Arbeitsvermittlung Unsinnige Kritik?

Die Arbeitsagentur investiert nur in leicht zu vermittelnde Fälle, so der Vorwurf von kritikern. Stimmt nicht, sagen Verwaltungsratsmitglieder. Doch Rechnungsprüfer warnen vor einem Rückzug

Lässt die Bundesagentur für Arbeit (BA) manche Erwerbslose einfach fallen? Anfang der Woche berichtete das TV-Magazin Report, die Behörde würde Arbeitsuchende mit geringen Chancen als »Betreuungskunden« einstufen, was bedeute: »Dieser Kunde ist abgeschrieben. Die BA investiert nichts mehr in ihn.« Stattdessen würden Problemfälle sogar aus dem Erwerbsleben gedrängt, heißt es unter Berufung auf einen internen Bericht des Bundesrechnungshofes.

Tatsächlich gehört es seit 2004 zur erklärten Politik der BA, zwischen verschiedenen Gruppen von Arbeitslosen zu unterscheiden. Als »Betreuungskunden« gelten Erwerbslose mit mehreren Vermittlungshemmnissen – etwa Alkoholsucht, Überschuldung und ungeeignete Qualifikation. Auch diese Gruppe bekommt nach Angaben der BA jedoch Hilfe. Je nach Fall würden Sucht- oder Schuldenberatungen vermittelt oder Trainingsmaßnahmen angeboten.

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»Die Kritik ist offensichtlicher Unsinn«, schimpft Peter Clever, Arbeitgebervertreter im Verwaltungsrat der BA. Er verweist auf Zahlen: »36 Prozent derjenigen, die im vergangenen Jahr in das Arbeitslosengeld II gerutscht sind – also eher schwierige Fälle –, wurden vorher mit Maßnahmen gefördert.« Zudem würden mit dem Programm »Wegebau« gezielt Menschen mit Betreuungsprofil unterstützt – in diesem Jahr für 200 Millionen Euro. Und im BA-Haushalt für 2007 werde ein Budget für die Förderung speziell der »Betreuungskunden« reserviert. Darauf habe sich der Verwaltungsrat am Dienstag geeinigt. »Es gibt gute Ansätze«, erklärt dazu Annelie Buntenbach, Gewerkschaftsvertreterin im Verwaltungsrat. »Aber da muss noch mehr getan werden.«

In dem (vorläufigen) Bericht der Rechnungsprüfer, der der ZEIT vorliegt, werden die Kundengruppen als sinnvoll bezeichnet. Die Prüfer warnen aber, bestimmte Handlungsanweisungen der BA könnten einen weitgehenden »Rückzug« der Agenturen zur Folge haben.

 
Leser-Kommentare
  1. gestern hatte korfstroem die Gelegenheit, die Bewerbung eines Auszubildenden, der das Bewerbertraining durchlaufen hatte, durchzusehen.

    Die Sprache hölzern, der erste Rechtschreiffehler schon auf der ersten Seite. Ein aussagefähigeres Zeugnis für die Arbeitsqualität der Bundesagentur kann es kaum geben.

    korfstroem

  2. ... wie in 'meiner' Firma.

    Ich bilde nun seit 6 Jahren Praktikanten im Bereich der IT-Systemadministration aus.
    naja .. ich habe sie mit im Büro und muss zusehen, dass diese Leute arbeiten.
    Alles im Rahmen einer Umschulungsmassnahme der Arbeitsagentur.
    Dauer der Umschulung: 2 Jahre
    Dauer der Praktika: je Ausbildungsjahr 1x 3 Monate
    Ziel: Ausbildungsabschluss als IT-Systeminformatiker

    Bislang ist mir noch niemand dieser Menschen untergekommen, die im Anschluss auch einen Beruf/Job in dieser Tätigkeit b ekommen haben.
    Warum nur?
    Gezieltes Nachfragen bei den Praktikanten ergab, dass sie vorher alles möglich waren,
    Chemiker, Maurer, Hausfrau, Fleischfachverkäufer, Vorarbeiter, Schüler, Student, Bürokaufmann und und und ...
    aber eigentlich Niemand der auch nur annähernd ein wenig Vorbelastung in dem Beruf hatte - mal von reinem Intresse abgesehen -
    Und das ist dann auch der Grund, dass die Arbeitlosenbehörde Jemanden in eine Umschulung schickt.
    Alle die nicht schnell genug Nein sagen, finden sich zwangsweise in einer Umschulung wieder.
    Mit entsprechenden Erfolg.
    Es ist eine Strafe, jemanden in einen Beruf ausbilden zu müssen, an dem er weder das Verständnis, noch die Fähigkeit hat.
    Wie soll auch jemand einen Computer, deren Software UND auch den davor sitzenden Anwender supporten, wenn Eigenschaften wie logisches Denken, Teamfähigkeit und auch Verstehen der englischen Sprache nur sehr dürftig ausgeprägt sind?

    Ich stell mir grad vor wie das wohl ist, wenn ein arbeitsloser Programmierer ein Praktikum in einem Fleischzerlegebetrieb macht.

    In Anbetracht der Tatsache, dass es scheinbar ja nur um das Vermitteln von Arbeitslosen geht, scheint das ganze System recht logisch.
    Auch wenn es sinnlos ist.

