Amerika Bushs späte Einsicht
Die US-Regierung überdenkt einen Strategiewechsel im Irak. Welche Optionen hat sie? Und wird sie tatsächlich den Kurs ändern?
Allmählich scheint George W. Bush einsichtig zu werden. Einsichtig, dass die bisherige Politik der Amerikaner im Irak auf Dauer nicht zu halten sein wird. Nicht einmal den Vergleich der heutigen Situation im Irak mit dem Vietnamkrieg schmetterte er kürzlich mehr ab. Das mögen Europäer als verspätet empfinden, taucht hier das Wörtchen Vietnam doch schon seit Monaten in den Kommentaren zum Irak auf. Doch Bush hatte sich über lange Zeit als Realitätsverweigerer gezeigt. Das könnte nun vorbei sein; zusammen mit seinen Generälen überdenkt er an diesem Wochenende die derzeitige Strategie im Irak.
Dass Bush vorsichtiger wird, ist kein Wunder. Für die Zwischenwahlen im November stehen die Zeichen auf Umschwung: Die Demokraten könnten nicht nur das Repräsentantenhaus zurück erobern, sondern auch die Mehrheit im Senat. Ein starker Grund dafür ist sicherlich die wachsende Frustration der amerikanischen Wähler angesichts der täglichen Meldungen eigener Verluste. Allein im Oktober kamen im Irak 75 Amerikaner ums Leben, und seit Beginn des Krieges vor drei Jahren mehr als 2700.
Die Unzufriedenheit mit dem Präsidenten wächst auch im republikanischen Lager, teils unabhängig von der Kriegsfrage. David Nuo, ein ehemaliger Regierungsmitarbeiter, ruft nachgerade zum Bush-Boykott auf. Im Wahlkampf seien die Christen von den Republikanern als Stimmvieh behandelt worden, meint er; gerade die Evangelikalen, einst die Wahlhelfer des Texaners, wenden sich nun von Bush ab, denn er enttäuscht sie mit mangelnder Umsetzung ihrer christlichen Agenda. Das ist riskant, denn es handelt sich um eine große Wählergruppe.
Die Demokraten dürfen frohlocken. Auch wenn sie selbst keine einheitliche und eindeutige Position zum Irak beziehen, könnte dieses Thema ihnen viele Stimmen bringen, denn den Status Quo der derzeitigen Irakpolitik mögen nur wenige Amerikaner akzeptieren.
Selbst führende Generäle kritisieren die Irak-Strategie der Bush-Regierung. Der Sprecher der multinationalen Streitkräfte, William Caldwell, überraschte kürzlich mit einer düsteren Analyse: In den vergangenen drei Wochen, seit Beginn des Fastenmonats Ramahdan, habe die Gewalt im gesamten Land um mindestens 22 Prozent zugenommen; die verstärkte Präsenz der US-Truppen, mit der doch die Gewalt in Bagdad eingedämmt werden sollte, habe stattdessen zu einer Verschärfung der Situation geführt. „Entmutigend“ empfinde der General die Situation in Bagdad, sagte er. Ungewöhnliche Worte für einen militärischen Kommandeur.
Doch von alledem scheint sich die Führung im Weißen Haus kaum beunruhigen zu lassen. Vizepräsident Dick Cheney sagte in einem Interview mit dem Magazin Time , dass es keine Rückzugsdebatte gebe: „Wir wollen immer noch den Sieg!“ Verteidigungsminister Donald Rumsfeld kann ebenfalls nicht erkennen, dass die Irak-Strategie scheitere. Und Regierungssprecher Tony Snow spielt das für dieses Wochenende anberaumte Gespräch zwischen Bush und den Generälen herunter: Es drehe sich nicht um einen Strategiewechsel, vielmehr handle sich um ein Routinegespräch zur aktuellen Lage.
- Datum 21.10.2006 - 08:41 Uhr
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Rückzuug ist doch nicht die einzige Strategie; es wäre sinnvoll zu erwähnen, dass man plant das Land in Parzellen auf zuteilen. Jeder konfessionellen Gruppe ein eigenes Bundesland.
Divida et Impera.
Schon damals haben führende Experten, Politiker und Insider (sofern diese nicht zur Coalition of Will gehören oder gekauft wurden) eindringlich und entschieden davor gewarnt das dieser sinnlose, illegale Angriffskrieg schief gehen kann. Eine Worst-Case-Situation ist eingetreten: Bürgerkrieg!
