Die Übernahme des defizitären Start-up-Unternehmens ist für Google die mit Abstand teuerste Akquisition in der achtjährigen Firmengeschichte. Google kauft die Onlinevideo-Seite für umgerechnet 1,3 Milliarden Euro in Aktien. Das teilte das der Konzern am Montagabend mit. Dem Wall Street Journal zufolge soll in der vergangenen Woche auch Google-Konkurrent Yahoo! Interesse an der erst Anfang 2005 gestarteten Internet-Seite bekundet haben. YouTube habe in den vergangenen Tagen ein niedrigeres Angebot von Google zunächst abgelehnt.

Beide Unternehmen hätten der Transaktion zugestimmt. Die Übernahme soll im vierten Quartal 2006 abgeschlossen sein. YouTube wird als Marke bestehen bleiben und alle 67 Beschäftigten, darunter die Gründer Chad Hurley und Steve Chen, behalten.

Auf YouTube.com können Internetnutzer Videoclips hochladen und ansehen. Dem Unternehmen zufolge werden pro Tag rund 100 Millionen Mal Videos angesehen und 65.000 Clips hochgeladen. Mit einem geschätzten Anteil von 46 Prozent im wichtigsten US-Markt im August ist es der populärste Dienst dieser Art. Googles eigenes Videoangebot kommt demnach auf 23 Prozent. Ob, bei einem Marktanteil von nun fast 70 Prozent, die US-Kartell-Behörde den Kauf abnicken muss, blieb zunächst unklar. Erst im August hatte Sony den kleineren YouTube-Konkurrenten Grouper für 65 Millionen Dollar gekauft.

Computer-Nutzer verbringen immer mehr Zeit damit, sich Videos im Internet anzusehen. Diese Zeit verlieren traditionelle Werbeträger wie das Fernsehen. Die relativ niedrige Qualität der Online-Videos scheint kein großes Hindernis zu sein. Ein Problem sind die Urheberrechte, denn viele YouTube-Nutzer laden Ausschnitte aus Fernsehsendungen, Musikvideos oder Filmen auf die Seite, die geschützt sind. Die Rechte-Inhaber tolerierten es bisher weitgehend, weil es auch Werbung für ihre Produkte bedeutet, einige US-Fernsehsender platzieren auch von sich aus Ausschnitte aus neuen Serienstaffeln auf der Seite. Zudem stellte YouTube im September ein System vor, mit dem die Halter der Autorenrechte automatisch ermittelt und entsprechend an den Werbeeinnahmen beteiligt werden sollen. YouTube-Gründer Chad Hurley (29) kündigte bereits an, auf der Website solle in nicht so ferner Zukunft »jedes Musikvideo, das jemals gedreht wurde« zu finden sein.

Google verdient sein Geld fast ausschließlich mit Werbung im Internet und hatte vor kurzem betont, dass es den Online-Videomarkt für sehr wichtig halte. Trotz freier Mittel in Milliardenhöhe in seiner Kasse hatte sich der Suchmaschinenbetreiber lange mit großen Investitionen zurückgehalten.