UN-Sicherheitsrat Kampf um den SitzSeite 2/2
Insbesondere mit der Ankündigung der chilenischen Präsidentin Michelle Bachelet vom Sonntag, ihr Land werde sich der Stimme enthalten, sind die Chancen Venezuelas deutlich gesunken. Hatte Bachelet zuvor noch angekündigt, die Regierung in Caracas zu unterstützen, musste die Präsidentin dem Druck ihres christdemokratischen Koalitionspartners nachgeben. Chile beobachtet mit zunehmender Skepsis Venezuelas militärische Hilfe für Bolivien; Boliviens Präsident Morales hatte mehrfach angekündigt, den im 19. Jahrhundert im so genannten „Salpeterkrieg“ an Chile verlorenen Zugang zum Meer zurückzuverlangen.
Doch die offene Unterstützung Guatemalas durch die USA könnte dem zentralamerikanischen Land wiederum zum Nachteil gereichen. Allzu oft waren die Staaten der westlichen Hemisphäre in der Geschichte ein Spielball der US-Außenpolitik. Vor allem die Karibikstaaten, die in ihrer Mehrheit Venezuela unterstützen, betrachten die Kandidatur Guatemalas als eine Maßnahme Washingtons, Chávez auszubremsen. Zwar loben die Amerikaner das Engagement der guatemaltekischen Regierung und ihre Teilnahme an UN-Friedensmissionen. Erst vor kurzem kamen acht Soldaten aus Guatemala im Kongo ums Leben. Aber auch Venezuela stellt mehr als 200 Blauhelme in Haiti und im Kongo.
Langjährige UN-Mitarbeiter fühlen sich an eine Abstimmung aus dem Jahr 1979 erinnert. Damals kandidierte das sozialistische Kuba gegen den US-Partner Kolumbien. Nachdem auch nach mehreren Wahlgängen kein Kandidat feststand, einigte sich die Vollversammlung nach drei Monaten auf den Kompromisskandidaten Mexiko. Die diesjährige Abstimmung verspricht ähnlich spannend zu werden.
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- Datum 19.10.2006 - 05:18 Uhr
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