USA Angriff von der Westküste

Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger verklagt sechs amerikanische Autohersteller auf Schadenersatz - weil ihre Fahrzeuge zu viel Treibhausgas produzieren.

Der republikanisch regierte US-Bundesstaat Kalifornien legt sich vor Gericht mit sechs großen Automobilkonzernen an, unter ihnen die amerikanischen Ikonen Ford , General Motors und Chrysler . Der Vorwurf: Die Abgase, die ihre Vehikel produzieren, sind schädlich für das Klima. Es geht um viele Millionen, die Kalifornien als Schadenersatz für jene Kosten fordert, die dem Staat durch Umweltschäden entstehen.

Der Schritt von Gouverneur Arnold Schwarzenegger überrascht. Zwar gilt sein Bundesstaat schon länger als Vorreiter in Fragen der Umweltpolitik. Doch Schwarzeneggers Partei tat sich bisher nicht mit innovativen Ideen auf diesem Gebiet hervor. Nun treibt der Gouverneur die eigenen Parteifreunde vor sich her, notfalls sogar im Bündnis mit den oppositionellen Demokraten.

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Man kann die Klage deshalb wohl als ein weiteres Signal für einen Umbruch in der amerikanischen Umweltpolitik verstehen. Bisher hätten sich die US-Regierung wie auch die Autohersteller geweigert, in Sachen Klimaschutz aktiv zu werden, obwohl die Autoabgase die Hauptursache für den Anstieg des Kohlendioxid-Ausstoßes sind, sagte der kalifornische Generalstaatsanwalt Bill Lockyer. Seine Klageschrift wendet sich neben den amerikanischen Autobauern auch gegen Toyota , Honda und Nissan . Von ihnen fordert der Staatsanwalt Entschädigungszahlungen, die nach Angaben Lockyers „hunderte Millionen von Dollar" betragen werden. Der Staatsanwalt wirft den betroffenen Unternehmen vor, für 30 Prozent aller Kohlendioxid-Emissionen in Kalifornien verantwortlich zu sein. Der US-Bundesstaat ist sechstgrößter Wirtschaftsraum und zwölftgrößter Kohlenstoffemissär der Welt im Vergleich mit Nationalstaaten.

„Die globale Erderwärmung schadet Kalifornien", formuliert die Anklage. Unter anderem seien dadurch der Wasserstand an der Küste gestiegen und habe die Ozonverschmutzung in den Städten zugenommen, ebenso die Gefahr von Waldbränden. Durch die starke Schneeschmelze in den Bergen komme es vermehrt zu Wassermangel. Kalifornien zahle Millionen von Dollar, um Umweltschäden auszugleichen, die auf diese Weise entstünden. Die angeklagten Konzerne, sagte Lockyer, müssten für „ihren Beitrag zu dieser Krise" zur Rechenschaft gezogen werden.

Der amerikanische Verband der Automobilhersteller bezeichnete die Anklage als „ärgerlich". In einer Erklärung verwies der Verband auf eine ähnliche Klage, die von einem Bundesgericht in New York zurückgewiesen worden war. In Kalifornien haben einige Autobauer selbst ein Verfahren gegen ein neues Gesetz angestoßen, welches sie zur Senkung der Kohlendioxid-Emissionen verpflichtet.

Unter Schwarzenegger hatte Kalifornien am 30. August als erster US-Bundesstaat ein Gesetz zur Begrenzung der schädlichen Kohlendioxid-Emissionen erlassen. Bis 2020 sollen diese um 25 Prozent gesenkt werden. Das Gesetz, welches Schwarzenegger im kalifornischen Parlament gemeinsam mit den Demokraten und gegen die Stimmen seiner Republikaner durchsetzte, hatte viele Beobachter überrascht. Denn damit stellt sich der Gouverneur des bevölkerungsstärksten US-Bundesstaats gegen seinen republikanischen Parteifreund George W. Bush, der eine gesetzliche Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen sowohl in den Vereinigten Staaten als auch international im Rahmen des Kyoto-Protokolls weiterhin ablehnt.

