Presse international Die Zukunft ist Brown

Zum Labour-Parteitag: Der Grübler folgt dem Lächler, die Kommentatoren wiegen die Köpfe, und kommentiert das internationale Meinungsbild

Ooops, da hat dieser Dienstagmorgen die Weltpresse wohl auf dem falschen Fuß erwischt. Die Kommentatoren und Leitartikler der großen internationalen Blätter grasen mal hier und mal dort, bilden aber keine Herde. Themen gibt es, nur eben nicht das Thema. Allenfalls eines, das irgendwie herbstlich wirkt, denn the future is ... Brown .

Ewig und zweieinhalb Legislaturperioden lang musste der düstre Workaholic Gordon Brown den Nachfolger Tony Blairs geben, und sogar jetzt noch soll er, trotz der sicheren Wahl zum Parteichef, endlose Monate lang Schatzkanzler des strahlenden britischen Premiers bleiben, bis diese Sonne endlich untergeht. „Es fällt schwer, sich vorzustellen, wie dieses komplizierte Arrangement länger als bis zum nächsten Sommer dauern könnte“, schreibt der Independent zwar, aber eins ist gewiss: Das wird eine ereignisreiche, oder besser gesagt, skandalträchtige Zeit werden.

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Der Parteitag selbst taucht Labour nicht in das vorteilhafteste Licht; fein die Bemerkung in La Stampa aus Turin: „der Kongress der Partei sucht in Manchester nach einem Sinn der konfusen Debatte um den Nachfolger“. Le Figaro ergänzt: "Je näher die Nachfolge rückt, desto weniger scheint Gordon Brown zu überzeugen.“

Das hat Gründe, die nicht nur in seiner Person liegen. Denn Blair, der Labour aus dem Tal führte und der Partei zeigte, dass sie siegen kann, stand in Wahrheit stets mit beiden Beinen außerhalb der Linken. Anders Brown, der abwechselnd mal mit dem einen und dann wieder mit dem anderen auf Linksposition steht. Aber der stets fremd gebliebene Blair an der Spitze hatte der Partei wenigstens rechtzeitig vor ihrem Comeback einen modernen Anstrich verpasst, und mehr als das, er zwang sie geradezu, sich von Traditionssymbolen zu verabschieden, namentlich von jener Formulierung im Parteiprogramm, die eine Sozialisierung des Großkapitals vorsah. Das tat weh, anderes ebenso, verlieh aber dem Namen „New Labour“ Glaubwürdigkeit. Eine beispiellose Kampagne. Von einem Format, das niemand dem Grübler zutraut, der nun den Lächler in Downing Street 10 ablösen soll. Seine geradezu roboterhafte Rede vor dem Parteitag lässt die britischen Kommentatoren vielmehr erahnen, dass auf die Ära der glänzenden Parolen ein anstrengendes Gewürge folgen könnte. Nicht ungefährlich, denn mit David Cameron verfügen unterdessen die Tories über einen, wenn nicht Charismatiker, so doch Stilisten des öffentlichen Auftritts.

Aber was sollte Brown auch tun? „Fast unmöglich“ sei seine Aufgabe gewesen, als er die Rede formulierte. So sieht es der Guardian und fährt fort: „Er musste sowohl Blairite genug sein, um Anwürfe der Illoyalität abzufangen als auch genügend Anti-Blairite sein, um eine Labour Party und ein Land mitzureißen, die in Umfragen einen Wechsel herbeiwünschen.“

Und dann schreibt der Labour-nahe Guardian auch noch, in der Rede habe sich ein zukünftiger Oppositionsführer vorgestellt. Macht keinen Spaß, so etwas. Wie gesagt, the future is brown .

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