ZEIT online : Herr Thränert, bedeutet der Atomwaffentest, dass Nordkorea über einsatzfähige Nuklearwaffen verfügt?

Oliver Thränert : Nein, das kann man so nicht sagen. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass es sich bei dem Test um eine nukleare Explosion gehandelt hat. Das heißt aber nicht, dass Nordkorea über einsatzfähige Kernwaffen verfügt, denn eine Nuklearexplosion durchzuführen, heißt noch nicht, dass man auch einen Sprengkopf für eine Rakete hat. Da braucht man ein spezielles Design dafür. Trotzdem ist der Test der Beweis dafür, dass Nordkorea über Atomwaffen verfügt.

ZEIT online : Hat es sich Ihrer Meinung nach eher um eine Uran- oder eine Plutoniumexplosion gehandelt?

Thränert : Ich glaube eher, es war Plutonium, die Nordkoreaner haben diesen Weg seit den 90er Jahren beschritten. Sie haben aus einem Reaktor aus den Brennstäben Plutonium entzogen und haben einer amerikanischen Delegation schon vor längerer Zeit die entsprechenden leeren Kühlbecken gezeigt, aus denen die Brennstäbe entnommen worden waren. Deswegen gehe ich von einer Plutoniumexplosion aus. Das ist im Hinblick auf das Sprengkopfdesign insofern sehr problematisch, als man auf der Plutoniumbasis sehr viel leichter zu kleineren Designs kommt, die man für Raketen nutzen kann, als auf der Basis von angereichertem Uran.

ZEIT online : Wie schafft das eigentlich ein so bettelarmes und vollständig isoliertes Land wie Nordkorea, so weit zu kommen?

Thränert : Nordkorea hat seine ganze Energie auf dieses Atomwaffenprogramm fokussiert und dafür die zur Verfügung stehenden Devisen genutzt. Außerdem haben sie wohl schon Anfang der neunziger Jahre Techniker und Ingenieure vor allem aus Russland eingekauft. Zudem haben pakistanische Kreise entsprechende Technologie geliefert.

ZEIT online : Was kann die internationale Staatengemeinschaft jetzt tun?

Thränert : Sinnvoll wäre eine strenge Kontrolle der Seewege, die verhindert, dass aus Nordkorea spaltbares Material oder ganze Atomwaffen verschwinden. Ob der Sicherheitsrat einer solchen Resolution zustimmen würde, ist aber fraglich. China wird nicht zulassen, dass Nordkorea zu sehr in die Enge getrieben wird. Denn das Regime in Peking fürchtet die unabsehbaren Folgen, die die bis zu einem Sturz der Regierung in Pjöngjang gehen könnten.

Sanktionen sind nur sinnvoll, wenn sie direkt die Führungsclique treffen. Denn es gibt schon jetzt eine Vielzahl von Sanktionen und die Bevölkerung ist sowieso völlig verarmt. Es bleiben also nur die Schritte, die die Amerikaner schon eingeleitet haben, nämlich die Sperrung von Konten und die Verhinderung von Geldtransfers.

Oliver Thränert ist Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik, die die Bundesregierung außenpolitisch berät. Die Fragen stelle Katharina Schuler.

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