Kinder Vorbild Super Nanny
Wie erreicht man Problemfamilien? Experten und Bundestagsabgeordnete suchten gemeinsam nach Lösungen, wie man den Medieneinfluss auf Kinder steuern kann
Geladen hatte zu der Anhörung am Mittwoch der Kinderausschuss des Bundestages. Die Experten waren sich einig: Alle Informationen und Tipps zum sinnvollen Fernseh- und Internetkonsum sind vorhanden, der Jugendschutz in Deutschland ist gut geregelt. Nur: Wie erreicht man Familien, die sich für „pädagogisch wertvolle“ Internetangebote und für Elternabende nicht interessieren? Die gar mit ihren Kindern gemeinsam brutale Computerspiele wie Counterstrike spielen? Jene Familien, in denen die Dauerberieselung durch den Fernseher oft zum einzigen Freizeitprogramm gehört?
Nach Meinung von zwei Medienpädagoginnen und des Vertreters des ZDF liegt im Zugang zu diesen Familien das entscheidende Problem. Anspruchsvollere Zeitschriften oder Internet-Downloads, wie viele öffentliche Einrichtungen sie anbieten, erreichen ihre Zielgruppe nicht. Es mache „wenig Sinn, Aufklärungs-CDs bei Aldi auszulegen“, sagt die Medienpädagogin Hanne Walberg von der Uni Mainz. Der erzieherische Arbeitsaufwand sei für viele zu groß. Auch Fernsehanbieter zu mehr Verantwortung zu ziehen, wie dies die Abgeordnete Marlene Ruprecht (SPD) fordert, oder Qualitätssiegel für Computerspiele einzuführen, ein Vorschlag der Grünen-Abgeordneten Ekin Deligöz, stoßen bei den Medienexperten auf wenig Begeisterung.
Vielmehr, rät Sabine Eder von der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur GMK, sollten Institutionen eingebunden werden, die bereits das Vertrauen von solchen Problemfamilien genießen: Arztpraxen, Sportvereine, Schulen und Kindergärten. Mit Familienaktionen müssten Pädagogen das Vertrauen der Eltern gewinnen und sinnvolle Methoden der Medienerziehung vermitteln. Telefon-Hotlines sollen Hilfe anbieten.
Die Experten gehen sogar einen Schritt weiter: Programme wie die RTL-Sendung „Super Nanny“ über schwer erziehbare Kinder sollten als Vorbild dienen. Zwar sei dies eine „voyeuristische Show,“ die die Persönlichkeitsrechte der dargestellten Kinder verletze. Ähnliche Sendungen mit Erziehungstipps könnten jedoch eben diese Familien erreichen, die ohnehin ganze Nachmittage vor dem Fernseher verbringen. Auch gängige Internet-Portale wie „YouTube“ könne man sich zu Eigen machen, um erzieherische Videos zu zeigen, schlägt der ZDF-Redakteur Thomas Waldner vor.
Schon früh sollen Kinder deshalb an Medien wie Internet und TV herangeführt werden – am besten bereits im Kindergarten. Doch die mediale Ausstattung von Schulen und Kindergärten in Deutschland sei „katastrophal.“ Auch hauptberufliche Erzieher sind in ihrer Rolle als Medienaufklärer überfordert. Viele Pädagogen arbeiteten in diesem Bereich ehrenamtlich.
Der Grundtenor der Anhörung, wie auch in der laufenden Unterschicht-Debatte, lautet deswegen: Mehr Geld für Bildung.
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- Datum 19.10.2006 - 12:34 Uhr
- Quelle ZEIT online
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In der RTL-Sendung der Supernanny im Bemühen mit Schulverweigerern am 11.10.06 wurde für jeden sichtbar, wie die kontinuierlich wachsenden Zahlen der Schulverweigerer und der Schüler mit psychischen Störungen auf Erziehungs- und Beziehungsprobleme zurückzuführen sind. Laut dem Direktor der Marburger Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie hatten schon 2004 europaweit rund 13 Prozent der Schüler zwischen 6 und 18 Jahren psychische Störungen. 5 Prozent aus dieser Altersklasse benötigten therapeutische Hilfe, beklagt Remschmidt [1]. Das Problem der Schulverweigerung ist ein Symptom, das Eltern und Öffentlichkeit endlich aufmerken und ihre Ohnmacht sichtbar werden lässt. Mittlerweile werden Zahlen bis zu 500.000 Kinder in Deutschland genannt, die ihrer Schule dauerhaft fernbleiben (Bertelsmann-Stiftung). Die psychischen Probleme kommen wegen Zeitmangel auch in den "besten Familien" vor und sind unabhängig von den materiellen Voraussetzungen. Die Lösung auch.
