Unterschicht Leben als KampfSeite 2/2
Für den Kölner Soziologen Hans-Jürgen Andreß liegt hier die Erklärung, warum die Studie eine solche Wirkung entfaltet hat. "Unter der Decke brodelt eine ganze Menge in der Bundesrepublik, sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft. Da braucht es nur einen solchen Zündfunken, damit das aufbricht." Andreß, der sich seit langem mit den unteren Einkommensgruppen beschäftigt, beobachtet in seinen Untersuchungen die gleiche Entwicklung: "Es läuft auf eine zunehmende Polarisierung zu. Die Armut hat erheblich zugenommen, vor allem unter den Arbeitslosen und vor allem im Osten. Dass sich vor diesem Hintergrund Ängste einstellen, bis in weite Teile der Gesellschaft hinein, halte ich für selbstverständlich. Wir erleben es doch jeden Tag, dass auch gut Qualifizierte durch irgendwelche Management-Entscheidungen auf der Straße stehen. Das hat Signalwirkung für die ganze Gesellschaft."
Andreß warnt allerdings davor, alles nur noch schwarz zu malen. Für Menschen im mittleren Alter, vor allem für Besserqualifizierte, seien die Chancen, wieder eine Arbeit zu finden, immer noch sehr hoch. Andere allerdings, vor allem Ältere, Langzeitarbeitslose, aber auch Jugendliche, die nicht den Weg in den Arbeitsmarkt finden, würden immer stärker abgehängt. Der Wissenschaftler wendet sich jedoch gegen den Trugschluss, für die "neue Armut" die Hartz-IV-Reform verantwortlich zu machen, wie es einige Politiker tun. "Hartz IV hat Armut nicht geschaffen, sondern überwiegend nur sichtbar gemacht", sagt der Sozialforscher. Sicher habe sich für einige, etwa durch die Anrechnung von Vermögen, die Lage verschlechtert. Und natürlich entspreche der Regelsatz von 345 Euro nicht den tatsächlichen Lebenshaltungskosten. Doch das sei bei der Sozialhilfe vorher auch schon so gewesen. Zudem sei die Hemmschwelle gesunken, die Leistungen tatsächlich in Anspruch zu nehmen. Was die Zahlen der Arbeitslosengeld-II-Empfänger nach oben treibt.
Wie aber sollte die Politik auf das gesellschaftliche Bild, das die Studie ausbreitet, reagieren? Sie tut es bislang überwiegend mit den bekannten Reflexen. Während die Kanzlerin an die Arbeitslosen appelliert, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, leugnet ihr sozialdemokratischer Vize Franz Müntefering schlicht, dass es überhaupt Schichten gibt. Beide scheinen in einer anderen Welt zu leben. Andere, vornehmlich aus der Opposition, aber auch Linke aus der SPD, die die Diskussion ja angestoßen hat, nutzen die Gelegenheit, die Schröderschen Sozialreformen noch einmal zu diskreditieren
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als ob die für das ganze Elend verantwortlich seien.
Soziologie-Professor Andreß indes wünscht sich, dass die Politik, "statt bestimmte Gruppen zu diskriminieren, ihnen Chancen bietet, wieder Anschluss zu finden". Dazu zählen für ihn die klassischen und doch so schwierigen Mittel: Arbeitsplätze für gering Qualifizierte; Lehrstellen für die, die keinen Einstieg finden; aber auch vermehrte Hilfen für Familien.
Doch auch der Wissenschaftler hat die Hoffnung fast aufgegeben, dass sich noch etwas zum Besseren wendet. "Die Große Koalition kämpft mehr damit, sich gegenseitig zu belauern, statt vernünftige Lösungen anzubieten." Wenn die "Unterschichts"-Studie am Ende wirklich nur dazu dient, sich parteipolitisch wieder einmal zu profilieren, wie es bislang aussieht, wäre in der Tat wenig gewonnen.
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- Datum 17.10.2006 - 06:35 Uhr
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Diese Unterschicht gibt es in allen Einwanderungsländern. Man muss nur in die Einwanderer/Unterschicht Ghettos in den USA usw. sehen.
Bei uns wird das ganze durch den Sozialstaat abgefedert. J.S.
..dem Link zur FES folgen und die Zusammnefassung im Original lesen. Ich hoffe, dass auch Herr Müntefering das tun wird und danach nicht mehr behaupten wird, dass es in Deutschland keine Schichten gäbe...
Die wirklichen Opfer sind nicht die Sozialleistungsempfänger.
Sie tun einem leid, aber sie bekommen Leistungen.
Die wirklichen Opfer sind die Möbelpacker, die Tagelöhner, die Billigdienstleister, die noch Steuern zahlen - und so dumm sind, ehrlich zu sein.
Die Empfänger ganz unten und die Grossverdiener am oberen Ende der Gesellschaft sind die Profiteure dieses Systems.
Der Staat aber holt sich sein Geld von den Handwerkern, von den kleinen Selbstständigen, von den Freiberuflern.
