Querdax Kurzer Hype

Ein paar Wochen lang galten Biosprit- Produzenten an der Börse als die neuen Stars. Doch der jüngste Debütant erwies sich gleich nach dem Start als Sternschnuppe. Seine Aktie stürzte ab.

Unabhängig sein vom Erdöl aus den Krisengebieten im Nahen Osten und in Afrika - das ist der Sprit, der den Börsenmotor so richtig auf Touren bringt. Die Solarbranche hat vorexerziert , wie sich die Angst vor unkalkulierbaren Steigerungen bei den Energiepreisen in Kursgewinne umwandeln lässt. Und in der einstigen Nischenbranche der Windenergie zählen längst Großkonzerne wie General Electric oder Siemens zu den wichtigsten Platzhirschen.

Da wollte die Biokraftstoffbranche nicht hintanstehen. Der Verweis auf Länder wie Brasilien, wo schon lange viele Autos mit einem biologischen Benzin aus Zuckerrohrschnaps fahren, sollte die Story liefern: Ein paar technische Änderungen genügen, um Autos für die Nutzung von Ökosprit in Form von Bioethanol als Benzinersatz oder Ökodiesel umzurüsten. Und Biogas als Heizenergieträger soll zumindest teilweise das Erdgas ersetzen können. Zwar ist die Herstellung noch sehr teuer. Aber mit steigenden Ölpreisen und staatlichen Subventionen für die Anlaufphase der Biospritanbieter soll - nach Ansicht der Optimisten - die Basis für glänzende Markterfolge gelegt sein.

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Wie geschmiert lief denn auch im Juni der Börsengang des Biogas-Spezialisten Schmack , dessen Aktie innerhalb weniger Tage um 40 Prozent zulegte. Deutlich moderater fielen die Gewinne bereits bei BDI Biodiesel aus, die vor zwei Wochen an die Börse ging. Lange Gesichter nach dem kurzen Ökokraftstoff-Hype gab es nun beim Börsengang der Südzucker-Tochter CropEnergies , deren Aktie gleich am ersten Tag um fünf Prozent absackte - und das, obwohl die Ausgabe bereits am untersten Rand der Preisspanne erfolgte.

Was war geschehen? Warum ist der Hype schon vorbei, bevor er überhaupt richtig begonnen hat?

Kurioserweise wurde den Biosprit-Aktien genau die Marktentwicklung zum Verhängnis, die normalerweise Verbraucher und Wirtschaft gleichermaßen erfreut und die Aktienkurse steigen lässt: Der Ölpreis ist gefallen. Damit wurde der Angstaufschlag aus dem Kurs genommen. Jetzt rücken die realistischen Chancen und Risiken wieder in den Mittelpunkt der Bewertung.

Langfristige Erfolgschancen sind durchaus vorhanden - und zwar auch dann, wenn die "ecological correctness" als Kaufargument außen vor bleibt. Erdöl wird langfristig knapper und teurer , und eine Verbesserung der politischen Stabilität in den wichtigsten Förderländern in Nahost und Afrika ist nicht in Sicht. Der Ölproduzent Russland spielt unterdessen sein eigenes Spiel und bleibt sowohl für westliche Ölkonzerne wie auch für den Abnehmer ein nicht immer ganz kalkulierbarer Geschäftspartner.

Leser-Kommentare
  1. Und zwar die Biodiesel Steuer. Vor diesem Hintergrund ist eine Investition in Biosprit Werte meiner Ansicht nach nicht Sinnvoll. J.S.

  2. Gemass einem alten Spruch sind im amerikanischen Goldrausch nicht die Goldgraeber, sondern die Schaufelverkaeufer reich geworden.
    Fuer mich als Anleger ist eine Direktinvestition in Biosprit-Firmen zu risikoreich. Allerdings habe ich Aktien eines "Schaufelverkaeufers" naemlich eines Unternehmen, dass Enzyme herstellt. Zum Zeitpunkt meiner Investition nur fuer Waschmittel u.ae., inzwischen aber auch fuer den Prozess der Biosprit-Gewinnung.
    Hier nach weiteren "Schaufelverkaeufern" zu suchen, lohnt sich m.E. mehr, als in die direkt in die Biosprit-Hersteller zu investieren.

    • Anonym
    • 09.10.2006 um 13:15 Uhr

    Sicher sehr geehrter JdotSdot, EE sind Teil des Problems...
    Wahrscheinlich Teil des Problems einiger Verfechter eines Staates als Fremdkörper im Nahen Osten. Deshalb ist es auch so wichtig, Öl zu proklamieren, weil man dann anscheinend die strategische Karte spielen kann.

    Wenn Israel-Agitatoren zu Energieexperten werden...