Als Lösung einer solchen Problematik stellte sich in der Sendung nämlich nicht etwa noch mehr Härte, Zwang und äußerer Druck heraus, sondern mehr gegenseitige Achtung, mehr Aussprache und letztlich gesunde Beziehungsverhältnisse innerhalb der Familie. Es kommt auf den regelmäßigen, freundlichen Umgang miteinander an, den die moderne Ellbogengesellschaft verloren zu haben scheint. Die Lösung ist also keineswegs Dampf, Druck und Dosenbrot in Erziehung oder Schule, wie man leicht annehmen mag. Der Schulbesuch auf Biegen und Brechen wäre wie Hammer und Axt zur Heilung eines Schädelbasisbruchs. Es wird auch nichts bringen, einfach Kopfnoten für Grundschüler und damit für Elternhäuser zu verteilen, wie zur Zeit das Schulministerium von NRW meint, durchsetzen zu müssen. Wenn unsere Kinder bei Arbeitsverhalten und Sozialverhalten wenigstens etwas Positives in den vermassten Schulen lernen könnten oder gar darin geschult würden, wäre ein amtliches Feedback eventuell willkommen. Die staatliche Beurteilung der Bürger über die Schulpflichtigen hinweg ist jedoch schlicht eine Anmaßung und keineswegs hilfreich. Auch Schulzwang, also Schulbesuch ums Verrecken, hat stets das Gegenteil von dem bewirkt, was wirklich beabsichtigt sein sollte: Eigenverantwortung, Selbstständigkeit, Motivation durch realistische und lebensnahe Perspektiven. Nur, wenn ein Schulverweigerer ermessen kann, was Bildung ihm bringt und wie seine Zukunft real davon abhängt, wenn er beispielsweise mit potenziellen Arbeitgebern ins Gespräch kommen kann, wird sein inneres Verlangen zu Lernen steigen, wie die Sendung eindrücklich zeigte.
Es bleibt unverständlich, dass diese Erkenntnisse nicht längst durchgedrungen sind und sich die jungen, leistungstragenden Familien stattdessen Pädagogik und Schulzwang immer noch vom grünen Tisch staatlich diktieren lassen. Familien bilden den Staat, nicht umgekehrt. Immer mehr Leistungsdruck in der Schule ohne intrinsisch motiviertes Lerninteresse ist totalitär und funktioniert nicht mehr. Vollzeitliche Privatlernprogramme mit Nachhilfe, stundenlange Hausaufgabenbetreuung und pausenlose, aber fast vergeblich gewordene Elterneinwirkung sind logische, aber nicht akzeptable Konsequenz, um ein längst überkommenes Pauksystem zu unterstützen. Die Familien der Staaten um uns herum haben alle möglichen Bildungsoptionen, sie haben Freiheit und Kinder. Dort liegt die ganze Bildungsverantwortung in den geehrten Elternhäusern. Der Staat bietet an, sodass an ihn delegiert werden kann. Alternativen, Erweiterungen und Optionen außerhalb des deutschen Korsetts staatlicher Schulgesetze: Fehlanzeige. Für manche mag dieses System noch ausreichen, viele hätten selbst unter aller Freiheit gar keine andere Wahl. Die Notwendigkeit grundlegender Reformen im System sind doch Konsens. Die verhinderten Reformen der letzen Jahrzehnte schreien sogar nach Revolution, um unsere Gesellschaft zu retten. Freiheiten aus dem verschulten System heraus sind längst überfällig. Und die Gesellschaft kann sich nicht länger leisten, was Eltern nicht mehr zu leisten bereit sind. Noch ist die Anzahl Kinder in Deutschland zu hoch, als dass alle "professionell" großgezogen werden könnten. Das Geld reicht gerade mal, um ausreichendes Schulwissen zu lehren und funktioniert auch nur unter der Annahme, dass alle Schüler "gelehrig" an den Lippen der Lehrerin hängen.
Darüber hinaus muss sich der Staat gnadenlose Überforderung eingestehen, wie der tragische Leidensweg und Tod von Kevin zeigt, der bereits im Alter von zwei Jahren vollständig unter staatlicher Fürsorge stand. Die Umstände um Kevin waren staatlicherseits bereits vor seiner Geburt bestens bekannt. Er war so gläsern, wie man in einem Überwachungsstaat nur durchleuchtet sein kann. Rufe nach immer mehr Überwachung, sozialen Frühwarnsystemen oder einer bundesweiten Datenbank für Schulpflichtige wirken daher wie Hohn für Bürger, deren Emotionen politisch scheinbar schamlos ausgenutzt werden. Es folgt immer mehr Machtausübung und staatliche Bevormundung, die wirklich nichts als vielleicht den Steuerumsatz verbessert. Treue Bürger, die noch nicht ausgewandert sind, könnten vielleicht dadurch besser entmündigt werden, indem sie einen Auswanderungs- und Gesinnungstest bestehen, bevor sie selbstständige Europäer werden.
