Kredite Teure Verlockung

Alles wird teurer, erst recht, wenn die Mehrwertsteuer erhöht wird - sagen die Banken und werben für ihre Kredite. Doch es ist nicht wirklich klug, größere Käufe auf Pump vorzuziehen.

„Mehrwertsteuererhöhung“ prangt es dick auf dem Werbeplakat einer Bank. „Wer jetzt nicht kauft, ist selber schuld“ - denn ab 2007 wird ja alles teurer. Mit diesem Argument versuchen derzeit viele Geldhäuser, ihre Kredite unters Volk zu bringen. Die Logik: Lieber schnell einen günstigen Kredit aufnehmen und das Auto, die Küche oder die Waschmaschine noch im Jahr 2006 kaufen als nach dem ersten Januar 2007, wenn alles um drei Prozent teurer geworden ist. Ein lohnendes Geschäft für die Geldhäuser. Doch für die Kunden geht dieses Kalkül nicht immer auf.

Das Geschäft der Banken mit den schnellen Krediten läuft gut. Insgesamt hatten sie im Juni 2006 Konsumentenkredite in Höhe von 231,3 Milliarden Euro vergeben, zählte die Deutsche Bundesbank (PDF) . Gemessen an der Bilanzsumme der Finanzhäuser ist das eher niedrig, denn der Anteil der kleinen Kredite daran beträgt nur etwa drei Prozent. Doch die Banken verdienen damit gut: Die Kredite gelten als echter Renditebringer, sie sind verhältnismäßig unkompliziert und bieten eine sehr gute Zinsmarge.

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Die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer ist für die Geldhäuser ein willkommener Anlass, noch mehr Kunden für ihre schnellen Kredite zu ködern - so beispielsweise für die Norisbank oder die Dresdner Bank, die ihre Werbekampagne auch gleich noch mit einer Studie flankiert: Jeder fünfte Deutsche, so das Ergebnis, plane den Vorzug privater Investitionen wegen der bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung. Der „Autokauf ist Favorit“, findet die Bank heraus, 32 Prozent der „Vorzugswilligen“ gaben als Ausgabeziel den eigenen Wagen an.

Das derzeitige Zinsniveau liefert den Kredithäusern zusätzliche Argumente. Denn auch nach der Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank bleiben Kredit- und Sparzinsen auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Nicht selten lockt die Werbung der Banken deshalb mit Ratenkreditzinsen unter vier Prozent.

In Wahrheit erhält längst nicht jeder die versprochenen günstigen Konditionen. Zum Beispiel Michael Schultheiß, freiberuflicher Webentwickler. Er wollte sich einen Gebrauchtwagen kaufen und bekam in der Filiale eines Automobilklubs das passende Kreditangebot gleich dazu: Von einer Autobank, zu vermeintlich günstigen Konditionen. Doch die Bank ließ sich nicht auf die gewünschten Bedingungen ein. Er musste eine längere Laufzeit akzeptieren und vorab eine Anzahlung leisten.

Auch die Werbung der Norisbank erweist sich beim näheren Hinsehen als problematisch. Im Internet verlinkt sie direkt auf den Minirechner, mit dem der Kunde die Konditionen des angebotenen Kredits ermitteln kann. Hier sind die Punkte „Ihre monatlichen Ausgaben“ und „Ihre monatlichen Einnahmen“ einfach übersprungen worden und auch nicht mehr anklickbar - so kann kaum seriös berechnet werden, ob der Interessent die Raten zahlen kann.

„Die Banken werben mit attraktiven Kreditkonditionen. Im Kleingedruckten steht dann: bonitätsabhängig“, kommentiert Stefanie Laag von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen . Konkret bedeutet das: Für Selbstständige wie Schultheiß ist ein Ratenkredit oft gar nicht möglich. Andere müssen ihn wesentlich teurer bezahlen als die Werbung versprach. „Aus den angebotenen 4,5 Prozent kann im konkreten Angebot plötzlich eine Rate von 12,5 Prozent werden" - ein nahezu dreimal so hoher Zins. Laags Tipp: „Der Verbraucher sollte sich deshalb von den Werbeangeboten nicht zu sehr verlocken lassen und das konkrete Angebot kritisch studieren.“

Leser-Kommentare
  1. 1. \N

    "wenn alles um drei Prozent teurer geworden ist."