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Leser-Kommentare
  1. Zu "jedenfalls nicht falsch": Im ersten Satz ist ein Vertipper, es muss heißen: "Nicht über-, aber auch nicht unterschätzen". Sorry.

  2. aus captainpicards Kommentar: "Um hier etwas zu ändern müssen Klagen gegen Hersteller, hohe Kosten und weiter wachsende Umweltprobleme einen Markt für Alternativen schaffen."

    Was sollen Klagen bringen?
    Auf welcher gesetzlichen Grundlage sollen diese stehen?

    Meine Meinung: Unsinnig hohe PS sowie unsinnig hoher Spritverbrauch müssten mit so was von "unsinnig" hohen Steuern belastet werden.

    • Anonym
    • 23.09.2006 um 0:35 Uhr

    Danke fuer den Nachtrag:.... "Im ersten Satz ist ein Vertipper, es muss heißen: "Nicht über-, aber auch nicht unterschätzen""!

    Im anderen Kommentar hiess es ja zweimal "nicht ueberschaetzen"!

    Zuerst dachte ich: Hallo, was ist da los, dann wurde mir klar, dass da was nicht stimmt!

    Jetzt weiss ich auch was!

  3. hat so wenig Chancen wieder gewaehlt zu werden und seine Werte in den Abfragen sinken aehnlich wie bei Busch dass man sich nicht wundern muss wenn er nun diesen Unsinn verzapft. Gerade in Kalifornien ist man auf sein Auto angewiesen und ich habe noch nichts gelesen dass Hernn Schwarzenegger auszeichnet in Bezug auf Nahverkehrsmittel.
    Wenn ich dann noch bedenke was fuer Gerichts-Vergleiche er selber abgschlossen hat weil er der sexuellen Belaestigung angeklagt war ,nicht nur einmal, dann kann man gespannt sein auf die naechste hirnverbrannte Idee.

  4. ... für Herrn Schwarzenegger. Der Mann zeigt hier umweltpolitisches Format. Endlich mal jemand, der nicht vor der heiligen Kuh Wirtschaft in die Knie geht. Kaum zu glauben. Ich wünsche ihm Erfolg.

  5. Wenn die Autoabgase die Hauptursache für den Anstieg des Kohlendioxid-Ausstoßes sind warum verklagt man die Produkthersteller und nicht die Nutzer. Der AutoFAHRER ist doch für die Autoabgase verantwortlich. Ich glaube kaum dass der Governator in Zukunft auf seinen Spritfressenden Dienstwagen verzichten will. Hat er wirklich vor in Zukunft keine Spritztouren mit seinem Hummer oder seiner Harly mehr zu unternehmen? GLAUB ich nicht! Wenn die Verbraucher mehr nach Spritsparenden und umweltfreundlicheren Autos fragen würden, würden die Autohersteller doch sowieso vermehrt solche Autos bauen. Doch leider bevorzugt Georges W. und Arnies Partei doch immer noch die Spritfresser steuerlich. Oder irre ich mich da?

  6. Man darf die Aktion von Schwarzenegger nicht über-, aber auch nicht überschätzen. Wie der Artikel richtig sagt, findet das in einem Land statt, in dem die Umweltprobleme dem Markt untergeordnet werden. Dies hier ist ein Versuch von vielen, die bisher nicht eingepreisten Umweltkosten mit in die Rechnung einzubeziehen. Für mich ein eher positives Signal. Was man aber nicht verkennen darf: Der Automarkt ist höchst paradox und stark von Psychologie geprägt. Individuelle Mobilität ist uns allen so wichtig, dass wir dafür enorm viel Geld aufwenden. Und je mehr PS, desto beser. In jeder Ausgabe der Autobild oder auch bei auto,motor&sport werden neue Familienkutschen vorgestellt, die so viel PS haben wie ein Rennwagen in den 60er Jahren. Um hier etwas zu ändern müssen Klagen gegen Hersteller, hohe Kosten und weiter wachsende Umweltprobleme einen Markt für Alternativen schaffen. Das passiert gerade. Offen ist, ob es am Ende schnell genug ist. Doch das Lamento an sich hat noch nie etwas geändert. Also weiter so.

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