Bezeichnend war die erste schnelle Reaktion: „Nordkorea führt ersten Atomtest durch – heftiger Protest der chinesischen Regierung“ titelten die großen chinesischen Internet-Portale sina.com und sohu.com, als man in Tokyo und Washington noch Geheimdienstinformationen sammelte, um den nordkoreanischen Atomtest offiziell bestätigen zu können. Peking aber war offenbar daran gelegen, seinen Protest so eindeutig und unmissverständlich wie möglich aller Welt mitzuteilen. Niemand sollte denken können, in der chinesischen Führung säßen irgendwo ein paar Generäle der Volksbefreiungsarmee, die ihre klammheimliche Freude mit einander teilten. Nein, „schändlich und dreist“ nannte das Pekinger Außenministerium in einer offiziellen Erklärung den nordkoreanischen Atomtest.
Sorgen: Chinas Präsident Hu Jintao beim Besuch des neuen japanischen Premiers Abe am Wochenende in der Halle des Volkes in Peking

So viel Klarheit war nötig, nachdem China den kommunistischen Nachbarn schon 1961 in einem bilateralen Vertrag Brüdertreue schwor und bis heute nicht aufhört, das diktatorische Regime Kim Jong Ils mit Öl, Kohle und Lebensmitteln zu versorgen. Die Frage an Peking aber lautet nun: Wird das chinesische Öl weiter nach Nordkorea fließen, wenn möglicherweise noch an diesem Montag im UN-Sicherheitsrat über Sanktionen gegen das Kim-Regime entschieden wird?

Nicht ausgeschlossen, dass Peking umdenkt und seinen traditionellen Widerstand gegen Sanktionen aufgibt. „Von dem Atomtest am schwersten betroffen sind die Beziehungen zwischen China und Nordkorea. Würde China jetzt ein atomares Korea akzeptieren, entständen viele Probleme. Bleibt China aber bei seiner bisherigen Position einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel, dann muss es die Konfrontation mit Pjöngjang suchen“, kommentiert Yan Xuetong, Leiter des Instituts für Internationale Studien der Tsinghua-Universität in Peking. Für Yan hat die chinesische Führung also keine Alternative: Sie muss Sanktionen zustimmen.

Ähnlich argumentiert der Journalist Zhang Zhuo im Pekinger Regierungsblatt Shijie Xinwem Bao: „Nordkoreas Atomtest könnte für Japan und Südkorea eine gute Gelegenheit bieten, eigene Atomwaffen zu entwickeln. China wäre dann gezwungen, mit mehreren neuen Atom-Nachbarländern umzugehen. Nicht nur Chinas strategisches Sicherheitsumfeld wäre zerstört, sondern auch die friedliche Umgebung der chinesischen Wirtschaft“, argumentiert Zhang. Er mahnt damit zu einem eindeutigen Einschreiten gegen Nordkorea: „Nordkoreas Aktion fordert China als ein Land mit steigendem Einfluss in der Welt heraus. Die Außenwelt erwartet viel von uns.“

Möglicherweise zu viel. Denn selbst wenn Peking Sanktionen jetzt zustimmen sollte, wird es mit ihnen nicht die gleichen Interessen wie andere Sicherheitsratsmitglieder verfolgen. Trotz aller Kritik an dem Atomtest kann China letztlich nicht an einem Zusammenbruch des nordkoreanischen Regimes gelegen sein. Zumal wenn der Zusammenbruch nicht nur die bisher gefürchteten Flüchtlingswellen, sondern auch einen Atomkrieg auslösen könnte.

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