  3. 4. \N

    Sehr geehrter Herr Hammer,
    Ihr Artikel enthält ein paar Ungenauigkeiten. Raps wird für die Produktion von Biodiesel verwendet und hat mit Bioethanol nichts zu tun (nebenbei gesagt ist die Energiebilanz aus benötigter fossiler Energie zur Produktion und "gewonnener" Energie bei Raps am schlechtesten). Bioethanol kann aus Getreide und Zuckerrüben, möglicherweise auch aus land- und forstwirtschaftlichen Abfällen wie Stroh und Holzspänen gewonnen werden (letzteres verlangt noch einiges an Forschung). Trotz allem: Auch bei Bioethanol wird Deutschland immer von Importen abhängig bleiben, die Fläche reicht einfach nicht aus, um den Bedarf zu decken. Von einer europäischen Perspektive ist jedoch eine landwirtschaftliche Energieproduktion absolut sinnvoll; in Skandinavien etwa oder Polen gibt es ausreichend große Flächen, nicht zu reden von der Möglichkeit, die Landwirtschaft profitabel und damit unabhängig von Subventionen zu machen. Natürlich kann man solche langfristigen Überlegungen nicht an der Börse erwarten, dort ist man eher auf kurzfristigen Profit aus. Dennoch: Nach einer Studie des Landwirtschaftsministeriums wird die Bioethanolproduktion konkurrenzfähig, wenn der Ölpreis 60 Dollar pro Barrel übersteigt. Der Ölpreis liegt derweil in diesem Bereich. Wird die Mineral- und Ökosteuer auf alle fossilen Brennstoffe wie bisher erhoben, bedarf es keiner Subventionen. Wir sollten also in Europa den Mut haben, diese Technologien weiterzuentwickeln, zumal der Export von Know how schon immer die eigentliche Stärke Europas war. Ich hoffe, daß man sich in Deutschland nicht von der kurzzeitigen Abwärtsbewegung des Ölpreises beeindrucken läßt. In Schweden betreibt man jedenfalls Forschungen in Richtung erneuerbarer Treibstoffe, z.B. hat die schwedische Landwirtschaftsuniversität ein sechsjähriges Programm aufgelegt (zur Hälfte von der Industrie finanziert), das sich mit der Bioenergie befaßt, mit dem Ziel der Integration aller Prozess von der Lagerung der Rohstoffe bis zur Verwertung der Fermentationsreste.

    • Rellem
    • 08.10.2006 um 11:36 Uhr

    Hi @ll
    Mir ist restlos unverständlich weshalb dem Börsengelaber so viel Raum eingräumt wird.
    Die wenigsten dieser Würfelspieler verfolgen langfristige Ziele, und sind deshalb eher eine Gefahr für die Unternehmen in die sie *investieren*.
    Komplett sauer könnte ich werden wenn ich mir die absolute Unfähigkeit underer Regierungen anschaue eine in die Zukunft gerichtete Energiepolitik auf die Beine zu stellen.
    Bioethanol ist ein Teil davon.
    Mir will nicht einleuchten warum wir uns auf Teufel komm raus von Russland/OPEC abhängig machen.
    In der Beziehung kann Schweden/Island ein Vorbild sein.
    Gruss
    Rene

  4. Die Menge reicht bei weitem nicht! Insofern ist die Fixierung auf Biosprit, Windkraft usw. eher Teil des Problems als der Lösung.
    Aber gerade an der Börse machen Erneuerbare Energien Sinn, denn dort kann man auch mit Luftblasen Geld verdienen. J.S.

    • Anonym
    • 06.10.2006 um 14:50 Uhr

    Anfangs war ich von dem hohen Ölpreis begeistert: Endlich würden ökologisch verträglichere Technologien ökonomisch konkurrenzfähig. Neben Umweltbewusstsein gäbe es finanzielle Gründe für regenerative Quellen, wodurch sich mehr Menschen dafür gewinnen liessen.

    Mittlerweile wird mir bei den Folgen des hohen Ölpreises mulmig, denn neben "Bio" werden für die Umwelt problembehaftetere Technologien wie Kohleverflüssigung, Ölschiefer und Atomkraft ebenfalls konkurrenzfähig. Wird wirtschaftliches fossiles Öl knapp, dann stehen diese auf erhöhtem Preisniveau gegen die regenerativen Energiequellen. Der unbeeinflusste Markt dürfte sich an das billigste binden, was nicht notwendigerweise "Bio" bedeuten muss. Politisch beeinflusst erscheint der Ausgang offen.

    Und was heisst das für die Biosprit Aktien? Es überrascht mich, dass nicht gleichzeitig z.B. ein Kohleverflüssigungshype stattgefunden hat. Am reinen ökologischen Gewissen des Kapitalmarktes wird das kaum gelegen haben. Glaubt der Markt, dass anschwellende CO2 Emissionen international politisch nicht toleriert würden, und passt das zur Kursentwicklung bestehender CO2 Emittenten?

    FR

  5. 2005 war das Jahr der alternativen Antriebssysteme. Die Produktion von Autogassystemen kam nicht hinterher. Es brach eine Goldgräberstimmung aus. Der Markt war frei und es gab noch keine Lobby. Das haben die Lobbyisten der KFZ Branche erkannt und kurzerhand gemeinsam mit TÜV und DEKRA das "große Rad drehen wollen". Es wurden Gesetze entwickelt, die den Markt der nationalen Importeure unter sich mit den TÜV Organisationen und den Verbänden und Handwerkskammern unter sich aufteilten. So ist das in Deutschland. Heute, ein Jahr später ist der "HYPE" um Autogas deutlich bescheidener geworden. Man hatte sich den Ast zum Teil selbst abgesägt. Denn die Vorteile des europäischen Wettbewerbs konnten freie Importeure nicht an die Kunden weiter geben. Die Preise für Umrüstungen sind viel zu teuer und rechnen sich nur selten. Und die Lemminge sind wieder zurück zu den alten Ölquellen!

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