Es ist eine Schande, wie die Politiker, die alle ANGESTELLTE und BEAMTE sind, sich das Geld bei Leuten holen, die KEINE Sozialleistungen beziehen und im Rahmen unserer bürokratie versuchen, unabhängig zu existieren.
Sie haben keinen Respekt vor Selbstständigen, Handwerkern, unabhängigen Leistungsträgern, weil sie ihr Leben lang nur auf Posten scharf waren, wo die Summe des Einkommens geregelt war. Die Politiker lieben den Staat, sie sind es gewohnt, Geld in grossen Summen für relativ wenig Arbeit zu bekommen.
Die Mentalität der Politiker orientiert sich am eigenen Sicherheitsdenken - sie verachten frei denkende Selbstständige und Leistungsträger am unteren Ende der Gesellschaft. Die Politiker sind deshalb das Problem unseres Systems.
Das Proletariat wird zum Prekariat. Hervorragende germanistische Arbeit. Dafür hat nun ein Bundestagler rund 10.000,- Euro im Monat kassiert und sich noch über die "weltfremden" Soziologen ausgelassen, die normalerweise solche Begrifflichkeiten ersinnen. Aplaus, Aplaus! ... Hmm ... Hmm ... Halt mal! ... Da war doch was? ... Ein Widerspruch? ... Ah ja, nun weiß ichs. Wenn ein Soziologe die Dinge beim Namen nennt... Oder schlimmer, wenn jemand aus dem Volke dieses Wortgefasel auf den Punkt bringt.
Genau!
UNTERSCHICHT!!!
Herr Müntefering, hören Sies?
Es schreit aus jedem Fenster der Stadtteile, in die Sie sich nur trauen, wenn eine Hundertschaft Bereitschaftspolizisten das Gelände abriegelt, damit Sie und Ihresgleichen ein neues Jugendzentrum eröffnen können, ohne Angst zu haben, einen Pflasterstein ans Hirn zu kriegen. Nicht, daß ich Ihnen dies wünsche. Allerdings wünsche ich Ihnen ein Einsehen, daß die Leute nicht ganz so deppert sind, wie Sie und Ihresgleichen immer annehmen und die Dinge bei dem Namen nennen, für die Sie und Ihre beratenden Wortverdreher mindestens ein Jahr zur Formulierung benötigen. Denn, wenn ich Geschwätz brauche, gehe ich in die nächste Kneipe und lausche dem Säuseln der Alkoholleichen am Tresen. Das ist allemal amüsanter als Ihre Wortspielchen.
diese geschichte ist gewohnt unappetitlich, jedoch nicht ungewöhnlich.
erst zertrümmert der genosse der bosse die reste des sozialstaates, aufgrund von arbeitsvorlagen aus der wirtschaft, richtet gleichzeitig eine ohnehin nicht mehr erhaltenswerte spd zugrunde, und dann kommt doch tatsächlich der mittlerweile dritte nachfolger dieses unsäglichen schröders, ein gewisser herr beck.
da kann die gequälte partei mal wieder mit dem pfunde wuchern.
was macht herr beck? ganz klar, erst einmal abnehmen, sieht halt dynamischer aus.
ja, schon gut. doofe idee. aber so sind se eben.
was nun?
klare kiste - ein thema muß her. das weiß der kurt. ja, gut, also seine berater wissen das eben.
aber, ein thema, auch das weiß der kurt, ist ja nicht nur ein thema. natürlich sind sexuell motivierte ritualmorde an barbiepuppen in der südschweiz ein heißes thema.
aber die analysten sagen, selbst in kreisen von csu und grünen schriebe man diesen außenseiterthemen keinerlei potential zu. möglicherweise zum lustgewinn, keinesfalls aber als stimmenbringer geeignet.
ist genau betrachtet nicht verwunderlich. kommt der csu zwangsläufig die , wenn ich nicht irre, amerikanische heimat ganz gewaltig quer, so würden sich doch alle grünen lieber selbst entleiben, als plastifizierte magersucht über dampfend deutsche mütterlichkeit triumphieren zu sehen.
also weiter. machen wir es kurt. themen sind gut wenn sie wähler bringen. gute wähler. wähler mit job, geld, so eben. also sagt der kurt: wir müssen jetzt die leistungsträger stützen, die wertschöpfenden menschen. auf daß sie uns stärken.
wer jetzt neugierig geworden ist, was der leitungsträger beck denn damit meinen könnte: man findet eine grobe biographie dieses herren bei wikipedia.
warum das alles?
weil jetzt ein neues thema gepuscht wird, grad auch von beck und konsorten, die unterschicht. was zum teufel hat man denn wohl erwartet? man verteilt das geld mit vollen händen von unten nach oben und wundert sich über die neu entdeckte unterschicht?
nein.
natürlich wundert sich da keiner. schließlich war das der zweck der übung, und schröder ist zwar ein mensch, über dessen moralische qualitäten ich mich nie vor zeugen äußern werde, aber er hat seinen job erledigt.
