Fußball "Dann verkaufe ich meine Seele"Seite 2/2
Sie sind gegen die Eventisierung?
Absolut, und auch dagegen, dass man sich nur so lange dafür interessiert, bis Deutschland nicht mehr dabei ist. Das ist doch total verdächtig die interessieren sich doch nicht für Fußball, sondern nur für sich selbst und für ihr Land.
Damit stehen Sie wieder gegen den Mainstream, wie bei Ihrer Sendung "Fast Forward". Als die bei Viva abgesetzt werden sollte, traten Sie in den Streik.
Da bin ich sehr kämpferisch. Das muss man auch ernst meinen. Bei diesen großen Machtkämpfen kann man nicht hingehen, große Klappe haben und dann aber denken: "Oh, jetzt zwingen die mich, dann bleibe ich trotzdem." Man muss dann auch wirklich gehen und wissen, womit man da droht. Man muss auch damit rechnen, dass man dann erstmal keinen Job hat.
Waren Sie in den Augen der Entscheider bei Viva eine schwierige Zicke?
Hinter verschlossenen Türen haben die mich bestimmt als Zicke oder etwas Schlimmeres bezeichnet. Es ging bei Viva immer um irgendeinen großen Werbedeal. Die Marketingabteilung hat da sehr viel zu bestimmen gehabt. Die sagen dann: "Irgendeine Firma möchte was mit Charlotte machen, und dann wird das in Fast Forward platziert." Die sagen das zu, ohne mich zu fragen. Und ich am anderen Ende sage dann: "Nein, das mache ich nicht." Dann sagen die: "Doch, du musst das machen, der Deal steht." Darauf kann ich dann nur antworten: "Da müsst ihr mich vorher fragen." So etwas gab es oft. Ich habe dann gedacht: "Oh Gott, wenn ich das mache, verkaufe ich meine Seele."
Jetzt moderieren Sie die Sendung "Tracks" auf dem deutsch-französischen Kultursender Arte.
Was alle noch nicht wissen: Ich bin gar nicht mehr bei Arte. Ich habe da vier Sendungen gemacht und dann hingeschmissen. Arte ist ja sehr kompliziert in der Struktur. Die Sendung wurde im Auftrag des ZDF produziert. Das ZDF hat mich also eingestellt. Beim Arbeiten habe ich dann gemerkt, dass ich immer Kritik aus Frankreich bekommen habe von den französischen Chefs. Ich habe mich dann immer auf das ZDF berufen, allerdings hat sich herausgestellt, dass die Sendung "Tracks", die sowieso bereits ein sehr enges Korsett hatte, in Frankreich viel mehr geguckt wird als in Deutschland. Die Franzosen haben in der Exekutive mehr Stimmgewalt. Es gab immer wieder Kritik, auch inhaltlich. Die hatten Probleme damit, mein Deutsch ins Französische zu übersetzen. Ich wollte die französische Redaktion auch immer kennen lernen, um einige Probleme aus der Welt zu schaffen, aber die wollte mich nicht treffen und fanden von Anfang an ganz schlimm, dass ich von den Deutschen eingestellt worden war.
Sie sind in gewisser Weise herausgewählt worden?
Nein, ich bin wie immer von alleine gegangen, wenn es richtig doof wurde. Das Lustige ist nur, dass es niemand merkt, dass ich nicht mehr da bin, weil es keiner guckt. Ich hatte immer das Gefühl, als würden Frankreich und Deutschland da den Zweiten Weltkrieg fortführen.
Und Sie als Engländerin mittendrin.
Genau, da hätte man eigentlich gleich ahnen sollen, dass das nichts werden kann.
Sie waren auch als Schauspielerin aktiv. War Ihre Hauptrolle in dem Spielfilm "Eden" die logische Konsequenz aus Ihren vorherigen kleineren Rollen?
Das war nicht von mir geplant. Während der Viva-Zeit habe ich fast alle Rollen abgelehnt, die ich angeboten bekommen habe, weil die einfach schlecht waren. Das waren dann so schrottige Teenagerkomödien, in denen ich dann eine Musikfernsehen-Moderatorin spielen sollte. Dann kam dieses Drehbuch für "Eden". Ich dachte nur: "Das ist so ein großartiges Buch" da hätte ich auch eine kleinere Rolle übernommen. Darüber wäre ich schon froh gewesen.
