Boers-o-Meter Warten auf den Knall

Die Spannung am Aktienmarkt steigt. Bald werden die Kurse ausbrechen - aber in welche Richtung?

Sonderbar ist es ja schon, was gerade an den Märkten abläuft, sonderbar und ungewöhnlich. Die Gravitationskraft wichtiger Kursmarken scheint nicht zu wirken. Normalerweise werden die Kurse von solchen Marken magisch angezogen, kaum dass sie in ihre Nähe geraten. Und diesmal? Diesmal scheint es eine geheimnisvolle Gegenkraft zu geben, die neue Rekordniveaus verhindert.

Seit zwei Wochen befinden sich die Aktienkurse nun schon in der Nähe solcher wichtiger Marken. Besonders deutlich ist das beim Dow Jones . Dessen Allzeithoch liegt bei 11.750 Punkten, der bisher höchste Schlusskurs bei 11.722 dazwischen liegt eine Differenz von gerade mal 28 Pünktchen. In der vergangenen Woche versuchte der Dow mehrere Male, seinen Rekord zu knacken. Jedes Mal ging den Märkten vorher die Luft aus.

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Die theoretische Basis der Gravitationswirkung liefert die Behavioral Finance mit ihrer Theorie des Ankereffekts. Ihr zufolge orientieren sich Investoren an wichtigen Kursen, wenn sie Anlageentscheidungen treffen. Das können Einstandskurse sein oder Kurse, die auf runde Beträge lauten, oder eben historische Höchstkurse. Dahinter steckt der Gedanke, dass es möglich sein müsste, diese einmal erreichten Rekorde auch ein zweites Mal zu knacken.

Gelingt das nicht oder nur unter großen Schwierigkeiten, dann ist der Markt in der Regel in zwei nahezu gleich starke Lager gespalten, und die Investoren dieser beiden Lager verfolgen genau entgegengesetzte Erwartungen.

In jüngster Zeit sind vor allem die Privatanleger wieder auf Aktien aufmerksam geworden. Investorenkonferenzen werden zahlreicher, die Auflagen der Anlegermagazine nehmen zu, man spricht wieder über die Märkte. Zugleich sind warnende Stimmen zu hören. Die Konjunkturaussichten sind so schlecht wie schon seit langem nicht mehr. Die technische Verfassung der Märkte wird allgemein als mäßig angesehen. Die große Frage ist also: Wer hat den längeren Atem? Solche Anleger, die bereits Aktien haben und auf den erreichten Kursen verkaufen wollen? Oder jene des entgegengesetzten Lagers, die noch zu wenig Aktien in ihrem Bestand haben und noch kaufen sollten?

Wer die Oberhand behält, ist derzeit nicht absehbar. Doch etwas anderes zeichnet sich bereits ab: die Aussicht auf heftige Kursbewegungen mit einem gleichzeitigen Anstieg der Volatilität.

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