auch das kurti wird seinen job erledigen. zetern, anklagen, sich als partei der entrechteten geben, aber man kann sich halt nur einmal verkaufen. und staunen wird er.
diese unterschicht, wo kommt die denn plötzlich her? ein skandal ist das....
nein herr beck, ein skandal ist es, daß alles "haltet den dieb" schreit.
die durchpeitschung der hatz-gesetze war schon eine meisterleistung, vor allem die vorbildliche einbindung der medien. auf nahezu allen sendern gingen "sozialkontrolleure" ihrer arbeit nach. die presse, ebenfalls nahezu ausnahmlos, überschlug sich in berichten über verantwortungslose arbeitslose, die mit immenser krimeneller energie nur ein ziel kannten: Deutschland zu ruinieren.
na ja, schnee von gestern. müntefering mag das ohnehin nicht, wenn politiker beim wort genommen werden. apropos schnee von gestern, herr goebbels wäre mit dieser propagandistischen offensive vermutlich sehr zufrieden gewesen. und ich bin sicher, er hätte sich auch in´s dürre fäustchen gelacht, hätte er gewußt, daß der reichsarbeitsdienst noch lange nicht geschichte ist.
aber wir waren ja ganz woanders. bei herrn müntefering. das kann natürlich auch der intellektuelle asket aus dem badischen sein, oder diese unionsfigur, die das kauderwelsch erfand.
was mich da interessiert ist folgendes: man hat entweder sowieso geld, oder man verdient es sich. oder aber, man wird als unnützer fresser üppigst alimentiert. doch doch, klar gibt es das. kommt natürlich auf die eltern an. also hat man mit vater staat die arschkarte gezogen.
zurück zu geld und politik
womit genau verdient man als politiker sein geld? das ist eine sehr spannende, viel zu selten gestellte frage.
was würd ich darum geben, einmal so einige fiktive stellenbewerbungen und lebensläufe dieser politikgestalter in die finger zu bekommen. und zwar ehrliche. jaa ja, schon gut.
aber so sind se. immer den dicken max machen, aber wenn es darum geht, wo denn jetzt diese unterschicht so unerwartet herkommt... nix, nada, niente öööhhm...
schlußendlich
in der zusammenfassung der FES heißt es an einer stelle: ...".über vier Fünftel von ihnen wählen eine der drei linken Parteien, die gegenwärtig im Deutschen Bundestag vertreten sind."
linke parteien im bundestag? mir völlig neu. wo kann ich mich denn da mal informieren? ist das überhaupt rechtens?
"was macht herr beck? ganz klar, erst einmal abnehmen, sieht halt dynamischer aus.
ja, schon gut. doofe idee. aber so sind se eben.
was nun?
klare kiste - ein thema muß her. das weiß der kurt. ja, gut, also seine berater wissen das eben.
aber, ein thema, auch das weiß der kurt, ist ja nicht nur ein thema. natürlich sind sexuell motivierte ritualmorde an barbiepuppen in der südschweiz ein heißes thema."
Wem Sie mit solchen Bemerkungen helfen wollen, ist mir schleierhaft oder arbeiten Sie versuchsweise an einem Roman?
Ich lasse mich zusammenschreiben, mache das aber umgekehrt auch:
Kanone auf sich selbst gerichtet!
In der letzten verpoopelten Vorstandsetage Deutschlands wird man Sie noch nicht einmal wahrnehmen!
Ich möchte hier einmal auf eine nette kleine Initiative von frommen Chrsitenmenschen hinweisen, die zu Ehren eines kritischen Geistes unserer Tage eine kleine Gedenkseite mit Texten zum Thema der sozialen Abgrenzung eingerichtet hat auf: [ Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion ].
Das Prekariat ist wieder mal so eine der vielen unnötigen Wortschöpfungen dieser Zeit. Als ob lenifizierende Psychosekten gewütet hätten. Und keinesfalls nur rechtsstehende dieser Gesellschaft arbeiten an solchem Unsinn mit. Ich vermute gar linksgewirkte Gutmenschen hinter diesem Ungetüm (NB - bin selber infrarot; Gutmenschen gehn mir indes auf den Keks)
Es ist das alte Proletariat, das seit den Wirtschaftswunderjahren und bis dato nur als sebstschuldige Randgruppe wahrgenommen ward. Der Rand aber wird breit. Der Rahmen wird barock, das Bild, wird erdrückt. Der Aufbruch ist zur nach Nabeln Ausschau haltenden Vollversammlung erstarrt, wo ein Schema einem Schemen gute Nacht zu sagen pflegt; nostalgierend lachen sie über seinerzeitige Diskussionen über praecox und anderes.
Den Aufstand der Baseballschläger, der Säufer, der Perspektivlosen und Selbstmörder nehmen sie nicht wahr, aber um deren Gesundheit besorgt, verteuern sie erst mal Tabak und Alkohol. Senilitas praecox ist angesagt - man könnte es auch cerebrales Prekariat nennen.
Das Prekariat ist - wahrlich - Kandidat Nummer 1 für das Unwort des Jahres
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