Wertpapierdepots Zweifach hält besser

Kostenlose Depots sind nur etwas für Kunden, die genau wissen, was sie wollen. Alle anderen brauchen Beratung. Warum es für sie klug sein kann, gleich zwei Konten zu eröffnen, sagt

Wer bei bestimmten Banken ein Wertpapierdepot eröffnet, kann sparen - oder bekommt von den Instituten sogar etwas geschenkt. Die Geldhäuser versprechen "null Euro Depotgebühren" oder "keine Kontoführungskosten", sie geben Begrüßungsprämien aus, zum Beispiel Tankgutscheine, oder locken mit einem Anfangsguthaben im Depot. Immer mehr Banken versuchen, auf diese Art neue Kunden anzuwerben.

Ihre Aktionen kommen bei vielen Anlegern gut an. Denn andere Finanzinstitute haben in den vergangenen Jahren ihre Gebühren für den Kauf und die Verwahrung von Aktien, Anleihen und Fonds drastisch erhöht. Lange waren die Kosten für das Depotkonto fast vernachlässigbar: Mehr als 20 Euro pro Jahr kamen selten zusammen. Zurzeit jedoch muss ein Anleger, der 20.000 bis 30.000 Euro in Wertpapieren angespart hat, oft mit dem Doppelten rechnen, selbst der dreifache Betrag ist keine Seltenheit.

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"Das kostet im Einzelfall ein paar Zehntelprozentpunkte Rendite – und das Jahr für Jahr", weiß Uwe Döhler, Projektleiter bei der Stiftung Warentest. Da ist es schon verlockend, das Depot künftig kostenlos bei der Konkurrenz verwalten zu lassen.

Ganz ohne Tücken sind die Gratis-Angebote jedoch nicht, und Anleger, die mit ihnen liebäugeln, sollten sich ein paar Dinge zu Herzen nehmen. Das Wichtigste ist: Meist bieten Direktbanken eine kostenlose Depotführung an, also Banken, die kein Filialnetz unterhalten, sondern nur per Telefon, Fax oder Internet erreichbar sind. Ihr großes Manko: Kunden können von ihnen keinerlei Beratung erhoffen, anders als von ihrer Hausbank am Ort. "Man muss seine Entscheidungen selbst treffen und wissen, welche konkreten Papiere man kaufen will", charakterisiert Warentest-Experte Döhler den Anlegertyp, für den die Angebote der Direktbanken infrage kommen.

Wer dagegen regelmäßig den fachlichen Rat eines Beraters benötigt, um ein Depot aufzubauen, für den bleibt die Hausbank erste Wahl - Kosten hin oder her.

Doch auch wer für die Verwaltung seines Depots bezahlt, kann sparen - zum Beispiel, indem er auf die Gebühren achtet, die für jeden Kauf- und Verkaufsauftrag fällig werden, die so genannten Transaktionskosten. Niedrige Transaktionskosten sind vor allem für Anleger wichtig, die rege mit Wertpapieren handeln. Nicht ohne Grund besagt eine alte Börsenregel: "Hin und Her macht Taschen leer."

Leser-Kommentare
  1. Sehr geehrter MacT,
    es gibt unabhängige Berater- nur führen sie ein Schattendasein. Solange der Grossteil der Kunden sich nicht führ finanzielle Dinge interessiert-übrigens durch mehrere Studien belegt(u.a durch Bertelsmann)-wird sich daran auch nichts ändern.
    Gruss,
    ZZ

  2. Der Leserhinweis auf die in vielen Fällen katrastrophale Anlageberatung bei Banken ist absolut berechtigt - nur´betrifft das leider nicht nur die Banken, sondern fast durchweg alle Vermittler, Finanzvertriebe, Vermögensbverater und wie sie sich alle schimpfen mögen. Das ist somit ein neues großes Thema, das in meinen, schin recht langen Text nicht auch erschöpfend behandelt werden konnte. Ich verstehe die Anmerkungen daher als Anregung für ein neues Stück.

    Auch der Hinweis auf das Internet als Informationsmedium ist vollkommen richtig. Nur ist es in Sachen Informationsqualität und -aufbereitung leider auch nicht so gut, dass damit jeder Mensch, der ein konkretes Anlageproblem hat zurechtkommt. Den Bedarf an Hilfe von Fachleuten, wie gut die auch immer aussehen mag, wird es somit trotz Internet m. E. immer geben.

    • MacT
    • 24.10.2006 um 9:09 Uhr

    Vor einigen Wochen wurde auf zeit.de die Qualität der Beratung von Banken sehr negativ beurteilt und zu einer unabhängigen (nach Zeit zu bezahlenden) Beratung geraten.
    Dies ist vermutlich der bessere Weg, der hier vollkommen ignoriert wird. Diesen kann man selbstverständlich mit dem Depot bei einer kostengünstigen Onlinebank kombinieren.

