Nach Tod von Kevin Kinderrechte in die Verfassung?Seite 2/2

Der Landesvorstand der SPD nominierte am Sonntag einstimmig Ingelore Rosenkötter (53) als neue Bremer Sozialsenatorin. Rosenkötter, bislang Präsidentin des Landessportbunds und Landesgeschäftsführerin des Deutschen Roten Kreuzes, muss noch von einem SPD-Landesparteitag und der bremischen Bürgerschaft gewählt werden.

»Man durfte nicht nur Papiere lesen, Vermerke schreiben und Sitzungen abhalten. Man hätte regelmäßig das Kind besuchen und sich mit eigenen Augen überzeugen müssen, wie es ihm geht und wie es betreut wird«, sagte Böhrnsen. Der Schutz von Kindern habe jederzeit einen höheren Rang als jede Haushaltslage. Notfalls müsse eben eine Straße weniger gebaut werden. »Nach meinen Informationen hat es beim Tod von Kevin nicht am Geld gelegen.«

Mehr Zivilcourage von Behördenmitarbeitern forderte Renate Künast, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag. Die Beamten müssten den Mut haben zu sagen: »Dieses Kind kommt an einen geschützten Ort, ich überlasse es nicht der Bürokratie oder den Pfennigfuchsern in meiner Behörde«, schrieb Künast in der Bild am Sonntag . Viele Kommunen seien derzeit aber überfordert. »Dem Jugendamt wird der Geldhahn zugedreht, die Mitarbeiter sind oft bis über ihre Grenzen hinaus belastet«, kritisierte Künast.

Nach den Worten des Sozialpädagogen Herbert Blüml vom deutschen Jugendinstitut haben früher Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) bei jeder Geburt automatisch die Familien besucht. »Das ist vor rund 20 Jahren abgeschafft worden«, sagte er der Berliner Zeitung . Nach dem Bericht des Blattes war im Bremer Stadtteil Gröpelingen, wo Kevin lebte, ein Sozialarbeiter für 116 Kinder zuständig.

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Focus haben die Eltern Kevins ihren Sohn schon im September 2004 mit schweren Verletzungen wie einem Schädelbruch ins Krankenhaus gebracht und erklärt, dass damals acht Monate alte Kind habe sich im Kinderbett die Brüche selbst zugefügt. Die Klinik habe daraufhin das Jugendamt informiert. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft konnte den Focus - Bericht am Sonntag nicht bestätigen. Es habe damals keine Strafanzeige und daher auch keine Ermittlungen gegeben.

In Sachsen-Anhalt wurde am Freitag die sieben Wochen alte Leonie tot in der Wohnung ihrer alkoholkranken Mutter gefunden. Woran das Baby starb, ist noch unklar. »Spuren äußerlicher Gewalt gibt es nicht«, sagte Staatsanwalt Klaus Wiechmann. Auch ein natürlicher Tod des Mädchen, das mit einem Herzfehler geboren wurde, sei möglich. Das Baby und die getrennt von ihrem Lebensgefährten lebende Mutter wurden vom Jugendamt betreut. Gegen die Frau laufe ein Ermittlungsverfahren.

In München muss sich indes eine Frau wegen versuchten Mordes an ihrem zweijährigen Sohn verantworten. Im Vollrausch hatte die 46- Jährige am vergangenen Mittwoch mit einem Küchenmesser auf den zwei Jahre alten Kevin eingestochen. Der Junge wurde lebensgefährlich an der Brust verletzt und musste notoperiert werden. Der Zustand des Kindes habe sich stabilisiert, hieß es am Sonntag.

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Leser-Kommentare
  1. ... um gefährdeten Kindern WIRKLICH helfen zu können, und zwar flächendecken, bräuchte es ein paar zusätzliche Milliarden. So um die 30, würde ich sagen, für hochkarätige Ganztageskindergärten etc.

    DIe haben wir nicht. Wann steht endlich jemand auf und erklärt, daß dieses Geld her muß - und woher es kommen soll?

    Ich hätte da übrigens einen Vorschlag. Meine Kommentare dürften genug darüber verraten.

  2. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass die raffgierige Helferindustrie eine Obergrenze bei ihrer Raffgier hätte?
    Wenn Sie denen 30 Milliarden geben werden die Sozial“wissenschaftler“ Gründe finden, weshalb noch ganz wichtige Maßnahmen finanziert werden müssen, so mit noch mal 30 Milliarden.

    Das schlimmste Kinderelend schaffen eben nicht, auch wenn man das angesichts der Veröffentlichungen der letzten Tage glauben könnte, verantwortungslose Eltern, sondern – die Kinderschützerinnen

    Beispiele hier:
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  3. Haben wir die gewählt, damit sie an unserer Verfassung herumfummeln? Parteien, mit zusammen nicht einmal 50% Wahlbeteiligung? Es gibt wohl sonst nichts zu tun, wie?Separate Kinderrechte außerhalb der Rechte von Vater und Mutter, werden dem Staat überlassen, und der hat bei den Grund-(menschen)rechten nichts verloren. Das sind nämlich Abwehrrechte gegen den Staat, gegen Mehr- oder - bessergesagt - Minderheiten. Niemals darf der Staat quasi ein autoritäres Grundrecht bekommen (hat er auch nicht in internationalen Bestimmungen wie der Menschen- oder der Kinderrechtskonvention). Damit würde Tor und Tür für Kinderklau, Familienzerriss, Ganztagsentzug, Vorschul- und Kindergartenzwang oder weitere unsinnige staatliche Zwänge an Kindern und Familien eingetreten werden. Ein Schalk, der hier sogar von Absicht spricht. Der Wolf im Schafspelz sozusagen: Tragische Einzelfälle, die durch ordentliche und gesetzkonforme Arbeit der Behörden hätten vermieden werden können, auch noch schamlos ausnutzen für weitreichendere, staatliche Lieblosigkeiten wie z.B. Kindergarten-, Vorschul- und Krippenzwang. Diese Forderungen hat man auch schon von allen politischen Lagern gehört (v.d.Leyen, Sehrbrock, Beck, Scholz) - komischerweise gerade kürzlich. Das passt. Und wenn man schon dabei ist: Weiter geht's mit Online-Razzien, Gesundheitscard (E-Card) oder RFID-Überwachung, um nur wenige Beispiele zu nennen, für die ebenfalls das Grundgesetz nur unmerklich zu modifizieren wäre.Es gibt genügend Hausaufgaben - für alle Parteien. Für konkrete, praktische Hilfe steht kein Gesetz der Welt im Wege.

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