Beim „Kampf um Herzen und Gemüter“ der muslimischen Minderheit war die Labourregierung bislang wenig erfolgreich. Mit Erleichterung reagierte London deshalb, als im Sommer dieses Jahres ein „Sufi Muslim Council“ ins Leben gerufen wurde. Nach Aussage von Mitgründer Haras Rafiq soll er für die „schweigende Mehrheit moderater Muslime“ sprechen. Der Sufismus, eine spirituelle Version des Islam, ist in Südostasien weitverbreitet, strebt Reinheit von Wort und Tat an und versteht sich als Antithese zum „politisierten“ Islam, der zu Abgrenzung und Extremismus führe. Bislang erhob der „Muslim Council of Britain“ (MCB) den Anspruch, britische Muslime zu repräsentieren.

Kein Land in Europa hat sich mit solchem Schwung einem multikulturellen Schmusekurs verschrieben. Kopftücher sind allgegenwärtig, islamische Feiertage werden im Unterricht gefeiert, eine „Commission for Racial Equality“ achtet auf strikte Antidiskrimierung, muslimische „Glaubensschulen“ breiten sich aus. Gesellschaftliche Vielfalt zu preisen ist unverzichtbarer Bestandteil britischer Staatsdoktrin; dagegen untersagen lokale Behörden schon mal, Weihnachtsbäume auf öffentlichen Plätzen aufzustellen. Mit Rücksicht auf muslimische Gefühle.

Nicht der Hauch eines Widerspruch erhob sich, als Ende der 80er Jahre ein „Muslimisches Parlament“ etabliert wurde, ohne demokratisch legitimiert zu sein. Als der „Muslim Council of Britain“ gegründet wurde, wurde er freudig begrüßt: Endlich hatten staatliche Instanzen den ersehnten Gesprächspartner. Hinterfragt wurde der MCB nie. Man sah drüber hinweg, dass Sir Iqbane Sakranie, bis 2005 MCB-Generalsekretär, öffentlich erklärte, für Salman Rushdie sei der Tod „eigentlich eine zu milde Strafe“, dass er den Holocaust-Gedächtnistag boykottiert und enge Kontakte zu sektiererischen Gruppen pflegt.

Der Muslimrat errichtet mit saudischen Geldern zahllose Moscheen, in denen der Wahabismus dominiert und eine neue Version des Koran verbreitet wird, die Christen und Juden ewige Verdammnis verheißt. Eine Panoramasendung der BBC aus dem Jahr 2005 überführte den MCB der Doppelzüngigkeit. Moderat im offiziellen Dialog, wird intern eine unversöhnliche Sprache gegenüber den „Kuffars“, den Ungläubigen, angeschlagen.

Die Radikalisierung junger Muslime, die in den 90er Jahren um sich griff und Tausende in Ausbildungslager für den Jihad in Tschetschenien, Bosnien, Afghanistan und Pakistan aufbrechen ließ, wurde verdrängt oder absichtsvoll verschwiegen. Der MCB leugnete lange die Existenz eines Problems. Seine Stellungnahme nach den kürzlich aufgedeckten Plänen, Massenmord in der Luft zu verüben, entpuppt sich als eine verquaste Mischung aus Verschwörungsgeraune, Zweifel an der Schuld der Verhafteten und Forderungen, ob nach einer anderen britischen Außenpolitik oder der Einführung der Scharia in britisches Recht.