Der von dem am Montagabend offiziell zurückgetretenen Airbus-Chef Christian Streiff ausgearbeitete Sanierungsplan "Power 8" werde "sofort" umgesetzt, sagte Gallois am Dienstag. Dies werde zu "strukturellen Stellenstreichungen" führen und bedeute auch, dass sich Airbus "die Frage der Standorte stellt". Das Langstreckenflugzeug A350 will Gallois trotz der angespannten Finanzlage bauen: Airbus müsse im Konkurrenzkampf mit Boeing die ganze Bandbreite von Flugzeugen anbieten, um konkurrenzfähig zu bleiben, sagte er. Flugzeuge mit 200 bis 300 Sitzen machten 40 Prozent des Marktes aus.

Unterdessen wies Airbus Deutschland Medienspekulationen um den Rücktritt des zweiten Unternehmenschefs Gerhard Puttfarcken zurück. Ein Bericht der Welt vom Dienstag entbehre jeglicher Grundlage, sagte ein Sprecher. Das Blatt hatte Puttfarcken als einen der Verantwortlichen bei Airbus bezeichnet, der die Probleme seit längerem erkannt und dennoch verschwiegen hätte. Puttfarcken leitet Airbus Deutschland seit dreieinhalb Jahren.

Die Anwendung des "Wettbewerbsplans" soll nun "im Dialog und Gleichgewicht" erfolgen, sagte Gallois. Streiff hatte in der vergangenen Woche ein Sparmodell vorgestellt, mit dessen Hilfe er von 2010 an die Kosten bei dem Flugzeugbauer um zwei Milliarden Euro pro Jahr senken wollte. Gleichzeitig sollten die Entwicklungszeiten für neue Maschinen um zwei Jahre verkürzt werden. Wie viele Arbeitsplätze seiner Strategie zum Opfer fallen könnten, hatte Streiff nicht gesagt. Er hatte aber darauf verwiesen, dass der Konzern vorzeitige Ruhestandsregelungen nutzen und darauf verzichten könnte, befristete Arbeitsverträge zu verlängern.

Gallois sagte nun, dass die "die Frage nach den Werken" kein Tabu sein dürfe. Die Aufgabenverteilung zwischen Hamburg und Toulouse ist umstritten; Streiff hatte die A380-Fertigung ganz nach Südfrankreich verlegen wollen. In einem Gespräch mit der französischen Tageszeitung Figaro äußerte Streiff am Dienstag, er sei "besorgt" über Zukunft des Unternehmens, sollte die Doppelstruktur beim Mutterkonzern EADS erhalten bleiben. Die neue Personalunion des Airbus-Chefs mit der EADS-Co-Präsidentschaft unter Gallois sei ein "Schritt in die richtige Richtung".

Die doppelte Führungsstruktur habe die Umsetzung seines Sanierungsplans nicht erlaubt, sagte Streiff. Airbus müsse "Pilot im eigenen Flugzeug" sein und dürfe nicht "über EADS gesteuert" werden. Er betonte, das Problem liege in der Organisation und nicht in den Nationalitäten. Für die Krise bei der A380-Fertigung sei allerdings das Werk Hamburg verantwortlich. "Dort ist das schwächste Glied. Doch ob es Hamburg oder Toulouse ist, das ist nicht das Problem. Das hätte auch in jedem anderen Werk passieren können."

Im Gegensatz zu Streiff hält Gallois offenbar wenig von einer zu großen Distanz zwischen Airbus und EADS. "Airbus muss an EADS berichten und kann nicht unabhängig agieren, wenn 100 Prozent der Anteile EADS gehören", entgegnete Gallois seinem Vorgänger auf dessen Interviewantworten. Allerdings räumte er ein, die verschiedenen deutschen und französischen Arme von Airbus müssten besser verzahnt werden. Gallois wandte sich auch gegen Streiffs Einschätzung, wonach die Erholung des Unternehmens fünfzehn Jahre in Anspruch nehmen werden. Dennoch will er nun das Streiffsche Programm im Verwaltungsrat der Airbus-Mutter EADS vertreten. Dieser werde sich "in den kommenden Wochen" äußern. "Wir müssen neun bis zehn Milliarden Euro und Ingenieursressourcen finden", sagte der neue Airbus-Chef.

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