Querdax Spam dich reich!

Spamming mit dubiosen Aktientipps hat Einfluss auf die Kurse. Das beweist eine amerikanisch-britische Studie. Wer sie gelesen hat, wundert sich nicht mehr darüber, dass es noch immer so viele Spam-Mails gibt.

Stellen Sie sich vor, Sie bummeln gerade gemütlich durch die Fußgängerzone. Plötzlich hastet ein dubios aussehender Mensch auf Sie zu und brüllt: "Gehen Sie sofort zum nächsten Gebrauchtwagenhändler und kaufen Sie das rote Auto, das links am Eingang steht!" Würden Sie den Befehl befolgen und lossprinten?

Was im realen Alltag absurd erscheint, ist offenbar in der virtuellen Welt gang und gäbe. Nicht nur dann, wenn es um Billig-Software oder Viagra geht, sondern selbst im sensiblen Bereich der Geldanlage folgen offenbar viele Verbraucher voller Vertrauensseligkeit dubiosen Anlagetipps, die im E-Mail-Postfach landen. Nicht anders können die Ergebnisse von amerikanischen und britischen Forschern gedeutet werden, die den Einfluss von E-Mail-Anlagetipps auf die entsprechenden Aktienkurse untersucht haben. Wohlgemerkt: Objekt der Untersuchung waren nicht irgendwelche E-Mail-Börsenbriefe, die für teures Geld abonniert wurden, sondern wahllos verschickte Spam-Mails.

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Professorin Laura J. Frieder von der amerikanischen Universität Purdue und Professor Jonathan Zittrain von der Oxford-Universität konzentrierten sich bei ihren Untersuchungen auf Spam-Mails, die den Empfänger zum sofortigen Kauf einer bestimmten Aktie aufforderten. Die Beobachtung der Kurse der insgesamt rund 300 Aktien ergab, dass die Mails offenbar einen ganz direkten Einfluss auf die Kursentwicklung hatten. Zunächst einmal war die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktie am Tag des E-Mail-Versands in ihrem Segment der am meisten gehandelte Titel war, 13 Mal so hoch wie sonst üblich.

Das wirkt sich auf auch den Kurs aus. Im Schnitt lagen die Aktienkurse kurz nach dem Mail-Versand fünf bis sechs Prozent höher als zuvor - allerdings fielen in den beiden Folgetagen die Kurse im Schnitt um acht Prozent. Wer der Gewinner und wer der Verlierer ist, lässt sich leicht ausrechnen. Die Spammer decken sich vor dem Versand ihrer Mails mit Aktien ein und stellen sie am Tag des Mail-Versands zum Verkauf. Der Dumme bei diesem Spiel ist der Anleger, der den angeblichen "Expertentipps" folgt und mit seinen Verlusten die Spammer reich macht.

Diese Abzocke funktioniert vor allem deshalb, weil sich die Spammer immer Aktien von Mini-Firmen heraussuchen, die nur wenig gehandelt werden und meist im wenig regulierten Freiverkehr notiert sind. Wenn 500 arglose Privatanleger auf die Tipps aufspringen, lässt sich damit kein Dax-Wert manipulieren - wohl aber ein exotischer Nebenwert, der ohne die dubiose Werbe-Mails vielleicht Tage oder gar Wochen überhaupt nicht gehandelt würde.

Anleger sollten sich nun nicht überlegen, wie sie sich am besten mit halbseidenen Aktientipps reich spammen, sondern vielmehr, welchen Informationen und Quellen sie beim Aktienkauf trauen können. Zwar bestätigen Ausnahmen immer wieder die Regel. Aber generell nimmt die Vertrauenswürdigkeit von Unternehmensinformationen mit der Größe des Unternehmens, der Liquidität der Aktie und des Börsenstandards zu. Ein Großkonzern aus dem Prime Standard kann sich weniger Fehlinformationen erlauben als eine kleine Klitsche aus dem Freiverkehr, wenn er nicht ins Anleger-Abseits gekickt werden will.

Ebenso sei an dieser Stelle die alte Börsenregel angeführt, nach der die langfristige Unternehmensstrategie viel mehr Auswirkung auf die Anlegerrendite hat als eine kurzfristige Information. Bei der Auswahl einer Aktie sollte daher anhand verschiedener Informationsquellen die langfristige Ausrichtung des Unternehmens unter die Lupe genommen werden - und dann ist es sinnvoll, den Papieren bei solider Unternehmensführung die Treue zu halten anstatt bei jedem kurzfristigen Tipp die Pferde zu wechseln.

Beherzigen Anleger diese Ratschläge und lassen dubiose Tipps von Spammern links liegen, haben nicht nur sie etwas davon: Die Chancen stehen gut, dass dann zur großen Freude aller Internet-Nutzer die Flut unerwünschter E-Mails ein wenig eingedämmt wird.

Thomas Hammer ist freier Wirtschaftsjournalist und Sachbuchautor in Ötisheim am Rande des Nordschwarzwalds. Er schreibt unter anderem für das Wirtschaftsressort der ZEIT und beobachtet die Kapitalmärkte mit skeptischem Blick.

Der Querdax - Die Börse aus kritischer Perspektive, jeden Freitag.

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Leser-Kommentare
  1. "Professorin Laura J. Frieder von der amerikanischen Universität Purdue und Professor Jonathan Zittrain von der Oxford-Universität"

    [ Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion ]

    Zweimal versucht, zweimal daneben. Vielleicht doch besser bei der Bild bewerben?

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