Vor so einem Laden mit einem Taxi vorzufahren, ist schon ein wenig unangemessen. Ein Fahrrad wäre wohl passender gewesen. Unsere erste Station ist das Lift-Internetcafé in der Weberstraße im Ostertorviertel. Der Name verwirrt uns zunächst, doch tatsächlich: im rechten Teil des Cafés sitzen ein paar Leute herum, surfen im Netz und trinken Bier, während von links seichte Housemusik herüberschwappt. Dort ist die Bar. Wir bestellen, setzen uns auf eine schon ziemlich abgehalfterte rote Ledercouch und blicken auf schrullige Dias. Urlaubsbilder aus den Siebzigern, alte Autos, enge Hosen, lange Haare, so was.

DJ Jochen Becker macht heute die Musik. Er hatte mal einen Plattenladen und ist absoluter Housespezialist. Heute arbeitet er bei WOM. Was aus dem Laden wohl mal wird? Er spielt Klänge und Remixe von Theo Parrish, Carl Craig und Omar S. und das wunderbare Walk A Mile In My Shoes von Coldcut. Das klingt ganz gut. Manchmal werde hier sogar getanzt, erzählt uns jemand. Heute scheint es eher ein entspannter Abend zu sein. Familiär. Grüppchen sitzen im rötlichen Dämmerlicht und nicken bedächtig zum Geplucker und Gefiepse aus den Boxen. Wir nicken eine Weile mit.

Das Lagerhaus ist eine Institution in der Bremer Kulturszene. Das große Haus beheimatet gleich mehrere Veranstaltungsräume. Heute ist nur das Restaurant geöffnet, denn morgen spielen hier Kante . Die Wände ziert eine ansprechende Fotoausstellung, es läuft namenloser Bar-Jazz, Kruder & Dorfmeister, Musik, die niemandem wehtut. Die Gäste tragen große Biere und kleine Snacks vor sich her, es ist Selbstbedienung. Man gibt sich viel Mühe, gut auszusehen. In der Nähe hat mal Sven Regeners «Herr Lehmann» gewohnt.

Auf dem Sielwall bleiben wir von dem Eisen stehen. Was soll das sein? Cocktailbar? Verzweiflungs-Eckkneipe? Von innen dringen die beinahe vergessenen Töne der nordirischen Punkband Stiff Little Fingers auf die Straße. Ein guter Grund, hineinzugehen. Wir bestellen unseren ersten Averna beim Barkeeper, der Martin Gretschmann von Console erschreckend ähnlich sieht. An diesem Ort sollen Tomte ihr erstes Clubkonzert gegeben haben. Aha. Auf der Getränkekarte stehen sonderbare Flüssigkeiten: Offenes Bein , Zombie oder HeavyHeavy , der angeblich härteste Schnaps Bremens.

Vielleicht sollten wir doch so ein Getränk nehmen: inzwischen lässt der Barkeeper Employment der Kaiser Chiefs durchlaufen. Klingt nach Madness, auf Dauer etwas langweilig. An einer Wand breitet sich ein gezeichneter Spiderman aus, daneben grinsen Günter Netzer, Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer von einem alten Fußballmannschaftsfoto auf uns herab, so dass uns das Gehen schließlich sehr leicht fällt.

Wir versorgen uns mit Falafel bei Taco am Sielwall, MTV sendet ein uraltes Video von The Prodigy. Jemand nimmt uns mit ins Zakk , einen selbstorganisierten, nichtkommerziellen Klubraum. Früher soll hier „Die Schule“ gewesen sein, so, so. Wir klingeln und werden hineingelassen. Der Raum ist klein, drei Tische nur, von den Wänden blättert es pastellgrün. Hinter dem Tresen – die WG Ritterstraße hat heute Dienst – kleben „No Racism“-Aufkleber und der Hinweis „Heute kein Eis“. Schnell hat unser Zwiebelgeruch den Raum gefüllt, wir bekämpfen ihn mit Getränken, die auch warm sind.