    Das Problem ist schlicht, dass die Beratung bei einer Bank viel zu teuer ist für die schlechte Leistung, die sie bietet, da die Bank vor allem eigene Produkte oder solche mit hohen Margen verkaufen will.

  3. Bundesanleihen, -obligationen und -schatzbriefe lassen sich bei der Bundeswertpapierverwaltung kostenlos lagern. Schuldtitel der Hausbank erfordern in der Regel kein Depot und erzeugen somit auch keine Depotkosten. Bei dem von Luther angesprochenen Vermögen von 20-30000 EUR kommt dann schon aus Portfoliogründen höchstens noch der eine oder andere Fonds in Frage. Dafür eigens die Bank zu wechseln scheint mir reichlich unangemessen. Hier steht der Aufwand in eklatantem Missverhältnis zu dem eventuell anfallenden Mehrertrag.

  4. Als Grund warum man ein teures Depot bei einer Filialbank haben sollte wird gerne das Argument „Beratung“ aufgeführt. Bei einer Bank gibt es aber keine Beratung, es werden soweit wie möglich nur die eigenen Produkte verkauft. Es ist meistens unsinnig bei einer Bank von Beratung zu sprechen und es ist unverständlich warum seriöse Zeitschriften wie „Finanztest“, ein wichtiger Kunde des Autors, von so etwas reden. Wenn Sie in ein Autohaus gehen erwarten Sie doch auch keine Beratung. Der freundliche Autohändler wird Ihnen vielleicht die Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle erklären, aber letztendlich will er Ihnen einen Wagen seiner Marke andrehen.

    Ein Argument für ein teures Depot wäre, dass falls Ihre Anlagen schlecht laufen Sie Ihre Bank auf Falschberatung verklagen können. Inzwischen lassen die Banken Sie alle möglichen Formulare unterschreiben, so dass dieses Unterfangen wenig Aussicht auf Erfolg haben wird.

    Was ist eigentlich eine Hausbank? Ihrer Bank sollten Sie genauso emotionslos gegenüber stehen wie Ihren Aktien. Es wird eine persönliche Beziehung vorgegaukelt, nur um Sie besser ausnehmen zu können.

    Außerdem gibt es ein neuartiges Informationsmedium, von dem Sie vielleicht mal gehört haben. Dort gibt es ein breites Informationsangebot und dort treffen sich auch Menschen und tauschen sich aus. Dieses Medium nennt sich „das Internet“.

    Ein Teil ihrer Selbstverwirklichung sollte in der Geldanlage liegen. Geldanlegen ist einer der Freuden im Leben, genauso wie Wein, Weib und Gesang. Da ist es schwer verständlich, warum Sie dies jemanden anders überlassen.

    Vielleicht sind Sie ein Menschenhasser, der auf Krieg hofft und der sich außer an seinen Untergebenen schwer ausleben kann. Da wäre eine Rüstungsaktie wie die ausgebombte EADS etwas für Sie. Wenn Sie Masochist sind können Sie Bundesanleihen, -obligationen und –schatzbriefe kaufen (wg. der niedrigen Zinsen).

    Mein Rat: Nehmen Sie alle Werbe-Aktionen mit und machen Sie möglichst viel Depot-Hopping. Der Depot-Übertrag kostet ja nichts und dann sehen Sie selbst die Vor- und Nachteile der einzelnen Banken.

  5. Nur mal ein kurzes Beispiel zur Qualität von Beratungen bei Banken:
    Ich wollte 2004 einen DAX-Index-Fonds kaufen. Bei der Deutschen Bank wollte man mir entweder gar keine Aktienfonds verkaufen ("Die Kurse entwickeln sich zur Zeit ja eher zur Seite") oder nur die eigenen ("Wollen Sie DWS, DWS oder DWS und wenn Sie DWS nicht wollen hätten wir hier noch DWS"). Bei der Postbank habe ich dann zwar bekommen, was ich wollte, aber der Berater hat mich überredet, noch ein paar andere Fonds zu kaufen, die alle schlecht gelaufen sind. Denn an Index-Fonds verdient die Bank, glaube ich, nict besonders gut. Hätte ich vollkommen ohne Beratung investiert, hätte ich deutlich mehr verdient. Außerdem wird man von niemandem ernst genommen, solange man nicht mindestens 10.000 Euro anlegen möchte.

    Also, besser selber lesen und alles über das Internet machen. Dann ärgert man sich danach wenigstens nur über sich selbst.

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