Presseschau Bedrohter Papst

Benedikt XVI. hat sein Bedauern über die Reaktionen auf seine Rede ausgedrückt. Die Gretchenfrage bleibt: Wie hält die islamische Welt es mit der Gewalt? Adrian Pohr kommentiert das aktuelle Meinungsbild

Man mag es kaum glauben: Morddrohungen gegen den Papst? Wegen eines Zitats aus dem 14. Jahrhundert? In der Tat befürchten Sicherheitspolitiker und Terror-Experten, dass Benedikt XVI. nach den heftigen Reaktionen auf seine Rede verstärkt ins Visier islamistischer Extremisten gerät. Im Internet droht al-Qaida dem Kirchenoberhaupt und dem Westen Gewalt an, wie tagesschau.de und Spiegel Online berichten: "Wir sagen dem Diener des Kreuzes: Warte auf die Niederlage", heißt es in der Erklärung des Terrornetzwerks. "Wir sagen den Ungläubigen und Tyrannen: Wartet, was euch heimsuchen wird. Wir setzen unseren heiligen Krieg fort. Wir werden das Kreuz zertrümmern."

Im Irak drohte die Gruppe "Armee der Mudschahedin" mit Angriffen auf den Vatikan. In Somalia sei zur "Jagd auf den Papst" aufgerufen worden, meldete das italienische Fernsehen. Eine italienische Ordensschwester wurde bereits in Mogadischu erschossen, offenbar als Reaktion auf die Papst-Rede.

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Brennende Kirchen waren auch im Fernsehen zu sehen – obwohl der Papst am Wochenende sein tiefes Bedauern ausdrückte. "Es handelte sich dabei um ein Zitat eines mittelalterlichen Textes, der in keiner Weise mein persönliches Denken widerspiegelt", sagte Benedikt in einer Ansprache. Er nahm aber keine Aussage zurück und entschuldigte sich auch nicht, wie es muslimische Geistliche verlangt hatten.

Muslimische Organisationen in Deutschland begrüßten die Klarstellung Benedikts. Der Zentralrat der Muslime erklärte, die Papst-Erklärung sei der "wichtigste Schritt" gewesen, um den Protesten in der islamischen Welt entgegenzuwirken. Ähnlich äußerten sich der französische Muslim-Dachverband CFCM und der Muslimrat von Großbritannien. Ein Sprecher der ägyptischen Muslimbruderschaft sagte: "Gleichgültig, ob er (der Papst) es in guter oder schlechter Absicht gesagt hat, wir akzeptieren seine Entschuldigung, denn wir wollen keine Krise zwischen Muslimen und Christen heraufbeschwören."

Doch nicht überall gab es mäßigende Reaktionen. In verschiedenen iranischen Städten demonstrierten islamische Geistliche gegen die Papst-Rede. Ahmad Chatami, Mitglied des höchsten islamisches Rates des Landes, warf dem Pontifex mangelnde Kenntnis der islamischen Lehren vor und kritisierte Bundeskanzlerin Angela Merkel, die den Papst im Streit um das von ihm verwendete Zitat unterstützt hatte. In Marokko protestierte König Mohammed VI. gegen die Äußerungen des Papstes. Der Monarch rief den marokkanischen Botschafter beim Vatikan zurück und übermittelte eine Protestnote. Der Mufti von Saudi-Arabien empfahl dem Papst am Sonntag, "sich eingehender mit dem Islam zu befassen". Dann werde Benedikt XVI. feststellen, dass der Islam nicht mit dem Schwert verbreitet worden sei, sondern durch "gute Worte" und überzeugende Argumente.

Im Fernsehsender al-Dschasira warf der einflussreiche islamische Würdenträger Scheich Jussuf al-Kardawi dem Papst vor, sich mit seiner Klarstellung am Sonntag nicht wirklich entschuldigt zu haben. "Das sind keine Entschuldigungen. Das ist ein an die Moslems gerichteter Vorwurf, dass sie seine Worte nicht verstanden haben", sagte er. Solange Benedikt XVI. seine Worte nicht zurückziehe, werde der Dialog zwischen Muslimen und Christen eingestellt.

Die Empörung auf den Straßen islamischer Länder scheint dem Modell des Karikaturen-Streits zu folgen: Scharfmacher, oft in Unkenntnis der eigentlichen Rede Benedikts, wiegeln die Massen auf. Die Menschen fühlen sich beleidigt und sehen ihre Religion verraten. Der Kontext des Auslösers geht im Aufruhr unter. "Taktlos, aber nicht feindselig" sei die ursprüngliche Rede Benedikts gewesen, schreibt der Spiegel , der es sich dennoch nicht nehmen lässt, den Konflikt reißerisch auf den Titel zu heben. "Papst gegen Mohammed. Glaubenskampf um den Islam, die Vernunft und die Gewalt", lautet die Schlagzeile, die illustriert wird von einem Foto des sanft lächelnden Papstes mit ausgebreiteten Armen.

