Grossbritannien Krönendes Finale

Die Stunde des Abschieds von Tony Blair naht. Nun beginnt die Labour-Partei zu begreifen, was sie ihm zu verdanken hat.

Man konnte den Eindruck gewinnen, dass Tony Blair seiner Partei den Abschied so schwer wie möglich machen wollte. Seine 13. Rede als Parteiführer war brillant in Inhalt und Ausführung. Selbst ein erbitterter innerparteilicher Kritiker wie Roy Hattersley, früher einmal stellvertretender Labourchef, nannte die Ansprache Blairs mit belegter Stimme eine Meisterleistung.

Wogen der Emotion umspülten Blair, nachdem er geendet hatte. Der Beifall wollte nicht enden. Es wirkte, als wollten die Delegierten mit ihrer frenetischen Ovation das schlechte Gewissen wegklatschen, das sie umtreiben mag. Die Labourparty verliert mit Blair einen Parteiführer und Premier, der eine Ausnahmeerscheinung darstellt. Nun, da die Stunde des Abschieds naht, beginnt die Partei zu begreifen, was sie an Tony Blair hatte und was sie ihm zu verdanken hat.

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Blair erinnerte Labour an das, was seit 1997 erreicht wurde. Mehr Schulen und Hospitäler dank massiver öffentlicher Ausgaben, ein Nationales Gesundheitswesen mit drastisch reduzierten Wartezeiten, Dezentralisierung für Schottland, Wales und Nordirland, ein gesetzlich vorgeschriebenes Mindestgehalt, Umverteilung durch Steuerkredite für die „Working Poor“, mehr Geld für arme Rentner und Hilfe für Kinder, die in Armut aufwachsen.

So erfolgreich sei New Labour gewesen, dass die Konservativen nicht umhin konnten, vieles von dem zu bejahen, was sie einst abgelehnt hätten – eine unabhängige Bank von England, Hilfe für die Armen zuhause wie im Ausland und nicht zuletzt auch die neue, gesetzlich verankerte Liberalität, wie die Schwulenehe und das „Right to roam“, das Wanderern riesige Ländereien geöffnet habe.

Blair hämmerte seiner Partei die Gründe für den dreifachen Wahlsieg ein, die eine solche Bilanz ermöglich hätten: Labour habe alte Dogmen abgestreift und den Nachweis geführt, dass ökonomische Effizienz und soziale Gerechtigkeit nicht im Widerspruch zueinander stünden. „Unsere Kernwähler sind das ganze Volk“ – eine Mahnung, nicht zurückzufallen in altes Gewohnheiten und neugewonnene Wähler in den breiten Mittelschichten zu vergrätzen.

Den Blick nach vorne gerichtet, ging der Premier auf die Herausforderungen der Zukunft ein. 1997 seien es vor allem britische Probleme gewesen, Arbeitslosigkeit, öffentliche Dienstleistungen und die Infrastruktur. Die neuen Herausforderungen seien globaler Natur: Klimawandel, Energieversorgung, Einwanderung und internationaler Terrorismus. 1997 hätte er selbst noch keinen Gedanken verschwendet auf den Bau neuer Atomkraftwerke. Heute halte er die Atomenergie für genauso unverzichtbar wie anderen, erneuerbare Energiequellen.

Leser-Kommentare
  1. ... Ein sinnloser Feldzug im Irak, der in ein Debakel endete; eine Vassallenpolitik gegenueber Washington; die Umwandlung des von der konservativen Vorgaengerregierung geerbten Haushaltsueberschusses in ein Haushaltsdefizit, das gemessen am BIP inzwischen groesser ist als das deutsche und franzoesische; eine steigende Steuerlast; der trotz des verschwenderischen Umgangs mit oeffentlichen Mitteln noch immer beklagenswerte Zustand des britischen Bildungs- und Gesundheitssystem; eine Wirtschaft, die dank kuenstlich erzeugtem Konsumrausch und massiver oeffentlicher Ausgaben buchstaeblich aufgeblasen wurde.

    Man braucht sich deshalb nicht zu wundern, wenn die Briten trotz der scheinbar glaenzenden Regierungsleistung Tony Blairs in politischer Wechselstimmung sind, und das naechste Mal wohl den jungen Konservativen David Cameron waehlen werden.

  2. ...Wie wär's mal mit nem Artikel zu Bilderberg?

    Zu Blair: er hat schon sein Möglichstes getan, die westliche Welt in Richtung einer mittels Angst beliebig manipulierbaren, der Ratio abschwörenden Gesellschaft zu verändern. Respekt und Anerkennung dafür!

    v.

    • Anonym
    • 26.09.2006 um 22:38 Uhr

    hat man Herrn Blair nicht nur einige Feldzüge in der Welt, False-Flag-Terrorism zu Hause, sondern zuletzt auch noch hahnebüchene Terroralarme, sowie wie vom Guardian widerlegte dreiste, kriegstreibende Lügen, wie dass der Iran Israel auslöschen wolle.

    Dass die Zeit so begeistert von Premier Blair ist, liegt evtl. neben den zahlreichen Zusammenkünften der Zeit-Oberen mit den Mächtigen dieser Welt auf Bilderberg-Treffs und sonstigen "heute teilen wir die Welt auf"-Partys an der neuen Symbiose vom Demokratie und Medien im UK. Clever wie Herr Blair nun mal ist, soll er vor jeder großen Entscheidung mit Freund Rupert Murdoch abgesprochen haben, damit dieser auch ja einverstanden ist, und nicht die Klatsche am nächsten Tag in Times, Sun und Co steht und nichts schlechtes auf Sky kommt. Brave New Labour World...

    Wie läuft das eigentlich in Deutschland Herr Joffe?

    • Anonym
    • 27.09.2006 um 0:28 Uhr

    Schauen Sie mal, lieber Prinz!

    Ich stell Sie mir toll vor, auf Parties!

    Gaaanz toll!

    Aber da sind ja die meisten besoffen, Fakten sind dann nicht mehr so wichtig, sondern nur, wer man schon ist!

    Ich bin noch nichts, aber sehr interessant!

    Wie waer"s??!!

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