Bei 650000 Toten seit dem Einmarsch der "Befreier" sprechen diese Zahlen eine deutliche Sprache diesbezüglich. Ist die Welt seither sicherer geworden? Hat man Fortschritte im Kampf gegen den Terror gemacht? Haben die ganzen Folterungen und Repressalien etwas bewirkt?
Was mich besonders irritiert ist die Meinungsmache und Desinformation einiger führende deutsche Medien, wie Hartwig und Gettin schon treffend anmerkten. Ich möchte hierbei besonders die FAZ, die Zeit und Springer betonen.
Ich bin der festen Überzeugung das diverse Chefredakteure, Journalisten und Kolummnisten absichtlich die Kriegstrommeln haben hallen lassen. Und genau die selben tun wieder daselbe in Richtung Iran. Haben die Leute denn nichts gelernt?
Es vergeht kein Tag in diesen Medien ohne "Muslim-Bashing" , Antiislamismus und Rassismus salonfähig gemacht wird, Kommunisten durch Islamisten ausgetauscht werden, laufend neue Hitler präsentiert werden, siehe Saddam, Kim, Ahmadinedschad, alles getan wird um den "Konsumenten" einzutrichtern das wir von Feinden umgeben sind.
Ich danke all den Joffe´s, Diekmännern und Schirrmachern für ihre plumpe, naive Kriegspropaganda. Das hilft all jenen die ihren Verstand einsetzen und ihre Doppelmoral durchschauen. Es werden mehr und mehr, was man deutlich an der rückläufigen Auflagenstärke messen kann.
Was war nochmal das wichtigste Kriterium was die Medien besitzen? Glaubwürdigkeit? Objektivität? Hoffen wir das beste das man sich wieder besinnt und diese Attribute wieder einführt...
denn die mid-term Wahlen in USA werden durch den Irak-Krieg beeinflusst.Die US Buerger haben sich an hohe Sprit-Preise gewoehnt,doch die vielen toten jungen Maenner die ihr Leben im Irak verlieren werden den Demokraten zu mehreren Sitzen im Senat verhelfen..Es wird aber bezweifelt dass die Demokraten genuegend Stimmen zusammen bekommen um den umgehenden Abzug der US Truppen herbei zu bringen wird bezweifelt.
...denn jede in Bedrängnis lebende Nation benötigt Anführer. Und das war Saddam der Grausame. Was Bush senior sich von seinem Berater Brent Scowcraft 1991 hat sagen lassen - "lass den Diktator im Amt!"- hat sein Sohn, trotz erneuerter Warnung 2002 "Don't Attack Saddam!" (Wall Street Journal, August 15, 2002) nicht befolgt.
Liesse es sich herbeitricksen, Saddam wieder zu installieren, seine ehemaligen Gehilfen wieder in Machtpositionen zu hieven, viel wäre gewonnen. Aber das sind - ich weiss es - Träumereien. Der Alptraum des "Heute" ist statt dessen Realität.
Jedenfalls vermisse ich bei der Zeit (vor allem von Herrn Joffe) wie auch von diversen anderen Medien in D (so speziell FAZ) immer noch die späte Anerkennung ihrer völligen Fehleinschätzung zur Kriegssituation im Irak seinerzeit als alles begann. Vielleicht habe ich auch nur seither versäumt alle diesbezueglichen Artikel mit der (vormals) gebuehrenden Achtung zu lesen, dennoch: Es ist leider typisch und immerhin nett zu beobachten wie die Großwettermeinung umschlägt hin zu der "Na ja klar, der Krieg war dumm" Einsicht. Nur dass niemand den Umschlag wuerdigt.
Früher einmal stand die demokratische und humane Grundhaltung der "ZEIT" außer jedem Zweifel, für die jetzigen Herausgeber ist sie nur noch eine "Option" neben anderen.
Zwar scheint auch nach Meinung der "ZEIT" vieles gegen die US-amerikanische Politik zu sprechen -- andererseits will man aber auch die Argumente, die FÜR Krieg und Folter sprechen, nicht unbesehen beiseite wischen...
"Dem Wahnsinn eine Stimme!"
