Physik-Nobelpreis Als das All ein Baby warSeite 3/3

Viele weitere Messergebnisse haben die Erkenntnisse aus den Cobe-Daten mittlerweile bestätigt. Doch zugleich haben sie die Kosmologen mit einem neuen Rätsel konfrontiert: Im Universum wurde viel zu wenig Materie gefunden, um diese delikate Balance zwischen ausdehnenden und abbremsenden Kräften zu erklären. Der größte Teil der kosmischen Kraftquellen muss demnach unsichtbar sein: Die »dunkle Materie« macht 25 Prozent, eine mysteriöse »dunkle Energie« bis zu 70 Prozent des Kosmos aus – das heißt, dass wir nur 5 Prozent des Alls sehen.

So kann man die Arbeiten der diesjährigen Physik-Nobelpreisträger also als Krönung einer Erfolgsstory sehen – der modernen Schöpfungsgeschichte des Universums. Oder man kann sie als den Anfang der großen Ungewissheit interpretieren. Denn den Kosmologen geht es heute wie Museumsbesuchern, die ratlos eine rabenschwarz bemalte Leinwand betrachten: Was will der Künstler uns sagen?

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Erst vergangene Woche veröffentlichten die Physical Review Letters eine Theorie italienischer Astrophysiker, der zufolge das Universum die Gestalt eines Ellipsoids haben könnte, also eher einer Zigarre als einer Kugel gleicht. Die Forscher stützen ihre Theorie auf eine neue Himmelskarte des WMAP-Satelliten. Ein leicht ellipsoides Universum – ein Prozent Abweichung von der Kugelform – würde die bislang gesammelten Daten besser erklären als unsere bisherige Vorstellung einer idealen Sphäre. Noch ist es allerdings zu früh, solch einen Eier-Kosmos als neue Heimat auszurufen; es könnte sich auch um einen statistischen Fehler in den Messungen handeln. Ein neuer Satellit muss her, um solche Fragen zu klären und die Mikrowellen am Firmament noch genauer zu fotografieren. Er ist auch schon fast fertig: der Satellit namens »Planck« soll 2007 starten.

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Schwerpunkt: Die Nobelpreisträger der vergangenen Jahre »

 
Leser-Kommentare
  1. Irritiert hat mich der Satz - ich zitiere: "Anhand der Daten von Cobe (und vor allem jener von WMAP) zeigte sich jedoch, dass die Geometrie des Universums »mathematisch flach« ist. Das heißt, der Raum ist nicht gekrümmt,..."

    Es kann doch wohl nicht sein, mal so nebenbei Einstein zu widersprechen, dessen Theorie der Raumkrümmung bereits beim Bau des GPS-Systems berücksichtiugt wurde. Ohne Berücksichtigung der Raumkrümmung würde das GPS-System nicht funktionieren.

    Und nun behaupten die Nobelpreisträger, es gebe diese Krümmung gar nicht! Sehr starker Tobak!! Ich glaube eher, dass ihre Arbeit und die Preisvergabe danebenliegen, als Einstein.

    Hans-Joachim Heyer
    http://die-zeit.blog.de

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