Mehrere Stunden lang berieten Vertreter des Gesamtbetriebsrats, einzelner Airbus-Standorte und der IG Metall am Freitag in Hamburg über die Airbus-Krise. Auf der anschließenden Pressekonferenz gaben sie die Schuld dem Management – jedoch ohne Namen zu nennen. Man müsse erst einmal „Ruhe bewahren“, mahnte Jutta Blankau, Leiterin des Bezirks Küste der IG Metall. Vor Kampfmaßnahmen gelte es, die Ergebnisse der Debatten innerhalb der Konzernführung abzuwarten. Erst danach könne man reagieren und Gegenkonzepte erarbeiten. Ratlos in der Krise: Sprecher des Betriebsrats und der IG Metall nach dem Treffen in Hamburg

Grund für die Zurückhaltung ist ein Beschäftigungsvertrag, der den Hamburger Airbus-Mitarbeitern bis 2012 Jobsicherheit garantiert. Betroffen von dem angekündigten Kostensenkungsprogramm wäre deshalb in erster Linie zunächst die rund 5.000 Leiharbeiter des Flugzeugbauers.

Wenn es zu einer Sanierung des Unternehmens komme, seien „selbstverständlich auch die Arbeitnehmer zu Zugeständnissen bereit“, sagte Rüdiger Lütjen, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Airbus Deutschland. Allerdings müssten alle Teile des Unternehmens gleichermaßen Zugeständnisse machen. Dies gelte für unterschiedliche Hierarchie-Ebenen genauso wie für alle Standorte. Airbus produziert insgesamt in 16 Werken in ganz Europa. Die IG Metall will genauso wie die Betriebsräte verhindern, dass die Sanierung vor allem zu Lasten der deutschen Standorte geht.

Jutta Blankau von der IG Metall beschwor eine „Änderung der Unternehmenskultur". Es habe kaum eine Risikoprüfung für den A380 gegeben. Dies habe dazu geführt, dass die Verzögerungen und technischen Probleme bei dem Riesenflieger das Unternehmen derzeit so hart träfen. Von „einer Katastrophe für Airbus“, sprach Horst Niehus, der Betriebsvorsitzende von Airbus Deutschland. Dennoch sei die Lage nicht so schwarz wie zuletzt berichtet. In einer kürzlich veröffentlichte Studie hatte die Investmentbank GoldmanSachs empfohlen, sieben Standorte des Konzerns zu schließen. Fünf davon befinden sich in Deutschland. Dieser Bericht sei „nicht sehr seriös“, sagte der Gesamtbetriebsratvorsitzende.

„Wir versuchen eine gesamteuropäische Solidarität hin zu bekommen“, sagte Lütjen. Dass das schwierig werden könnte, zeigte schon das Verhalten französischer Gewerkschaften, die in der Vergangenheit die Schuld für Produktionsprobleme den deutsche Kollegen in die Schuhe schoben und Werksschließungen in Deutschland forderten. Damit sollte die Airbus-Produktion stärker als bisher in Toulouse konzentriert werden – mit entsprechend negativen Folgen für die Werke und Beschäftigten in Deutschland.

Wenn es konkrete Vorschläge des Managements gebe, um Airbus wieder flott zu machen, „sind die Mitarbeiter sicher mit dabei und bereit ihren Teil zur Sanierung von Airbus bei zu tragen“, sagte Lütjen. Zuerst müsse es jedoch eine konkrete Analyse der Probleme geben, was „sicherlich noch bis zum Ende des Jahres“ dauern werde. Horst Niehus, der Betriebsratsvorsitzende von Airbus Deutschland, gab sich vorsorglich schon mal kämpferisch: „Wenn jemand glaubt, er könne uns von der Zukunft abkoppeln, dann wird er erleben, was Hamburg auf die Beine stellen kann.“ Noch aber ist es nicht so weit.

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