War die Rolle der total passiven Eden eine große Umstellung für Sie?
Ja. Bei den Proben war dem Regisseur Michael Hofmann immer wichtig, dass ich bloß nicht aussehe wie die Charlotte, die man kennt. Ich war dann sehr ungeschminkt und auch sehr bieder gekleidet, trug spießige Frisuren. Ihm lag aber auch viel daran, dass ich nicht so spreche, wie ich das normalerweise tue. Die Stimme ist natürlich gleich, aber ich sollte niemals selbstbewusst sein. Eher runtergefahren, ruhig, naiv, passiv, das war schon schwierig. Er musste auch häufiger unterbrechen und hat dann immer gesagt "Hör auf, du sprichst ja wie Charlotte, du sprichst mit deinem Mann nicht so."
Glauben Sie an einen Geschmacksorgasmus, wie er im Film dargestellt wird?
Wirklich sexuelle Auswirkungen habe ich in dieser Form noch nicht erlebt. Ich habe durch den Film und besonders durch meinen Filmpartner Josef Ostendorf jetzt die etwas gehobenere Küche kennen gelernt. Ich glaube nicht daran, dass man alleine durch das Essen zum Orgasmus kommen kann und dass es Lebensmittel gibt, die einen geil machen. Ich glaube aber, dass es Gerichte oder Speisen gibt, bei denen man vor Freude total abgehen kann, weil die so gut sind.
Wenn man bei dem Film die eine oder andere Handlung herausnehmen würde, könnte man aus dem Material aber durchaus auch einen Softporno drehen.
Das ist mir zwar noch nicht in den Sinn gekommen, aber ich kann damit sofort etwas anfangen. Absolut. Sehr gute Idee. Das wäre dann die "Eden XXX-Version" oder so.
Sie mussten Stierhoden essen, wie schmecken die?
Das was ich im Film esse, sind keine Stierhoden. Das war rund geschnittenes Ochsenfleisch. Ich hätte nicht so viele Stierhoden essen können, wie es im Film dargestellt ist dann wäre ich an Testosteron gestorben. Stierhoden sind auch zu teuer und in Deutschland illegal. An einem Drehtag hatte unser Koch allerdings zwei dabei, so dass ich nach dem Drehen auch mal echte Stierhoden gegessen habe. Um genau zu sein, habe ich aber nur einen halben Stierhoden gegessen. Das schmeckt ähnlich wie Kalbsbries oder Hirn. Das ist eher eine Art Mutprobe.
So wie das Video mit Bela B., das in einem Swingerklub spielt, und in dem Sie beide fast nackt sind.
Genau. Ich bin ein absoluter Mutprobentyp. Wenn mir jemand sagt, dass ich mich etwas nicht traue, dann mache ich das. Die Idee mit dem Video und den Fotos war allerdings von mir. Ich dachte aber, dass Bela nein sagt. Und ich dachte mir: "Gut, dann müssen wir das also machen, denn es war meine Idee." Es ist wie eine Selbstverarsche. Und es ist nicht so, dass man den ganzen Weg über denkt, dass es eine sehr gute Idee ist, was wir da machen. Aber das haben wir dann eben eisenhart durchgezogen.
Das Interview führten Matthias Greulich und Stefan Hossenfelder für das Fußballmagazin RUND » . Das neue Heft mit diesem Gespräch erscheint am 18.10.
- Datum 24.10.2006 - 09:18 Uhr
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- Quelle RUND, ZEIT online, 16.10.2006
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Das hat mir ja nun richtig gefehlt. Endlich mal wieder ein Hausmeister und Oberlehrer (wenn auch diesmal weiblichen Geschlechts) der mir erklärt was ich zu feiern habe und was nicht. Bravo!
P.S. Die Charakterisierung Beckmanns teile ich uneingeschränkt. Und ich würde auf der Stelle 100 Euro für ein Zusatzgerät bezahlen welches es mir erlaubte den Kommentar separat abzuschalten.
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