nicht ermöglicht. Kann ein Mensch im Mutterleib sicher sein willkommen zu sein in einer solchen Welt, oder ist sein Tod vielleicht auch ein Protest. Wie auch immer, ob nun Trauer, oder Schuldgefühle, es ist eine Frage der Jugendbildung diese Fragen ins Bewusstsein zu bringen denn niemand kann wenn zu alt und dann trotzdem unbedingt noch Kinder will die Zeitschiene zurückfahren. Der Alterungsprozess ist eine der harten Realitäten des Lebens und lässt sich nicht so leicht weglügen oder verdrängen wie die Geschlechterunterschiede.
Wie gesagt es liegt in Gottes Hand ob Leben entsteht und wie lange es als irdisches Leben dauert, aber wir haben die bestmöglichsten Vorrausetzungen zu schaffen dass Kinder möglichst willkommen sind, hier ist die Verhütungshysterie und Selbstverwirklichungshysterie die diese Gesellschaft prägt schon eine Kampfansage gegen das Leben an sich.
Auch dass Menschen ihre Daseinsberechtigung zunehmend oekonomisch nachweisen müssen richtet sich gegen das Leben , da das im Mutterleib ein Mensch einfach nicht kann, aber der Druck der auf ihn verübt wird, kann er erleiden. Hier zeigt sich deutlich die unerträgliche und auf Dauer nicht hinnehmbare Unmenschlichkeit des libertären Systems als "humanistische" Erungenschaft.
Und wer ein Kind verloren hat oder nun über diese Sternenkinder nachdenkt und nun zu alt ist für eigene Kinder kann trotzdem als Mentor junge Menschen unterstützen und damit zu einer kulturellen Entwicklung beitragen in der Kinder willkommen und geborgen sind.
warum versuchens die eltern nicht zeitnah noch mal, anstatt in jahrelange trauer und depression zu verfallen ?
irgendwo hab ich mal gelesen, daß ca.25% der befruchteten
eizellen auf der strecke bleiben, der mensch ist eben keine perfekte maschine.
bei älteren frauen muß der fortpflanzungsapparat vielleicht erst mal wieder "in die gänge" kommen...
therapeuten gibts auch noch, wo sie erst mal hingehen können. und dann maybe next try...
Die meisten Aborte (keine Ahnung, wie viele das sind, aber die 25% halte ich fuer falsch) geschehen in den ersten Schwangerschaftswochen und haben in der Regel keine so gravierenden psychologischen Folgen. Es kann passieren, dass Frauen eine Schwangerschaft gar nicht recht "bemerken", sondern annehmen, ihre Menstruation sei nur einmal unregelmaessig eingetreten.
Hier geht es aber um eine zahlenmaessig sehr viel kleinere Gruppe, naemlich die, in denen die Schwangerschaft schon weit fortgeschritten war - und entsprechend den Koerper der Mutter "belastet" hat. Ich habe mal als Faustregel gehoert, der Koerper einer Mutter brauche ungefaehr dieselbe Zeit, sich von ihr zu erholen, die er fuer die Schwangerschaft selbst gebraucht hat. In diesen Faellen waeren das also vielleicht sechs bis neun Monate, bevor die Mutter rein koerperlich wieder zu einer Schwangerschaft in der Lage ist. Das gibt damit die untere Grenze fuer Ihr "zeitnah" an.
Aber nach sechs bis neun Monaten "ist" den Eltern vielleicht einfach "gerade nicht danach". Einerseits kann es sein, dass sie sich (vernuenftigerweise) an einen Arzt gewand haben, um zu erfahren, ob es gesundheitliche Gruende bei einem von ihnen gibt, die zu der Fehlgeburt gefuehrt haben, andererseits... nun, das ist komplizierter. Die Form von Trauer, die hier die wesentliche Rolle spielt, unterliegt nicht so stark der bewussten Kontrolle wie zum Beispiel kulturelle Trauer. Ich kann mir vornehmen, aus Trauer ueber einen toten Freund eine gewisse Zeit schwarze Kleidung zu tragen (oder was auch immer). Aber ich kann mir nicht vornehmen, nach einer bestimmten Zeit "fertig mit der inneren Trauer" zu sein. Erst recht nicht, wenn es um Angehoerige, gar Kinder, geht. Die Trauer ist eben da, mal staerker und mal schwaecher, ohne dass man sich das vorgenommen haette oder die Entscheidung, "jetzt ist aber mal gut", wirlich einen Einfluss darauf nehmen koennte. Das heisst: Die normale Trauer ist so wenig "normierbar", dass der Uebergang zu depressiver Trauer gar nicht fassbar ist. Man entscheidet sich nicht, depressiv zu werden - irgendwann merkt man, dass man es geworden ist. Oder man merkt es nicht oder ist sich nicht ganz sicher, ob das jetzt noch okay oder schon irgendwie grenzwertig ist...
Sie haben sich selbstironisch "gefühlskalter kühlschrankeisblock" genannt, aber vielleicht machen die Erklaerungen es auch fuer einen "kuehlen Verstand" ein wenig nachvollziehbarer...?
