Biokraftstoffe Klimakiller in Grün
Ökologisch orientierte Anleger hoffen auf nachhaltige Gewinne mit Biosprit. Doch auch Biodiesel oder Ethanol schaden der Umwelt.
Die Schweden wollen die ersten sein. Sie wollen „weg vom Erdöl!“ und geben sich nur 15 Jahre Zeit, dieses Ziel zu erreichen. Die Pläne der Europäischen Union, bis 2010 mindestens 5,75 Prozent der auf ihrem Territorium verkauften fossilen Treibstoffe durch Biokraftstoffe zu ersetzen, wirken dagegen eher bescheiden. Dennoch: Die Folgen solcher politischer Initiativen sind beträchtlich. Der Markt für pflanzliche Treibstoffe wie
Ethanol
oder veresterte Pflanzenöle, die Diesel und Benzin beigemischt werden, wächst,
und mit ihm das Interesse der Anleger
.
Sicher, der Ölpreis ist von seinen Höchstständen wieder deutlich gesunken.
Das hat den Boom der Biokraftstoffe empfindlich geschwächt
. Auf lange Sicht aber
wird Öl knapp, dessen sind sich selbst die großen Erdölförderer sicher.
Alternativen werden immer dringender gebraucht. Doch wie umweltfreundlich sind Biodiesel und Ethanol wirklich?
Die Antwort ist ernüchternd: Auch Biosprit belastet die Umwelt erheblich. Ein Grund dafür ist, dass er landwirtschaftlich erzeugt wird. Der Anbau von Feldfrüchten, aus denen die Treibstoffe gewonnen werden, steigert den Druck auf die Ökosysteme, und es entsteht eine neue Konkurrenz für die Nahrungsmittelproduktion. Zudem kann die deutsche Rohstoffproduktion den Bedarf nicht decken. Nur durch Importe wird der Hunger nach Pflanzensprit gestillt.
Als Grundlage für Biodiesel dienen vor allem Raps- und Palmöl - und gerade das Palmöl ist bekannt für umweltschädliche Anbaumethoden. Vor allem in Malaysia und Indonesien werden Jahr für Jahr große Regenwaldgebiete für neuen Plantagen gerodet. Auch aus Soja wird Bio-Diesel hergestellt. „In Brasilien nehmen Soja-Plantagen bereits heute eine Fläche von mehr als 23 Millionen Hektar ein“, sagt Nina Grießhammer, Regenwald-Spezialistin beim Umweltverband WWF . Zwischen 2004 und 2005 kamen 1,2 Millionen Hektar hinzu. Deutschland importierte 2005 aus Brasilien 1,8 Millionen Tonnen Sojaprodukte.
Dabei ist nicht nur die Zerstörung von Flora und Fauna bedenklich, sondern auch die Emission großer Mengen Kohlendioxid und anderer Treibhausgase, die durch die Rodung der Wälder frei werden und in die Atmosphäre gelangen. „Das muss in die Ökobilanzen von Biokraftstoffen mit eingerechnet werden“, sagt Karin Arnold vom Wuppertal Institut . Bedeutend sei außerdem der gesamte Produktionsablauf. „Die Düngung der Böden, die Auswirkungen auf das Grundwasser und der Ressourcenverbrauch bei der Herstellung der Treibstoffe sind die wichtigsten Faktoren“, sagt die Ingenieurin. Durch sie stelle selbst Raps eine Belastung für das Ökosystem dar.
Professor Konrad Scheffer von der Universität Kassel geht noch weiter: „Biodiesel liefert nur einen relativ geringen Nettoertrag", sagt der Agrarwissenschaftler. Der Energieverbrauch bei der Verarbeitung des Rohstoffs zu Kraftstoff sei fast so hoch wie der Brennwert des Endprodukts. Durch den Anbau von Raps werden zudem Schadstoffe frei – die Ölfrucht mit den gelben Blüten produziert bis zu 3,6 Kilo Lachgas pro Hektar. Das Gas wirkt sich 300 Mal stärker auf die Atmosphäre aus als Kohlendioxid.
