Mobilfunk Siemens beugt sich

Nach der Pleite von BenQ Mobile hat der Siemens-Vorstand nun 30 Millionen Euro für einen Härtefonds zugesagt. Der Freistaat Bayern will sich um die Rettung des Unternehmens bemühen.

Nach der Pleite der ehemaligen Siemens-Mobilfunktochter BenQ ziehen die Manager des Industrieriesen nun Konsequenzen. Eine 30-prozentige Gehaltserhöhung der Vorstandsmitglieder hatte zuvor deutschlandweit für Empörung gesorgt. Klaus Kleinfeld, Vorstandsvorsitzender von Siemens, verteidigte zunächst noch die ursprünglichen Pläne. Der BILD -Zeitung sagte er, der Aufsichtsrat habe die Gehaltsmaßnahmen „sachlich und ausführlich begründet“. In dem Interview fügte er allerdings hinzu: Nach der Pleite des Handyherstellers BenQ gebe es eine neue Situation. Weiter kündigte er an, dass Siemens mit einem 30-Millionen-Euro-Fonds Härten bei Entlassungen in der ehemaligen Handysparte des Münchner Technologiekonzerns abmildern wolle. Darin sollten auch die rund 5 Millionen Euro einfließen, die sonst in die höheren Vorstandsgehälter geflossen wären. Man wolle den Menschen ein Zeichen der Solidarität geben, so Kleinfeld. Wie die Zeitung berichtet, sollen aus dem Fonds auch Qualifizierung, Umschulung oder Weiterbildung Betroffener bezahlt werden.

Derweil gibt sich Martin Prager, Insolvenzverwalter des Handyunternehmens, optimistisch. In der Vergangenheit seien schon eine Reihe insolventer Unternehmen erfolgreich restrukturiert und weitergeführt worden. Er hoffe nun, dass dies auch bei BenQ gelinge. Mit den vorhandenen Mitteln könne die Produktion zumindest bis Ende des Jahres fortgesetzt werden. „Ab dem 1. Januar 2007 muss das Unternehmen profitabel sein, sonst kann es der Insolvenzverwalter nicht fortführen“, sagte Prager.

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Auch der Freistaat Bayern will zur Rettung des Unternehmens beitragen. Das Land werde sich an einer »Clearing-Stelle« beteiligen, der auch Vertreter der Gewerkschaften und des früheren Besitzers Siemens angehören sollen, sagte Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) am Montag in München. Ziel sei es, alle rechtlichen Möglichkeiten im Sinne der Mitarbeiter auszuschöpfen. Dabei solle auch geklärt werden, in welchem Umfang Patente an den taiwanesischen Besitzer BenQ abgeflossen seien und was man dagegen tun könne. Am Abend wollte sich Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) mit Kleinfeld treffen.

Huber betonte aber zugleich, die Möglichkeiten für den Staat, finanziell einzugreifen, seien beschränkt. Nach Einschätzung von Freistaat und Gewerkschaft hängt die Zukunft von BenQ Mobile entscheidend davon ab, ob das deutsche Unternehmen noch Zugriff auf die Patente und Lizenzen hat. Diese sind bereits teilweise nach Taiwan transferiert worden. »Sollten die Patente und Lizenzen unwiderruflich bei BenQ sein, sehe ich keine Chancen, weiter produzieren zu können«, sagte IG-Metall-Bezirkschef Werner Neugebauer.

Der Chef von BenQ Mobile, Clemens Joos, zeigte sich am Montag zuversichtlich, dass das Unternehmen durch das anstehende Weihnachtsgeschäft gerettet werden kann. Er appellierte an die großen Telekommunikationsunternehmen und an die Endverbraucher, ihren Beitrag zum Erhalt der Firma zu leisten und deren Geräte verstärkt zu kaufen. Alle Erlöse kämen dem insolventen Unternehmen zugute, betonte Joos.

Inzwischen gibt es Hinweise, dass BenQ die Pleite der früheren Siemens- Handysparte bewusst vorbereitet hat. Unterhändler aus Taiwan hätten Siemens vor zwei Wochen aufgefordert, ausstehende Zahlungen von mindestens 50 Millionen Euro an die deutsche Tochter vorzuziehen und nach Taiwan umzuleiten, berichtet die Süddeutsche Zeitung in ihrer Montagsausgabe. Als Grund hätten sie die akute Finanzschwäche des gesamten Konzerns genannt. Siemens habe einem Vorziehen der Zahlung zwar zugestimmt, das Umleiten des Geldes nach Taiwan aber abgelehnt. »Daraufhin verlor BenQ das Interesse an der Zahlung. Seitdem herrscht Funkstille«, verlautete nach SZ -Informationen aus Verhandlungskreisen.