Mir ist vollkommen unverständlich, wieso die deutsche Friedhofsordnung in ihrer aktuellen Fassung überhaupt noch existiert. In diesem Land ist es aus ethischen Gründen strikt untersagt, menschliche Embryonen zu Forschungszwecken zu "verbrauchen". Ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch. Ethisch völlig unbedenklich allerdings scheint es zu sein, trauernden Eltern ein Grab für ihr 5-Monats-Sternenkind zu verweigern. Diese Art Scheinheiligkeit ist zum kotzen. Und noch etwas: In den Kommentaren ist viel von Gott und vom Schicksal die Rede, das wir Menschen einfach zu ertragen hätten. Ich frage mich ernsthaft: Wieso tun wir nicht wenigstens das, was MENSCHLICH und MENSCHENMÖGLICH wäre? Könnte doch sein, damit wäre den Betroffenen bereits ein ganz klein wenig geholfen?
Ich bei der Recherche für aktuelle Meldungen für meine private Kinderhilfe Webseite zufällig auf diesen Artikel gestossen.
Auch ich habe vor mittlerweile fast 12 Jahren meinen Sohn Marco begraben müssen. Er wurde nur 16 Tage alt und starb an einem damals irreparablen Herzfehler (Hüpoplastisches Linksherz).
Ich habe fast 1 Stunde zum Lesen dieses Artikels gebraucht, immer wieder kam das Erlebte im mir wieder hoch und ich konnte vor lauter Tränen in den Augen nicht weiterlesen.
Ich kenne sehr viele Eltern mit dem selben Schicksal und versuche es zum Teil mit der Arbeit an meiner Internetseite zu bewältigen.
Es würde mich freuen wen sich einige Leser dieser Zeilen auf der Seite: http://kindersuche.at.tp umsehen würden, und wenn sie wollen auch eine Kerze für ihr Kind oder für Marco zum Gedenken anzünden. Auch ein paar Zeilen unter Kontakt oder im Gästebuch zum Gedankenaustausch würden mich freuen.
Gott hat all diese Kinder sicher aus einem guten Grund, den wir hier auf Erden noch nicht verstehen können, zu sich genommen.
Engelbert Dejaco
Hallo,
als erstes möchte ich bemerken, daß ich den Artikel sehr gelungen finde. Er beschönigt nichts, aber er zeigt auch, daß man weiterleben kann...
Weiterleben, das geht nicht so, wie man vorher gelebt hat und doch geht es irgendwie weiter... Beim Verlust eines Kindes, egal wie lange es da war, bleibt die Erde für einen winzigkleinen Moment stehen - und wenn sie sich dann weiterdreht, ist nichts mehr so wie zuvor...
Es ist egal, wie alt man ist, egal, ob man bereits Kinder hat oder noch welche bekommt, egal, unter welchen Umständen und in welcher Schwangerschaftswoche oder welchem Lebensmonat das Kind gestorben ist... Man verliert ein Stück von sich selbst...
Viele Menschen meinen, die Zeit heilt alle Wunden, aber diese Wunde bleibt wie eine Narbe in unseren Herzen zurück. An manchen Tagen spürt man sie kaum noch, aber an anderen Tagen, da juckt und schmerzt es so sehr, daß man es kaum aushält...
Ich finde es sehr traurig, mit was für Kommentaren sich hier einige zu Wort gemeldet haben, aber ich werde für sie beten, daß sie niemals solch eine schmerzliche Erfahrung machen müssen !
Aber ich muß auch noch was zu den erwähnten Friedhofsordnungen ergänzen: die genannten Grenzen (also Herzschlag, Lungenatmung, Mindestgewicht von 500 g) gelten für die BestattungsPFLICHT. Erreicht ein ungeborenes Kindchen diese Grenzen nicht, hat man aber ein BestattungsRECHT, welches allerdings nicht bei jedem Friedhof durchgesetzt werden kann. Aber man hat immer bessere Aussichten, wenn man nur fragt ! Dann kann man sein Kind nach einer Fehlgeburt z.B. in einem bereits vorhandenem Grab (z.B. von den Großeltern oder wie bei uns von unserem ersten Kind) "beilegen". Dazu braucht man keinen Pfarrer, keinen vom Friedhof, sondern man muß nur fragen, ob es o.k. ist und kann dann das Kindchen beilegen.
Außerdem bieten mittlerweile immer mehr Friedhöfe (die meist auch mit den Kliniken zusammenarbeiten) Gemeinschaftsgrabanlagen für fehl- und frühgeborene, aber auch für stillgeborene Kinder an. Hier werden die Kinder entweder gemeinsam beigesetzt (i.d.R. kostenlos für die Eltern), aber man kann meist auch eine Einzelbestattung (Kosten sind dann von den Eltern zu tragen) machen lassen.
Und diese Plätze sind nicht nur für die Sterneneltern gedacht, deren Kinder dort begraben werden, sondern auch für die Eltern, die eben kein Grab haben, an das sie gehen können.
Weitere hilfreiche Tips können Betroffene, aber auch Freunde und Familien gerne auf der HP unserer Selbsthilfegruppe nachlesen: www.sterncheneltern-rhoen...
Und nun zünde ich in Gedanken noch eine Kerze für alle kleinen Sternenkinder und ihre Eltern an...
Ich wünsche allen Sterncheneltern da draussen ganz viel Liebe, Kraft, Zuversicht und verständnisvolle Menschen um Euch rum !
Eine Sternenmama
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