ZEIT online: Professor Phelps, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Nobelpreis. Haben Sie heute morgen schon darauf anstoßen können?

Phelps: Ich hatte noch nicht mal Zeit, fertig zu frühstücken.

ZEIT online: Lassen Sie uns dann gleich vor dem Frühstück die drängendste aller ökonomischen Fragen lösen: Wie würden Sie die Arbeitslosigkeit in Europa bekämpfen?

Phelps: Eine erfolgversprechende Strategie ist, alles mögliche zu tun, damit die Wirtschaft dynamischer wird. Man sollte Unternehmern dabei helfen, neue Ideen und Produkte zu entwickeln. Man sollte dem Finanzsektor dabei helfen, bei der Geldvergabe besser unter unternehmerischen Projekten auszuwählen und diese Projekte dann auch zu unterstützen.

ZEIT online: Die meisten Ökonomen in Europa hätten erst einmal eine andere Idee genannt. Sie sind für einen Abbau des Sozialstaates, damit Arbeit billiger wird und flexibler eingesetzt werden kann.

Phelps: Wenn die Staaten tun, was ich vorschlage, wird es nicht notwendig sein, den Wohlfahrtsstaat zu verkleinern.

ZEIT online: Sie haben in der Vergangenheit auch argumentiert, dass mehr Leute in Europa unternehmungslustiger werden sollten.

Phelps: Ja.

ZEIT online: Man könnte Ihnen entgegenhalten, dass sie es nicht sind, weil europäische Wohlfahrtsstaaten – Hartz IV in Deutschland hin oder her – immer noch viel großzügiger sind als in anderen Teilen der Welt. Warum soll man große Risiken auf sich nehmen, wenn der Staat letztlich für uns sorgt?

Phelps: Da ist sicher etwas dran. Es gibt aber viele Hindernisse für Unternehmertum und viele Mängel am Finanzsektor, und ich glaube, dass diese die wichtigsten Probleme sind. Klar, ich verstehe das Gegenargument im Grundsatz. Wenn Sie jedem Menschen kostenlos alle Güter und Dienstleistungen zur Verfügung stellen, die er sich jemals wünschen kann, ohne einen Finger zu bewegen, dann hat das einen sehr schlechten Einfluss auf seine Privatinitiative. BILD

ZEIT online: Ein extrem überspitztes Szenario.

Phelps: Viele Länder haben recht großzügige Wohlfahrtsstaaten, und trotzdem gibt es dort Unternehmertum.

ZEIT online: Sie gelten als der Erfinder einer anderen Maßnahme zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit: des Kombilohns. Der ist zurzeit auch in Deutschland ein heißes Thema. Bleibt es bei Ihrer Empfehlung?

Phelps: Primär ist der Kombilohn kein Instrument für mehr Wachstum. Von einer Volkswirtschaft wünsche ich mir zwei Dinge: Dynamik und Gerechtigkeit. Als ich mir meine Gedanken zum Kombilohn machte, ging es mir um die Gerechtigkeit.