Wie einen gesunden Körper für einen gesunden Geist brauchen wir für unsere Kinder intakte Elternhäuser, die sich selbst orientieren lernen nicht auf staatlichen Vaterersatz oder Bemutterung angewiesen sind. Nur das sollte ein demokratischer Staat fördern.
Die "Katastrophe", die eine Partei der anderen im leeren Lehrstellenmarkt der Betriebe vor Augen führt, setzt in Wahrheit die selbstverschuldete Katastrophe im Schulbereich voraus. Gut ein Drittel der Betriebe dürfen nicht ausbilden und sind vielleicht auch froh darum, ein anderes Drittel will nicht mehr ausbilden und das letzte Drittel kann kaum ausbilden, weil soziale und schulische Defizite kaum überwindbar sind. Von den Politikern und Arbeitsagenturen werden die Betriebe als ursächlich für die ganze Misere verantwortlich gemacht und damit verkommt die ganze Dramaturgie in einem langweiligen Ringschluss. Soll dieses Einerlei den geneigten Wähler von den Bildungsproblemen ablenken? Kann die politische Verantwortung so einfach auf Elternhaus und Wirtschaft abgewälzt werden?
Es gibt zur Zeit weltweit etwa 3 Millionen Schüler, deren Eltern in Deutschland ebenfalls Schulverweigerer genannt würden. In den anderen Ländern werden sie "Homeschooler" genannt und sind die logische Konsequenz aus den Defiziten eines steuerfinanzierten Schulzwangssystems. Wenn Kinder sich im Elternhaus bewahren können, dass sie nicht für Zensuren und Lehrer lernen, dass gemeinschaftliches Experimentieren, Kommunizieren und Musizieren einfach Spass macht und dass alles einen realen Lebensbezug für die persönliche Zukunft hat, dann kann diese Art der Bildung auch in eine ausgefüllte, glückliche Zukunft münden. International wird diese Wahrheit bereits durch etliche wissenschaftliche Studien belegt. Solche Elternhäuser sind also zu unterstützen, zu fördern und anzureizen.
Natürlich würde diese subsidiäre Lösung nicht von der sogenannten "Unterschicht" angenommen. Sie zeigt aber, dass Hilfe zur Selbsthilfe besser ankommt, mehr bringt und von vielen Familien gerne in Anspruch genommen würde, sozusagen als Vorbild und als Notwehr gegen die staatliche, aber ohnmächtige Bevormundung.
Dem deutschen Bildungsverständnis läuft freilich zuwider, dass durch diesen Ansatz die Elementarbildung nicht zwangsläufig auf Schulbesuch und Lehrkräfte angewiesen bleibt.
Quellen:
1 http://www.kssa.de/index-...
2 http://www.homeschooling....
3 http://www.homeschooling....
ein "Experte", ein ZDF-Redakteur, Interesse daran hat, Fernsehen und Internet in Kindergärten flächendeckend einzuführen - wer hätte es gedacht? Ob es wirklich sinnvoll ist, sei dahingestellt. Wäre es nicht im Gegenteil viel dringlicher, gerade jenen Kindern und Eltern, die zu Hause nur ein 24h-TV/Internet/Daddelspiele-Vollprogramm kennen, im Kindergarten, statt auch dort noch vor der Glotze zu hängen, mit alternativen Lebens- und Freizeitmodellen vertraut zu machen? Zusammen spielen, klettern, kleine Ausflüge machen, wandern gehen?
hilft auch keine Supernanny.Ich glaube dass das eigentlich Problem Eltern sind die nicht wissen wie man Kinder erzieht weil sie entweder selber keine Erziehung genossen haben oder keine Zeit fuer die Kinder haben aus was immer fuer Gruenden.Die Anzahl der alleinstehenden Frauen,die ihre Kinder ohne Hilfe eines veranwortungsvollen Erwachsenen aufziehen muessen waechst und auch die Anzahl der Kinder die sich als Problem-Kinder zeigen.Das kann der Staat nicht heilen oder regulieren und auch mit Geld kann das nicht aendern.Es ist bedauerlich dass Erwachsene nicht erkennen dass ihr Versagen sich negativ auf ihre Kinder auswirkt.Man sollte moeglicher Weise an Konsequenzen fuer Eltern denken,die ihre Kinder verwahrlosen lassen,richtige Konsequenzen fuer die Erwachsenen,nicht fuer die Kinder die mit solchen Eltern gestraft sind.
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