Mein Leben mit Musik (40) Ich bin auf Metall

Unser Autor, 27 Jahre alt, feiert ein in seinem Alter rares Jubiläum: 20 Jahre Heavy Metal! Die Freundin und die Nachbarn müssen da ganz tapfer sein. Erfahrungen aus dem tönenden Alltag

Krachendes Schlagzeug, Stromgitarren und kraftvoller Gesang erfreuen mich seit meiner Jugend. Heavy Metal ist für mich die ungeschminkte Wahrheit, die Schönheit im Verborgenen. Wenn ich Metallicas One auflege, bekommt der Schmerz ein Gesicht: Tristesse, Verzweiflung, Aggression. Metal erzählt mir Geschichten, verknüpft meine Lebensbrocken miteinander. Metal tut mir gut.

Ich versuch’s auch mal mit Jazz oder Rap. Nur leider klingt mir das zu sehr nach Wettkampf: Wer spielt schneller, wer raffinierter? Das gibt’s beim Metal nicht. Er hat so viele Nuancen: Vom wildesten Geschrammel bis fast hin zur Klassik.

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Mit sieben Jahren ging das bei mir los. Ein Nachbarsjunge brachte mich drauf. Heute ist es die einzige Musik, die ich wirklich ernst nehme. Ihre Leidenschaft, ihre Düsternis.

Zuweilen ertappe ich mich beim Luftgitarrespielen, wie ich mein Gesicht verziehe und die Soli darbiete. Oder beim Trommeln auf meiner Tastatur. Ich versuche dann im Rhythmus des Schlagzeugs zu schreiben – aber komme immer aus dem Takt. Ich kann kein Instrument spielen, vom Singen ganz zu schweigen. Bei jedem Konzert stehe ich vorn und bewundere die fliegenden Hände der Gitarristen, den hämmernden Daumen der Bassisten. Wie gerne würde ich das auch können.

Heute liebe ich Gitarrensoli, damals fand ich sie langweilig. Und die Texte verstehe ich inzwischen; das macht einen Unterschied. Mit sieben war ich des Englischen noch nicht mächtig, ich hätte bestimmt wochenlang nicht schlafen können.

Meine Liebe zum Metal trage ihn kaum zur Schau. Zwar kaufe ich mir schwarze T-Shirts, aber nur, weil sie mir stehen. Viele meiner Freunde wissen nichts von meiner Passion. Meine Freundin hat sich nach sechs Jahren damit abgefunden. Ihr ist die Musik zu hart. Und ich sei doch nicht mehr 14! Ihr gefallen die Texte nicht: Tod, Verderben, alles Schlechte dieser Welt…

Leser-Kommentare
  1. Es gibt keinen Wettkampf im Metal?

    Schon mal nachgelesen was Kerry King zu Kirk Hammett meint?

    Wie sich die frühen Metallica und Megadeth beharkt haben? (Prügelei in der Dusche etc.)

  2. 2. +++

    Menschen mittleren Alters mit der Leidenschaft für den härteren Gitarrensong und der im Metal leibhaftig gewordenen Lebensfreude & - energie sind mir immer sehr sympathisch.

    Ich ziehe meinen imaginären Hut und verwette diesen, dass um uns herum noch sehr viel mehr metalheads sind, die sich vielleicht heute noch nicht trauen, ihre evilhorns zu tausenden in die Luft zu recken und headbangender Weise ihres Zeichens Bankkundenberater, Rechtsanwälte, Journalisten, Psychotherapeuten, Steuerberater, Industrielle und Kaufleute die Fesseln der Bürgerlichkeit absprengen und sich endlich offenbaren: "hell! yeah!" [james hetfield]

  3. Lieber Herr Scheele,

    schön, dass es bei der Zeit auch einen Metaller gibt. Ich muss Sie allerdings bei einer Aussage über meine "Einstiegsdroge" Sodom korrigieren: Im Refrain des entsprechenden Liedes geht es keineswegs um das Ausbomben, sondern vielmehr um das ausgebombt sein. Ein kleiner, aber entscheidender Unterschied, der Sodom auch von vielen ihrer Thrash-Kollegen unterscheidet.

    Falls Ihre 68er-Eltern sich also den Text genauer angeschaut hätten, wären sie vermutlich zu dem Urteil gekommen: "Katzenmusik. Aber mit Anti-Kriegstexten."

    In diesem Sinne:

    No trade with death
    No trade with arms
    Dispense the war
    Learn from the past

    Ausgebombt

    Schönen Gruß,
    Hobbes vs Boyle.

  4. 4. Liste

    Warum hast Du die Liste mit den 20 Lieblingssongs nicht im Artikel untergebracht? Das hätte das Ganze sowohl für Eingeweihte als auch für interessierte Nichtmetalhörer interessanter gemacht. Schließlich ist Metal nicht gleich Metal.

    Einerseits gibt es natürlich die Meisterwerke aus den Achtzigern (und da ist Ride The Lightning schon ein guter Anspieltipp), andererseits blühen Profilneurosen und erzreaktionäres Denken fast nirgendwo so hässlich wie in der "True Metal" Szene, weshalb ich mich auch schon vor mehr als 10 Jahren davon verabschiedet habe. Trotzdem wird Master Of Puppets für mich immer eine der wichtigsten Platten aller Zeiten bleiben.

    In diesem Sinne:
    "Bang that head that doesn't bang"
    v.

  5. Lieber Björn,

    erst mal ein herzliches Danke an Dich für diesen Artikel! Auch wenn ich die Gruppen nicht gerade höre - zur Zeit läuft die Covenant von Morbid Angel - freue ich mich sehr, zu lesen, dass es Redakteure gibt die zu Ihren Ambitionen auch etwas schreiben bzw. zu sagen haben.

    Gruß, Martin ... keep up the horns!

    P.S. Deine arme Freundin: Zum Frühstück würde ich etwas anderes hören - wie wäre es mit der Damnation von Opeth?!

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