- Datum 09.10.2006 - 06:36 Uhr
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Der Titel dieses Artikels ist meines Erachtens irreführend. Das Verbrennen fossiler Treibstoffe ist ein Klimakiller! Daher ist Bioethanol (und in gewissen Grenzen auch Biodiesel) auf jeden Fall besser als Erdöl. Vielleicht hätten Sie den Artikel besser mit "Umweltrisiken nachwachsender Rohstoffe" überschreiben sollen, denn eine bloße Umstellung auf Biotreibstoffe löst natürlich das Problem nicht, wir müssen auch den Energieverbrauch senken. Der Verbrauch fossiler Energiequellen muß jedoch in ziemlich kurzer Zeit drastisch verringert werden. Hierzu ist Ethanol sehr wohl eine brauchbare Alternative (Biodiesel weniger, da ziemlich viel fossile Energie dafür aufgewendet werden muß). Solange wir in Europa die Stillegung von Flächen subventionieren, die Lebensmittelproduktion durch komplizierte Quotenregelungen drosseln und dennoch mit Steuergeldern die Vernichtung eines Teils der landwirtschaftlichen Produktion bezahlen, kann von einer Konkurrenz um Nahrungsmittelflächen keine Rede sein. Die voraussehbare Weiterentwicklung der Technologie von Lagerung des Rohmaterials, Fermentation und Verwertung der Restprodukte wird die Energieeffizienz des Ethanolprozesses erhöhen. In der Perspektive wird vermutlich auch eine Verwertung von Restprodukten der Land- und Forstwirtschaft erfolgen, aber dort gibt es noch Forschungsbedarf.
Der Hinweis, daß Deutschland auch Bioethanol importieren müßte, ist nicht relevant, denn das trifft auch auf fossile Energieträger zu. Es ist vielmehr wichtig, die Technologie zu entwickeln. Deutschland hat zu allen Zeiten eher vom Technologie- als vom Rohstoffexport gelebt und der weltweite Bedarf an Bioethanol wird wachsen, unabhängig von deutschen Befindlichkeiten.
Dr. V. Passoth, Swedish University of Agricultural Sciences, Uppsala
1. Sollte man einmal den Aspekt der Energieautarkie stärker betonen. Es sollte auch hier keine Abhängigkeit von Rohstoffimporten wie Palmöl etc. bestehen, die noch dazu Regenwaldfläche beanspruchen. Die Ursache diese Problems liegen jedoch nicht bei den Vertretern von EE in Deutschland, sondern schlicht im Freihandel.
2. Eine bessere Energiebilanz wäre flugs hergestellt, könnte man Rapsöl statt Biodiesel einsetzen. Waren neue Motoren dafür bisher teuer umzurüsten, sperrt sich die Automobilindustrie mittlerweile komplett eine Gewährleistung für die Motoren zu geben.
3. Es ist richtig, dass der gesamte Spritverbrauch in D mit heimischer Bioenergie nicht zu decken ist. Nur wird wie üblich vergessen, das Energiesparen in die Diskussion einzubeziehen. Sieht man sich einmal die Entwicklung der Flottenverbräuche an, fragt man sich schon was bei der Motorenentwicklung im letzten Jahrzehnt passiert ist.
4. CO2 zu beachten ist gut, eine gewisse Energieautarkie wichtiger. Obendrein kann man nur bei hier erzeugten Rohstoffen eine umweltverträgliche Produktion gewährleisten. Es ist übrigens nicht in Stein gemeiselt, dass gute Erträge nur mit reichlich Dünger und Spritzmittel der entsprechenden Konzerne herzustellen sind. Innovative Anbaukonzepte, wie sie übrigens auch Prof. Scheffer entwickelt hat, sind hier ein erster Schritt. Das schreibt die Zeit leider nicht.
5. Ist es mittler weile gute Tradition alle Ansätze von EE in der Zeit zu kritisieren. Das ist in Standpunkt denn man beziehen kann. Ein fader Nachgeschmack bleibt. Auf den Bilderberg-Treffen, wo sich Herr Joffe und die Mächtigen der Welt tummeln, sind jede Menge Mineralölvertreter mit von der Partie, die EE sind leider nicht vertreten. Anzeigenkunden werden wohl auch erstere sein...
6. Kann man nur hoffen, dass der Schwenk in Richtung EE, dann nicht über die Anpreisung von genmanipuliertem Pflanzgut führt. Aber dafür könnte man sicher auf einigen Treffen Applaus ernten...
Alle unsere Versuche, den Klimawandel aufzuhalten, sind letzten Endes zum Scheitern verdammt. Die Sahara wird weiter wachsen, wo einst die Kornkammer Roms lag. Die Gobi hat bereits die Vororte der chinesischen Hauptstadt erreicht. Es ist irgendwie pathetisch, wenn man liest, dass die Schweizer einen Gletscher wie Schokolade in Silberpapier verpacken, um ihn zu retten. Auch Ethanol und Biodiesel sind bestenfalls Heftpflaster, doch halten sie die Entwicklung nicht auf.