    • keox
    • 27.09.2006 um 23:22 Uhr

    es ist nun wirklich kein geheimnis, daß seit ewigkeiten sehr viel geld unfähigen, desinteressierten bildungsträgern hinterhergeworfen wird.

    die bildungsträger unterlagen nie einer echten kontrolle. vollmundig formulierte projektanträge reichen in der regel aus, um einen bildungsträger mit vom amt zwangsweise zugewiesenen arbeitslosen zu versorgen, so also das wirtschaftliche überleben des trägers zu sichern.

    als dozenten solcher bildungsmaßnahmen werden kurzfristig arbeitslose mit der je vorgeschriebenen mindestqualifikation eingestellt, natürlich mit finanzieller unterstützung der zuweisenden ämter, vorzugsweise abm.

    ehemals arbeitslose sozialarbeiter üben dann mit immer noch arbeitslosen das verfassen schriftlicher bewerbungen. daß der überwiegende teil dieser klientel sich üblicherweise per telefon bewirbt hat sich noch nicht herumgesprochen. entsprechende konzepte werden also nicht umgesetzt.

    aber von konzepten zu reden ist ohnehin unsinnig, es gibt nur ein konzept, und das besteht darin, die ein bis zwei hauptamtlichen kräfte des bildungsträgers zu finanzieren. die sogenannten dozenten sind nach ablauf der bildungsmaßnahmen in der regel wieder so arbeitslos wie ihre opfer. nicht selten treten sie abwechselnd auf beiden seiten des prozesses in erscheinung.

    die inhaltlichen vorgaben vieler bildungs- oder qualifikationsmaßnahmen sind, vorsichtig formuliert, unter aller sau. zum einen gehen die ausbildungsziele regelhaft an der marktsituation vorbei, wenn nicht hinken sie hoffnungslos hinterher.

    zum andern sind die dozenten oft hoffnungslos fachlich überfordert, pädagogische qualitäten sind bei dieser art der rekrutierung auch nicht zu erwarten, und die aussicht, nach abschluß der maßnahme selbst wieder arbeitslos zu sein, ist nicht motivierend.

    daß die wahrnehmung dieser situation auch einen arbeitslosen nicht motiviert, dürfte auf der hand liegen. für ihn stellt sich die situation so dar, daß er von unmotivierten dozenten mit unsinnigen inhalten traktiert wir, die ihn nachweislich nicht weiterbringen. dementsprechend groß ist die begeisterung. dementsprechend groß aber, und das ist auch nix neues, ist die begeisterung von unternehmern, wenn das amt ihnen einen bewerber schickt.

    ergebnis dieser situation ist: unsummen fließen in ein qualifizierungssystem, in dem überwiegend unqualifizierte dozenten mit mangelhafter motivation ihrer aus gutem grund ebenfalls demotivierten zwangsklientel unbrauchbare inhalte vermitteln soll. und das ganze nur, um die statistiken zu schönen.

    die alte frage. wem nutzt das?

    und nu?

    wir alle hätten weniger stress, wenn wir die qualifizierung grundlegend umstellen würden. das hieße, in aller kürze, zeitnahe ermittlung am arbeitsmarkt tatsächlich nachgefragter fähigkeiten, das hieße qualifizierte, evaluierte vermittlung dieser fähigkeiten durch entsprechend ausgebildete dozenten mit einer motivation, die sich auf eine stabile soziale absicherung stützen kann.

    und das hieße, ganz zentral wichtig, freiwilligkeit der teilnahme an einer solchen qualifikationsmaßnahme, gekoppelt mit einem tauglichkeitstest.

    das ergebnis wäre vermutlich eine deutlich geringere zahl an maßnahmen, in denen allerdings motivierte teilnehmer auf motivierte, qualifizierte ausbilder träfen, um sich hinterher mit neuen, tatsächlich gebrauchten fähigkeiten auf tatsächlich vorhandene stellen zu bewerben.

    die vorteile liegen auf der hand. trained by arbeitsamt könnte ein gütesiegel werden, und den anderen arbeitslosen bliebe diese hirnlose drangsalierung erspart, die sie tausendfach bewerbungen schreiben läßt.

    na gut. genug gesponnen, das drangsalieren ist ja das A und O, wenn man millionen hatz-betroffene als lohndrücker instrumentalisiert.

  3. Die eingehende Beschäftigung mit dem Thema läßt vermuten, daß in der BA und ihrem Umfeld eine unappetitliche Gemengelage innerhalb eines magischen Dreiecks entstanden ist: Arbeitslose, BA, interessierte Dritte (Personalvermittler, Betreiber diverser Weitervermittlungsangebote, Berater etc.) Die Arbeitslosen, d.h. die Kunden werden anscheinend nur noch als Katalysatoren benötigt um den Austausch zwischen BA und den interessierten Dritten in Gang zu halten. Die sogenannten Vermittlungsgutscheine waren nur eine von vielen staatlich verbrieften Einladung zum Mißbrauch.

    Kunden, die nur Arbeit bringen und Kosten verursachen sind nicht erwünscht. Gefragt sind - wie im übrigen Wirtschaftsleben auch - Kunden, die das Erwirtschaften von Erträgen möglich machen.

    Wer sich über diese Arbeitsweise wundert, hat die gesamte Umstellung des Arbeitsamtes in die Bundesagentur verschlafen. Vorher wurden die Arbeitslosen verwaltet. Jetzt werden die Arbeitslosen ergebniswirksam aus dem Budget gedrängt. An der übrigen Arbeitsweise dürfte sich nur wenig geändert haben.

    korfstroem

  4. Der Bundestag hat zwei öffentliche Petitionen von mir angenommen, die ich aufgrund meiner Erfahrungen mit der ARGE eingereicht habe.

    Die erste davon steht zum mitzeichnen unter

    [Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion]

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