In diesem Zusammenhang scheint die Figur Josef Joffes die neue ZEIT symptomatisch zu verkörpern. Josef Joffe jedenfalls gibt sich als fanatischen Untertan einer monopolaren, von den USA (ggf. den USA und Europa im Tandem) dominierten Weltordnung. Diese läßt sich nur durch Gewalt(-androhung) herstellen, und es ist die Bestimmung des demokratischen freien "Westens", den Rest der Welt in diesem Sine zu "ordnen". Auch das wiedervereinigte Deutschland soll sich endlich mit voller Kraft in dieses imperiale (z.T. sogar neo-kolonialistische) Projekt einbringen.
Internationale Politik kann nach Joffes Auffassung prinzipiell nur imperialistisch gedacht werden; wer das nicht einsehen will, ist in seinen Augen ein armer Trottel oder, schlimmer noch, ein kryptofaschistischer "Gutmensch" ("SPD-Nazi").
Mich persönlich erinnert er fatal an Diederich Heßling, den negativen Helden aus Heinrich Manns Roman "Der Untertan". Wie Heßling scheint er die die Macht ("gegen die man nichts machen kann") schon um ihrer selbst willen anzubeten; wer sich dieser Macht nicht freudig fügen will, ist in seinen Augen geisteskrank und/oder ein Terrorist. Wie Heßling scheint Joffe nicht begreifen zu wollen, daß man auch stark sein kann, ohne ständig andere (Schwächere) zu drangsalieren.
Nun hing die Entscheidung der USA, im Irak einzumarschieren, sicher nicht von der Meinung Joffes ab.
Dennoch sind Situationen vorstellbar, in denen die menschlich unreife und politisch verantwortungslose Haltung eines Josef Joffe dazu führen kann, daß die deutsche Öffenlichkeit imperiale Abenteuer unterstützen wird.
In diesem Zusammenhang scheint mir die Frage berechtigt, inwieweit nicht auch Journalisten und Zeitungsherausgeber
mitverantwortlich sind an den zehntausenden Toten, die der Irak-Krieg schon gekostet hat.
Ich teile Ihre Meinung, dass Vater Bush gut beraten war, Saddam seinerzeit an der Macht zu lassen.
Es war - zugegeben - sicher immer schwerer geworden, ihn im Sinne Amerikas zu "lenken". Trotzdem bildete er immer noch ein wichtiges Gegengewicht zum Iran und hatte vor allem die islamischen Fanatiker im Griff.
Welcher arabische Führer außer ihm hatte wohl sonst noch Christen unter seinen Ministern? Viele Christen genossen unter ihm gewissen Schutz.
Seine Verbrechen soll das nicht relativieren. Aber man sollte ihn nicht nur aus unserer humanistischen westlichen Brille beurteilen. Seine schiitischen Gegner werden ihn nicht anders behandeln, als er sie. Sie werden ihn nicht mehr lebend aus ihren Händen lassen; darauf weisen die ermordeten Anwälte Saddams hin.
Um dem heutigen Alptraum im Irak zu entkommen, wird man wohl nicht umhinkommen, einen Nachfolger Saddams "im Geiste" zu finden.
Jedenfalls wäre es ein Irrtum zu glauben, dass die Schiiten es den Amerikanern einmal danken werden, dass sie ihnen zur Macht verholfen haben. Sobald sie die GI`s als Garanten für ihre Vormachtstellung nicht mehr brauchen, werden sie sich gegen sie wenden.
Um Politik ging es im Irak-Feldzug nie. Schon gar nicht um die Menschen. Hussein war nicht mehr steuerbar, die Öl-Gesellschaften brauchten sichtbaren Schutz vor Ort, die Zukunft der Öl-Industrie die militärische Absicherung.
Aber Macht garantiert kein vernünftiges Kalkül. Bush und die Strippenzieher im Hintergrund haben sich verrechnet. Die gesamte Region ist destabilisiert, der Rückzug der Partner absehbar.
Bezahlt haben diesen ökonomischen Irrsinn die irakische Bevölkerung, das amerikanische Prekariat im Militärdienst und die Naivlinge im Westen, die an eine gute Mission geglaubt haben.
Übrigens dieselben Naivlinge, die geglaubt haben Ex-Kanzler Schröder hätte die Militäraktion aus humanistischen Gründen abgelehnt. Putin-Freund und Neu-Russe Schröder und Humanismus - Eher wohl, daß das Geld aus der anderen Himmelsrichtung kam.
korfstroem
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