Den Klimawandel kann man natürlich nicht aufhalten. Da die einzige Konstante die Veränderung ist. Das gilt auch für das Klima. Da können wir froh sein, dass gerade die Erwärmung und nicht die neue Eiszeit kommt!
Was jedoch getan werden kann, ist die Erosion der Böden, die Versteppung, dort aufzuhalten wo sie von Menschen maßgelblich hervorgerufen wurde. Mit der jahrtausendelangen Erfahrung des Menschen ist es heute möglich Einfluss zu nehmen und uns auch mit unseren Nutz- und Schutzpflanzen anzupassen!
Da können wir froh sein, dass gerade die Erwärmung und nicht die neue Eiszeit kommt!
Möge die Umweltbilanz auch nicht rosig sein, solange es ohne
Subvention geht (wie in Brazilien)ist es Arbeitsplätze schaffend. Bei uns muss abgewogen werden, Arbeitsplätze im ländlichen Bereich sind rar, Getreide normalerweise vorhanden. Mais aus Ungarn ist sicherlich eine Alternative, da im Überfluß vorhanden. Technologie und Produktion schafft Arbeitsplätze. Von der sauberen Energie Atom will man ja weg. Umweltpolitker fahren schließlich auch gr. Wagen und die fahren mit Ethanol und Biodisel, aber nicht mit Atomkraft.
Wo hier nun auch noch die Holz und Kohlevergasung angepriesen wird, möchte ich darauf hinweisen, dass diese sog. natürlichen CO2 Senken als regenerativer Energieträger völlig unbrauchbar sind. Das Problem ist die langsame CO2 Assimilation, ein Baum wächst nun mal nicht binnen 10 Jahren auf beliebe Grössen heran. Genau wie bei den Bio-Kraftstoffen bedeutet das die Verbreitung von Monokulturen, will man den Energiebedarf tatsächlich mit Holz decken. Diese kleinräumigen Energielösungen sind für Dörfer im Schwarzwald oder Harz sicherlich denkbar. Für eine flächendeckende Energieversorgung kommen sie nicht in Frage.
Man braucht eine Technik die den gleichen Turnover bieten kann wie die Energie verbraucht wird. Die Solar-Wasserstofftechnik bietet bei optimaler Flächennutzung (nämlich Wüstenflächen) einen direkten Energieertrag, der entsprechend umgesetzt werden kann. Die Kapazität von Solarkraftwerken zu erhöhen stellt von daher ein vergleichsweise kleinen Schritt dar.
Wir müssen weg vom natürlichen CO2 Haushalt der Erde und hin zu einem echten Energie-Kreislauf, der dem weltweiten Bedarf gewachsen ist.
Biodiesel aus Raps, Soja, Palmöl ist ökologisch unsinnig. Das ist aber keine neue Erkenntnis. Wenn Biokraftstoff, dann aus Stroh, Holz und anderen "Grünabfällen" die fast unbegrenzt vorhanden sind. Dazu bedarf es aber noch einiger Anstrengung um die entsprechenden Prozesse zu entwickeln, bzw. grosstechnisch nutzbar zu machen. Stichwort ist hier die Industrielle Biotechnologie, sprich Enzymtechnologie.
wird wohl die letzte und einzige Lösung der Energieprobleme sein (wie schon in einem vorigen Beitrag erwähnt). Bleibt nur die Frage wo Europa sein Solaranlagen aufstellen sollte?
Die Sahara wäre sicher ein guter Platz: viel tote Fläche und viel Sonne. Leider nur gehören die Länder um die Sahara herum nicht zu den politisch stabilsten und zuverlässigsten.
Fakt ist, das es in wenigen Jahren einen neuen kalten Krieg um die weltweit letzten Rohstoffreserven geben wird. Dieser kalte Krieg hat schon begonnen und Länder wie z.B. China sind dabei ihre "Claims" abzustecken, während unsere weitsichtigen Politiker sich noch um den Atomausstieg streiten und Rußpartikelfilter.
Eine langfristige Vision und Planung für die Energieversorgung der Zukunft (und mit "Zukunft" meine ich nicht die kommende Legislaturperiode wie unsere Politiker) muß her.
Ein Energiemix aus Solarenergie in Kombination mit Wasserstoff, Biomasse und Windkraft muß entwickelt werden. Das bedeutet auch eine Dezentralisierung der Energiewirtschaft.
Wahrscheinlich sehr zum Verdruß der 4 grossen Energiekonzerne, aber es ist mir lieber das E.ON und Vattenfall pleite gehen, als das meine Enkelkinder in der Steinzeit leben müssen.
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