Korruption

Ziemlich korrekt

In einer Studie zur Korruption im Außenhandel schneiden deutsche Unternehmen relativ gut ab. Schweizer und Schweden bestechen aber seltener.

„Man muss nicht Weltmeister im Schmieren sein, um sich als Exportweltmeister zu halten“ - dieses Fazit zog Hansjörg Elshorst, der Vorsitzende von Transparency Deutschland, am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des neuen Bribe Payers Index (BPI), einer Statistik, in der die Korruptionsanfälligkeit von Wirtschaftsunternehmen in verschiedenen Industrieländern verglichen wird. Auf der Skala von eins bis zehn liegt die Bundesrepublik bei 7,34 Punkten und damit auf Platz sieben. Den besten Wert erreichte mit 7,81 Punkten die Schweiz, gefolgt von Schweden mit 7,62 Punkten. Ebenfalls vor Deutschland liegen Australien, Österreich, Kanada und Großbritannien. 

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Von den großen Exportnationen mit einem Anteil am Gesamtexport von mehr als vier Prozent ist Deutschland damit am wenigsten korrupt. „Wir können mit dem deutschen Abschneiden zufrieden sein. Von einem fairen Handel profitieren am Ende alle“, sagte Andreas Dorfmann, Pressesprecher des Deutschen Arbeitgeberverbandes. Für deutsche Unternehmen, die im Ausland aktiv seien, sei Korruption gleichwohl ein riesiges Problem und eine ernsthafte Bedrohung. Vielerorts werde Bestechung erwartet. Das dürfe nicht unterschätzt werden. Auf den letzten Plätzen der Statistik finden sich in diesem Jahr Russland, China und Indien – jeweils mit BPI-Werten um fünf.

Der Index wird aus einer Umfrage unter 11.000 Geschäftsleuten in 125 Ländern errechnet. Dabei wird untersucht, welche Erfahrungen die Probanden mit ihren Handelspartnern machten. Grundsätzlich bemerkten die Forscher dabei eine hohe Bereitschaft zur Korruption. Es sei auffällig, dass es keines der untersuchten Länder in das obere Viertel der Skala geschafft habe, sagt Jörg Elshorst. Der Unterschied zwischen denjenigen Ländern, die eine Übereinkunft der OECD zum Kampf gegen die Korruption unterzeichnet hätten, und den Ländern, die diesen Schritt nicht vollzogen hätten, sei zwar deutlich spürbar, jedoch habe kein Land Grund, wirklich stolz zu sein. »Es gibt Unterschiede, doch keinen wirklichen Gewinner«, betonen die Autoren des Berichtes.

Transparancy bemängelt auch, dass die Zahl der Verfahren wegen Bestechung im Ausland auch nach der Ratifizierung des OECD-Abkommens lächerlich gering sei. Seither werden deutsche Firmen auch im eigenen Land strafrechtlich verfolgt, wenn sie im Ausland Schmiergeld gezahlt haben. Das Potenzial zur Korruptionsbekämpfung sei jedoch noch nicht ausgeschöpft, da die hiesigen Staatsanwaltschaften zu wenige Hinweise aus dem Ausland erhielten.

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    • Von Adreas Berchem
    • Datum 4.10.2006 - 07:28 Uhr
    • Quelle ZEIT online
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