Der Vatikan bemüht sich indes weiter, die Wogen zu glätten. Der Heilige Stuhl habe jetzt seine apostolischen Nuntien in den islamischen Ländern der Welt damit beauftragt, den politischen und religiösen Autoritäten den Inhalt der Rede von Benedikt XVI. genau zu erklären, sagte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone der Zeitung Corriere della Sera : "Die Elemente der Rede, die bisher vernachlässigt wurden, müssen hervorgehoben werden." Bisher sei die Rede des Papstes manipuliert und ganz anders dargestellt worden, als sie gemeint war, fügte Bertone hinzu. Er glaube weiterhin, dass Benedikt XVI. Ende November wie geplant in die Türkei reisen werde.

Leser-Kommentare
  1. Ql Quaida entspricht allerdings exakt Bild das Benedikt mit dem byzantinischen Pinsel malte, bei uns in der Tageszeitung wurde sogar behauptet, sie wolle den Dschihad - und der ist ja bei denen nunmal nicht naz gewaltfrei - solange fortsetzen bis die ganze Welt erobert worden wäre, dann blieb den Ungläubigen nur noch die Wahl zwischen Annahme des Islam und dem Tod. Das ist natürlich nicht schön.

    Erfolgreicher sind aber sicherlich gewaltfreie Missonsversuche der friedlichen Muslime - die Frage ist, ob diese aus christlicher Sicht im Grunde noch gefährlicher sind...tolerieren sollen wir sie. Von Al Quaida aber spricht doch in zehn, zwanzig Jahren kein Mensch mehr.

  2. Was meinen Sie mit der Redensart "Dialog der Kulturen auf gleicher Augenhoehe"? Ich bin ja schon dankbar, dass Sie "Religion" mit "Kultur" austauschen. Aber, wie weit runter muessen wir kommen? Bedarf es ueberhaupt eines Dialogs, wenn es um Fragen von Tod und Leben geht?
    Das ist kein Oberlehrer-Diskurs und keine rethorische Fragestellung.

  3. wer in diesem ton solch eine frage stellt, beweist, dass er unfaehig ist, einen dialog auf augenhoehe zu fuehren..
    diese presseschau jetzt, dass die deutschen medien nicht "objektiv", sondern in ihrem (feind-)bild islam verhaftet sind..

  4. "Nicht 'mit dem Logos' handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider." Das klingt alles sehr schön, freilich, im Innersten können wir freien Seelen nur durch Vernunft überzeugt werden und sonst durch gar nichts. Bekehrungen unter Gewalt sind Scheinbekehrungen.

    Wohl wahr: sie zählen aber trotzdem.

    Außerdem dauert es nicht lange: dass aus diesem feierlichen Satz jener wird:

    Die nicht mit dem Logos handeln, sind dem Wesen Gottes zuwider. Und das sind vor allem: ...

    nicht die Katholiken.

  5. Die katholische Kirche hat oft erklärt, dass der Islam den Menschen viel Gutes bringt. Deswegen verwundert ja dies schroffe Zitat.

    Sie verehren den Schöpfer, sorgen für die Armen, beten eifrig und wollen Gott dienen, sie verzichten auf berauschende Getränke und eigentlich auch auf Gewalt.

    Aber manche halten sich nicht an das Letztere.

  6. Wen der Papst eine Rede hält dann redet er im Namen aller Christen.....und alle hören ihm dann zu, den der "heilige Vater" versucht uns den richtigen weg zu weisen, so die Theorie.
    Ok wenn der Papst ein Zitat benutzt was eigentlich den Islam als inhumane Religion präsentiert dann hören ihm und glauben ihm der größte Teil der rud 1,5 milliarden Christen.
    Dieses Zitat bestärkt nochmals unsere Negative Haltung gegenüber dem Islam.
    Ich glaube nicht das, dass dem Interreligiösen Dialog zu gute kommen wird und das so kurz vor seinem so wichtigen Türkei besuch.
    Wir sollten uns mal kritisieren und nicht immer die anderen und vor allem sollten wir fair sein,wie wurde den das Christentum verbreitet mit Blumen und Schokolade.?
    In diesem Land leben so viele mulime die eigentlich das gegenteil von dem beweisen was der papst zitiert.
    Herr Ratzinger sie müssen noch einiges lernen.

    • eik
    • 20.09.2006 um 9:21 Uhr

    wie weit der Islam gehen darf. Diese Müllschluckerei der westlichen Länder ist nicht mehr zu ertragen. Die Laberkratie unserer Politiker ist länst am Ende. Wenn wir uns nicht bald auf unsere Macht und Stärke besinnen, werden die Muslime unsere Länder übernehmen.

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