Koalition Ratlos in der Krise

Kanzlerin Merkel und SPD-Chef Beck versuchen heute in einem Krisengespräch, einen Ausweg aus dem völlig verfahrenen Streit um die Gesundheitsreform zu finden, der zunehmend die Große Koalition gefährdet

Am Donnerstagabend hatte Merkel sich mit den Ministerpräsidenten der unionsregierten Länder getroffen, ohne eine Lösung zu finden. Auch nach diesem Gespräch war nicht erkennbar, dass die Länder ihre Nachforderungen zu den vereinbarten Eckpunkten der Gesundheitsreform fallen lassen werden. Im Gegenteil: Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) beharrte am Freitag im Deutschlandfunk darauf, dass die Begrenzung der Zusatzprämie für finanzschwache Krankenkassen gestrichen werden müssen.

Nach den Plänen von Schwarz-Rot sollen die Versicherten nicht mehr als ein Prozent ihres Haushaltseinkommens zahlen müssen, wenn ihre Krankenkasse mit den einheitlichen Beiträgen aus dem geplanten Gesundheitsfonds nicht auskommt. Die Unionsländer fürchten jedoch, dass es dann keinen echten Wettbewerb unter den Kassen geben wird. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bekräftigte am Freitagmorgen in der ARD, dass seine Partei auf die Obergrenze aus sozialen Gründen nicht verzichten wird. Er kritisierte zugleich das Konzept des Gesundheitsfonds erneut grundsätzlich.

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Ohne greifbares Ergebnis war am Donnerstagabend auch ein Treffen der Gesundheitsexperten der Koalition zu Ende gegangen. Danach hatte sich Beck ernsthaft besorgt gezeigt. Er sprach von »einer schwierigen Verhandlungssituation«. Merkel äußerte jedoch die Hoffnung, dass es eine Lösung im Rahmen der gemeinsam beschlossenen Eckpunkte geben werde.

Die SPD ist verärgert darüber, dass die Unions-Ministerpräsidenten Teile der Eckpunkte in Frage stellen. Sie hat deshalb, wie inzwischen auch Merkel, damit gedroht, notfalls eine Lösung erst im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat zu suchen - was die Krise zwischen Union und SPD weiter verschärfen würde.

Die Unions-Ministerpräsidenten rücken dennoch nicht von ihrer teils scharfen Kritik an der Gesundheitsreform ab. Milbradt sagte: »Man kann nicht etwas vereinbaren, das nicht funktioniert.« Er sprach von einer Provokation, dass das Gesundheitsministerium »ständig die gefundene Übereinkunft unterläuft« und zum Beispiel eine faktische Abschaffung der privaten Krankenversicherung vorhabe. Die Regelung zur Begrenzung von Zusatzprämien funktioniere nicht.

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) appellierte an die Union, die vereinbarten Kompromisse umzusetzen. »Für die SPD stehen die Eckpunkte.« Schmidt ist für viele in der Union zum zentralen Angriffspunkt in der Auseinandersetzung geworden. Die Kritik aus den Reihen der Union richtet sich aber auch gegen Merkel, die die Gesundheitsreform zu ihrem zentralen politischen Projekt gemacht hat - und die mit der Reform deshalb selber in Gefahr gerät. Manche in Berlin vermuten hinter dem Streit einen Machtkampf einiger der Unions-Ministerpräsidenten mit der Parteivorsitzenden und Kanzlerin.

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Leser-Kommentare
  1. Jede Gesellschaft hat ihre Drachen und ihre Jungfrauenopfer.

    Jahr für Jahr - und das seit über 40 Jahren - sammeln
    bei uns wechslende Regierungen neue Opfer ein, um den Drachen
    Pharmaindustrie bei Laune zu halten.

    Selbst in Zeiten ohne Rechtschreibreform, ließen sich dafür kaum noch
    Namen und Entschuldigungen finden.
    Es ist gegen jede Marktwirtschaft, dass Preis nicht am Markt realisiert werden.
    Und da wir keine Planwirtschaft haben, gibt es dafür nur einen Namen: Erpressung.

    In den verflossenen Zeiten der Nationalökonomie mag das ja OK gewesen sein;
    denn der Drache düngte zumindest unsere Felder.

    In Zeiten der Globalisierung und ohne nennenswerte eigene Pharmaindustrie
    fließt uns das Geld einfach nur raus.

    Auf diese Weise finanzieren wir das nicht vorhandene Sozialsystem der USA.
    Deren Rentner via Börse und Globalisierung die Welt für sich arbeiten lassen müssen.
    Gefährdung der Rückzahlung ist dabei proportional zur militärischen Präsenz der USA.

    Statt also wieder mal neue Worte um Geldeinsammelaktionen zu machen,
    sollten wir lieber eine Ausschreibung für einen Drachentöter machen.
    Es reicht schon eine Chronologie der letzten 40 Jahre um ihn erstehen zu lassen.

    Guido Lüchters

  2. ..sind aber auch die Medien, denn sie werten ja nur selten die wirklichen Ergebnisse einer Planung, sondern fragen immer, wer nun nachgegeben oder sich durchgesetzt hat.
    Das stete Ausloten von "Siegern" oder "Verlierern" eines Kompromisses sollte mal ausgesetzt werden. Dann könnten die Verhandlungspartner vielleicht was wirklich Vernünftiges gestalten, ohne immer die Angst haben zu müssen, ihr "Gesicht" verloren zu haben.

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