Schmuseland ist abgebrannt

Die Entscheidung entspricht ganz der bisherigen multikulturellen Linie, obwohl sie von diversen Ministern und auch von Trevor Philipps, dem Chef der „Commission for Racial Equality“, für gescheitert erklärt worden ist. Doch in den Institutionen und nachgeordneten Behörden blüht und gedeiht der Multikulturalismus, als wäre nichts geschehen. Im linksliberalen Observer schreibt Henry Porter, „wir haben ein Problem mit dem radikalierten Islam in Europa. Ignorieren wir die Symptome und hoffen darauf, dass sich die Verhältnisse verbessern oder konfrontieren wir die Minderheit und nehmen dabei in Kauf, dass eine größere Sektion der Muslime vor den Kopf gestoßen wird?“ Porter kommt zu dem Schluss, dass womöglich gar keine Wahl mehr gegeben sei; die liberale Demokratie werde bereits von Teilen der muslimischen Bevölkerung herausgefordert.

Es fällt schwer, dem Urteil zu widersprechen. Stets aufs neue nehmen sich Muslime das Recht heraus, aus religiösen Gründen Zensur zu verlangen; seien es die dänischen Karikaturen, die Äußerungen des Papstes oder die Ausführungen des französischen Schriftstellers Robert Redeker, der seit seinem Artikel in Le Figaro unter Polizeischutz in einem Versteck leben muss. Zugleich mehren sich die Indizien für vorauseilende Selbstzensur – nach der Absetzung der Mozart Oper in Berlin dürfte es sich lohnen, die Selbstreinigung der Spielpläne in Europa zu beobachten.

Ende der 80er Jahre verbrannten aufgebrachte Muslime in Bradford und anderen englischen Städten die „Satanischen Verse“ von Salman Rushdie. Eigentlich hätte der Fall ein Weckruf sein müssen. Stattdessen wurde die Herausforderung der essentiellen Werte unserer Demokratie ignoriert und der Autor weithin als lästiger Störenfried betrachtet. Auf staatlicher Seite, in Großbritannien und anderswo in Europa, verfolgte man noch stärker als zuvor einen Multikulturalismus, der letztlich nichts anderes ist als eine Kreation weißer Liberaler auf einem Schuldtrip, kombiniert mit einem unterentwickleten Verständnis von menschlicher Natur und historischer Realitäten. Auch jetzt, so scheint es, sind noch nicht alle aufgewacht.

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