    Das ist Unsinn.

    Erstens weil der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 % nicht angehoben wird, somit nicht "alles" teurer wird und

    zweitens steigen die Preise von Waren mit dem normalen Mehrwertsteuersatz nicht um 3% Prozent, sondern nur um 2,59 %.

  2. Nicht ohne Grund konnten im Mittelalter gute Christen keine Kredite vergeben. Heute noch sind bei Moslems Zinsen verboten.

    Kredite sind schlecht, so lange sie für den Konsum sind. Sie sind böse. Denn zusätzlich zu den Kosten des Konsums kommt noch der Zinsaufwand. Wenn Sie mit den Rückzahlungen ins stocken geraten müssen Sie auch noch die Zinseszinsen zahlen. Die Zinsen, die sie zahlen, können Ihnen teurer zu stehen kommen, als das was Sie kaufen wollten. Wenn Sie sich schon das Konsumgut nicht leisten konnten, wie wollen Sie sich die Zinsen leisten. Viel zu schnell fällt man in die Schuldenfalle.
    Wenn sie für Investitionen sind können Kredite hingegen nützlich sein. Durch den Hebeleffekt können Sie den Ertrag der Investition noch steigern. Ein Grenzfall könnte sein, wenn der Webdesigner sein Auto benötigt z.B. für Kundenbesuche.

    Wenn Sie unvernünftig sind und ein größeres Auto fahren wollen als Sie sich leisten können, sollten Sie sich Leasingangebote anschauen. Ansonsten sind ältere Gebrauchtfahrzeuge sehr billig. Ein Schrauber, von dem Sie keine Rechnung brauchen, wird es auch gerne günstig reparieren.

    Wenn Konsumentenkredite, dann richtig. Konsumentenkredite sollten Sie nur aufnehmen, wenn Sie nicht wirklich vorhaben sie zurück zu zahlen. Sobald Sie in die Schuldenfalle getappt sind, können Sie in die Privatinsolvenz gehen und sind nach nur sechs Jahren schuldenfrei. In den sechs Jahren können Sie sich vielleicht nichts leisten, aber das konnten Sie sich ohne die Konsumentenkredite auch nicht. Die Privat/Verbraucherinsolvenz ist eine echte Alternative und kostet nur 250 EUR.

    Ansonsten ist beim Artikel ein Mangel an Logik zu erkennen, denn: Wie kann ein Freiberufler seinen Job verlieren? Er kann höchstens einen wichtigen Auftrag oder einen wichtigen Kunden verlieren, aber einen Job als abhängig Beschäftigter hatte er doch nicht. Wie will er da eine Arbeitslosenversicherung haben? Gibt es für Scheinselbständige private Arbeitslosenversicherungen?

    • sfahr
    • 12.10.2006 um 12:15 Uhr

    Das ist mal wieder eine typische Psychose von uns Deutschen. Der Steuersatz von 16%, zukünftig 19%, wird zwar vielen Produkte auferlegt, aber nicht allen, da hat dika1975 vollkommen Recht. Der größte Ausgabenposten vieler Familien, die monatliche Miete, unterliegt noch nicht mal der Mehrwertsteuer.
    Also, wenn max. 50% der Ausgaben (das ist wirklich das äußerste Limit) für Produkte mit zukünftigen 19% ausgegeben werden erhöhen sich die Gesamtausgaben um 1,29% - Wahnsinn!!!

    Zum Vergleich die kaumspürbare Inflationsrate: Der Verbraucherpreisindex für Deutschland ist von September 2005 bis September 2006 um 1,0% gestiegen. Das ist die niedrigste Veränderungsrate seit zweieinhalb Jahren (Februar 2004: + 0,9%). Im Juli und August 2006 hatten die Jahresveränderungsraten bei + 1,9% und + 1,7% gelegen.
    (Quelle: http://destat.de/)

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