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Leser-Kommentare
  1. Kleine Korrektur: Herr Kleinfeld und seine Vorstandskollegen haben nach meinen Informationen keineswegs auf ihre Gehaltserhöhung verzichtet: Es handelt sich lediglich um einen Aufschub von zunächst einem Jahr. Kassiert wird also munter weiter - wofür eigentlich?

    Man muß doch einmal festhalten, dass Herr Kleinfeld Chef der Com-Sparte war, also jener genialen Truppe, die es mitten im handy-Boom nicht schaffte, mit den Dingern auch Gewinn zu machen... Zur Belohnung durft er dann Chef werden - einfach unglaublich! Erinnert mich fatal an die Gangster von der Telekom, die Milliarden von Anleger-Geldern verpulvern durften und dafür von der Politik gehätschelt wurden.

    Und wenn es denn stimmt, dass die Taiwanesen sich - juristisch unangreifbar - mit den Patenten aus dem Staub machen konnten, dann haben die tollen Hechte im Siemens-Vorstand ganze Arbeit geleistet, dann ist das Kind im Brunnen und es bleibt nur noch eins übrig: Den Deckel drauf zu nageln.

    Da hilft dann auch der rührend naive Votrschlag der "graefin" nix mehr: Ein Rettungs-Mannöver von Frau Merkel, die einfach Herrn von Pierer anruft und sich zur Heldin der Arbeit für 3000 Betroffene macht.

    Einfach lächerlich, oder spricht noch irgend jemand von den von Schröder "geretteten" Arbeitsplätzen bei Holzmann?!

    R.Jonasson

  2. 1. Die Insolvenz wird pünktlich zum Quartalsende festgestellt.
    2. Der Insolvenzverwalter sieht Chancen. Kein Wunder, denn für die nächsten drei Monate zahlt das Arbeitsamt die Löhne und Gehälter.
    3. Die Mitarbeiter, die dann fristgerecht zum 01.01.2007 freigestellt werden, dürfen sich beim Siemens-Vorstand bedanken. Ihre Bereitschaft zu Lohn- und Gehaltskürzungen wird mit der Kürzung des Arbeitslosengeldes belohnt.
    4. Die Siemens-Vorstände habe ihre Gehaltserhöhung zurückgenommen. Mit ein wenig Geschick und Unterstützung aus der Steuerabteilung des Konzerns lassen sich dank der neuen Gemeinnützigkeit vielleicht sogar ein paar Steuern sparen.
    5. Der Siemens-Vorstand hat die Wahl: Entweder ist der komplette Vorstand plus Aufsichtsrat von Benq betupst worden. Also zu doof, ein Unternehmen zu führen. Oder der Siemens-Vorstand war von Anfang an mit der kalten Entsorgung der Mitarbeiter einverstanden. Also zu verantwortungslos, ein Unternehmen zu führen. Ungeschickt überdies.
    6. Siemens kann für dieses Jahr seine Gelder für PR oder Imagekampagnen ruhig streichen. Der Ruf ist in D so schön ruiniert, besser geht es kaum.

    Ein frohes Weihnachtsgeschäft wünscht

    korfstroem

    korfstroem

  3. Die sachliche Begründung der Gehaltserhöhung durch den Aufsichtsrat würde schon einmal interessieren. Bekommen die Aufsichtsräte eine andere Bilanz, ein anderes Kurstableau gezeigt als der Öffentlichkeit vorgeführt wird?
    Dividendenrendite, KGV und der Gesamtzustand des Konzerns sprechen eine andere Sprache.

    Der Vorstandsvorsitzende von Siemens wandelt derzeit auf den Spuren von Detlef Schrempp. Jener Manager bei Daimler, der mit jedem Milliarden-Verlust immer höher befördert wurde. Aber auch der Aufsichtsratsvorsitzende von Siemens sollte nicht von der Kritik ausgenommen werden.

    Derzeit sollte jedes Vorstandsmitglied froh sein, wenn der Vertrag nicht vorzeitig gekündigt wird. In den untergeordneten Hierarchieebenen wären schon längst Konsequenzen gezogen worden. Aber Vorstände werden bekanntlich an anderen Maßstäben gemessen.

    Weshalb eigentlich?

    korfstroem

  4. Moment, habe ich das richtig verstanden?

    Ich soll also zu Weihnachten den Menschen die ich gern habe, ein BenQ Siemens Mobiltelefon schenken (mit denen man - seien wir mal ehrlich - tatsächlich viele Probleme hat)? Aus Solidarität und Hilfestellung für die nun von der Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeiter?
    Ich soll verhindern helfen, dass ein Tochterunternehmen eines taiwanesischen Mobiltelefonunternehmens Bankrott geht? Das die Handysparte von Siemens nicht nur geschenkt - sondern auch noch mit, sagen wir mal, Bargeld bekommen hat? Von dem - lassen wir es nicht Vergessen geraten - wohlgemerkt einzigem Unternehmen, dass in diesem Bereich herbe Verluste geschrieben hat.

