Nobelpreis Die Genkopiermaschine

Die Königlich Schwedische Akademie zeichnet erneut einen Amerikaner aus: Roger Kornberg erhält den Chemiepreis für seine Erkenntnisse über den Fluss genetischer Informationen

Manchmal verschwimmen die Grenzen zwischen den Nobelpreisen ein wenig, vor allem, wenn es um die Forschung an Lebendigem geht. Denn das Leben ist biologisch, chemisch und physikalisch zugleich. Dem diesjährigen Nobelpreisträger für Chemie hätte man jedenfalls auch die Auszeichnung für Physiologie oder Medizin verleihen können. Der Biochemiker Roger Kornberg von der Stanford University in Kalifornien wird für "seine Studien zu den molekularen Grundlagen der Transkription in Eukaryoten" geehrt. Studien, ohne die man die Zellen von Pflanzen, Tieren und vielen einzelligen Organismen nicht annähernd so gut verstünde, wie es heute der Fall ist. Der diesjährige Preis wird also nicht für reine Reagenzglaschemie verliehen, sondern für pure Chemie des Lebens.

Tatsächlich steht Kornbergs Arbeit in sehr engem Zusammenhang mit der Forschung der diesjährigen Medizin-Nobelpreisträger : In beiden Fällen ist eine zentrale Frage der Biologie das Thema, nämlich der Informationsfluss vom Erbgut in die Funktionseinheiten der Zelle. Alle Baupläne, die eine Zelle im Laufe ihres Lebens benötigt, sind in ihren Genen gespeichert, und zwar in Form von Desoxyribonukleinsäure - kurz DNA. Doch wie wird diese Information aus dem Zellkern übertragen und umgesetzt?

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Zahlreiche Forscher haben in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts dazu beigetragen, den Prozess der so genannten Transkription aufzuklären. Kurz gefasst versteht man darunter, dass das stabile und im Zellkern fixierte Erbgut, die DNA, Gen für Gen auf kleine mobile Einheiten kopiert wird, welche aus rasch abbaubarer Ribonukleinsäure (RNA) bestehen. Diese Boten-RNAs sind eines der Schlüsselelemente im genetischen Informationsfluss. Sie wurden in den fünfziger Jahren entdeckt, ihre Bedeutung erkannte man allerdings erst später, als man nach und nach die vielen molekularen Helfer identifizierte, die für die korrekte Transkription von Gen zu Boten-RNA notwendig sind.

In Zellen, die einen Kern besitzen und in diesem Kern auch ihre DNA bewahren - den so genannten Eukaryoten-, ist die Transkription ein ungeheuerlich komplexer Prozess, der nicht nur eine Vielzahl von Mitspielern einbezieht, sondern in höchstem Maße auch von ihrer gegenseitigen räumlichen Anordnung abhängt. Es ist dem Nobelpreiskomitee zufolge die Leistung von Roger Kornberg, diese Anordnung im Detail aufgeklärt zu haben, den vielen Mitspielern also einen sinnvollen Platz auf dem Spielfeld zuzuordnen. Es bildete zahlreiche verschiedene Komplexe aus DNA, RNA, Enzymen, Faktoren und Promotoren kristallografisch ab - und klärte damit, wie die Transkription in Eukaryoten tatsächlich funktioniert.

Roger Kornberg tritt mit dem Nobelpreis außerdem noch in die Fußstapfen seines Vaters: Arthur Kornberg wurde bereits vor 47 Jahren mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin dafür geehrt, dass er die Vervielfältigung der DNA aufklärte.

Schwerpunkt: Alle Nobelpreise mit Hintergründen, aktuell und im Rückblick

 
Leser-Kommentare
    • etiam
    • 05.10.2006 um 9:00 Uhr

    den können dann Atomkraftgegener, Gentechnikfeinde und Stammzellschützer auf einem amerikanischen Flohmarkt versetzen, um wenigstens noch etwas zu beissen zu haben.

    • Hipper
    • 05.10.2006 um 10:51 Uhr

    mit Ihrer undifferenzierten Bemerkung. Vielmehr sind Sie doch nur der Konterpart zu den von Ihnen kritisierten Leute.

    Lösungen klingen anders.

    Während wir uns über solche Dinge streiten und die Landesfürsten von Bildungsoffensiven sprechen und Stellenstreichungen meinen, räumen die USA die Nobelpreise ab.

    • self22
    • 04.10.2006 um 18:41 Uhr

    Glückwunsch an die Gewinner, Super

    aber:
    Halloo Europa, bist du noch da??

    Gibt es eigentlich einen Nobelpreis für Rechtschreibreformen oder so? Will sagen: Könnte es sein, dass wir uns mit falschen Dingen beschäftigen...

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