    Und nun wird erschrocken getan? Haben sich die Leute, die den damaligen Verkauf vorbereitet und durchgeführt haben, denn gehofft, BenQ Mobile würde hoffentlich wenigstens so zwei Jahre warten bis es die deutsche Tochter ausbluten lässt?

    Nein, das glaube ich nicht. Siemens ist schließlich ein verantwortungsbewusstes Unternehmen. Mit Tradition.

  5. Es ist schon erstaunlich. Managerseilschaft um Managerseilschaft ruiniert Unternehmen nur für den eigenen Profit, will sich dann mit Almosen freikaufen (5 Millionen wegen einer Gehaltserhöhung einiger nichtstuender Manager ist ja wohl der Wahnsinn. Dafür müssen Mitarbeiter bluten und auf Gehalt verzichten).
    Es erstaunt mich wirklich, dass die Volksseele immer noch ruhig bleibt, dass immer noch nichts brennt, noch keine Barrikaden auf den Strassen sind und den Bonzen das entgegengedonnert wird, was sie verdient haben: Verschwindet, hört auf unser Land zu ruinieren mit eurer Gier und Dummheit.
    Der deutsche Michel ist ja ein ruhiger. Aber ich habe wirklich ein wenig Angst vor dem Tag, an dem der Bogen restlos überspannt wird. Und die ersten Anzeichen sieht man schon dank der letzten Wahlen.
    Ich rate allen weltfremden gierigen Managern. Passt auf,was ihr tut: Die Volksseele köchelt schon, bald wird sie kochen und dann bin ich froh, unten zu sein, nicht oben !

  6. Allein der Verzicht auf die vorgesehene Erhöhung der Managervergütung setzt 5 Millionen Euro !!!! frei.
    Dennoch leben die Vorstandsmitglieder weiterhin im Überfluss während die BenQ- bzw. ehemaligen Siemensmitarbeiter um ihre Existenz bangen, nachdem sie vorher schon auf 30% ihrer Gehälter verzichtet haben. Eine Kürzung der Managergehälter um 30%, wie es den Arbeitnehmern zugemutet, wurde wäre ein Zeichen der Solidarität.

    Hier stimmen die Verhältnisse nicht mehr.

    Und wieder das gleiche Muster - diejenigen, die sonst immer den Einfluss des Staates beklagen rufen jetzt nach Hilfe des Staates und der Politik, nachdem Missmanagement den Karren vor die Wand gefahren hat.

  7. Das was der Siemens Vorstand treibt ist eine Glasklare Betriebswirtschaftliche Betrachtung und aus dieser Brille betrachtet haben Sie recht. Das dies aber eine sehr einseitige sicht der Dinge ist und langfristig vor einer Wand endet sollte den hochbezahlten Voständen und Direktoren ebenfalls klar sein. Nicht das das Dilemma nicht verständlich ist in dem diese Leute stecken aber dafür bekommen Sie Ihre hohen Gehälter dort auswege zu finden. Der Fisch stinkt immer vom Kopf.
    Wollen wir die Produkte von Siemens nocht vergessen. Ich habe lange Jahre Siemens Handys benutzt und bin jetzt ob der Qualitäsmängel auf ein anderes Produkt umgestiegen. Wer über lange Jahre schlechte Qualität abliefert sollte sich nicht wundern wenn der Markt das abstraft.

  8. "Aber ich habe wirklich ein wenig Angst vor dem Tag, an dem der Bogen restlos überspannt wird."
    Das glaube ich ihnen nicht, Herr Hauck, in Wahrheit sehnen sie diesen Tag doch geradezu herbei! In Sachen Heuchlerei stehen sie den Herren vom Siemens-Vorstand in nichts nach.
    Außerdem, seit wann sind 5 Mio. eigentlich "Almosen"?
    Einerseits halten sie die 5 Mio. als Gehalterhöhung für die "Bonzen" für "Wahnsinn", für die Mitarbeiter "bluten" (!) müssten, doch dann aufeinmal für Almosen??

    In Wirklichkeit wollen sie durch ihr polemisches Geschwafel doch nur eine Eskalation herbeiführen. Erreicht würde dadurch nichts.
    Arbeitsplätze werden nur durch eine profitable Produktion gesichert. Ein guter Manager KANN in der Tat viele Millionen wert sein, wenn er das mit guten Entscheidungen hinkriegt.

    Die Leute, die bei BenQ bzw. Siemens Mobile am Werk waren, haben sicherlich keine Millionen verdient, da gebe ich ihnen Recht.

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