Wertpapierdepots Zweifach hält besserSeite 2/2
Zwar machen auch hier die Direktbanken deutlich verlockendere Angebote als ihre Konkurrenz. Sie kassieren besonders wenig für einzelne Kauf- oder Verkaufsaufträge, und sie geben fast immer deutliche Rabatte auf den Ausgabeaufschlag von Investmentfonds - wenn auch die Zahl der rabattierten Fonds und die Höhe des Nachlasses je nach Bank schwankt - und kaufen die Fondsanteile später kostenfrei zum aktuellen Kurs zurück.
Doch es gibt eine echte Alternative: Viele Filialbanken führen per Internet übermittelte Aufträge besonders günstig aus, deutlich günstiger jedenfalls als konventionell, also per Telefon oder persönlich in der Filiale erteilte Order. In Einzelfällen kann der Kunde durch Online-Banking mehr als 50 Prozent sparen, hat die Stiftung Warentest bei einem Vergleich unter 17 Filial- und Direktbanken herausgefunden. Ein Beispiel: Die Citibank berechnet für einen online eingegangenen Auftrag pauschal 9,99 Euro. Wird der gleiche Auftrag telefonisch oder im persönlichen Gespräch mit dem Berater erteilt, kostet das mindestens 29,99 Euro, zuweilen auch deutlich mehr, abhängig vom Auftragsvolumen.
Die Warentester empfehlen die Online-Angebote der Filialbanken, denn wer sie nutzt, hat's besonders bequem. Sie bieten die Möglichkeit, von Fall zu Fall zu entscheiden: Will man seine Wertpapiergeschäfte günstig per PC abwickeln oder zu komplizierteren Transaktionen doch lieber den Berater hinzuziehen? Ähnlich flexibel fahren Anleger, die zwei Depots einrichten: Benötigen sie keinen Rat, etwa zum Kauf von Bundesanleihen oder Rentenfonds, nutzen sie das kostenlose Depot einer Direktbank, die nur geringe Transaktionsgebühren berechnet. Möchten sie eine riskanteres Papier erwerben, gehen sie zur Filialbank und lassen sich beraten - eine gute Möglichkeit, mehr Sicherheit und günstige Kosten flexibel zu kombinieren.
Einen Wechsel von der bewährten Hausbank zu einem neuen, günstigeren Institut braucht dabei niemand zu scheuen. Der Antrag auf Eröffnung eines Kontos bei einer Direktbank kann oftmals online ausgefüllt werden. Lediglich seine Identität muss der Kontoinhaber per Postident-Verfahren überprüfen lassen.
Wenn gewünscht, kümmert sich die neue Bank gar um die Übertragung der bestehenden Depotbankverbindung. Diesen Service gibt es nicht nur zu den Tankgutscheinen und anderen Begrüßungsgeschenken dazu. Er muss, einem höchstrichterlichen Urteil zufolge, auch kostenfrei sein.
Thomas Luther ist Finanzjournalist. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Geldanlage und hat eine Reihe von Büchern dazu veröffentlicht. Thomas Luther arbeitet als freier Autor und Redakteur beim "Handelsblatt". ZEIT-online-Lesern ist er durch seine regelmäßige Kolumne Lebenslagenbekannt.
- Datum 23.10.2006 - 08:14 Uhr
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Sehr geehrter MacT,
es gibt unabhängige Berater- nur führen sie ein Schattendasein. Solange der Grossteil der Kunden sich nicht führ finanzielle Dinge interessiert-übrigens durch mehrere Studien belegt(u.a durch Bertelsmann)-wird sich daran auch nichts ändern.
Gruss,
ZZ
Der Leserhinweis auf die in vielen Fällen katrastrophale Anlageberatung bei Banken ist absolut berechtigt - nur´betrifft das leider nicht nur die Banken, sondern fast durchweg alle Vermittler, Finanzvertriebe, Vermögensbverater und wie sie sich alle schimpfen mögen. Das ist somit ein neues großes Thema, das in meinen, schin recht langen Text nicht auch erschöpfend behandelt werden konnte. Ich verstehe die Anmerkungen daher als Anregung für ein neues Stück.
Auch der Hinweis auf das Internet als Informationsmedium ist vollkommen richtig. Nur ist es in Sachen Informationsqualität und -aufbereitung leider auch nicht so gut, dass damit jeder Mensch, der ein konkretes Anlageproblem hat zurechtkommt. Den Bedarf an Hilfe von Fachleuten, wie gut die auch immer aussehen mag, wird es somit trotz Internet m. E. immer geben.
Vor einigen Wochen wurde auf zeit.de die Qualität der Beratung von Banken sehr negativ beurteilt und zu einer unabhängigen (nach Zeit zu bezahlenden) Beratung geraten.
Dies ist vermutlich der bessere Weg, der hier vollkommen ignoriert wird. Diesen kann man selbstverständlich mit dem Depot bei einer kostengünstigen Onlinebank kombinieren.
Das Problem ist schlicht, dass die Beratung bei einer Bank viel zu teuer ist für die schlechte Leistung, die sie bietet, da die Bank vor allem eigene Produkte oder solche mit hohen Margen verkaufen will.
Bundesanleihen, -obligationen und -schatzbriefe lassen sich bei der Bundeswertpapierverwaltung kostenlos lagern. Schuldtitel der Hausbank erfordern in der Regel kein Depot und erzeugen somit auch keine Depotkosten. Bei dem von Luther angesprochenen Vermögen von 20-30000 EUR kommt dann schon aus Portfoliogründen höchstens noch der eine oder andere Fonds in Frage. Dafür eigens die Bank zu wechseln scheint mir reichlich unangemessen. Hier steht der Aufwand in eklatantem Missverhältnis zu dem eventuell anfallenden Mehrertrag.
Als Grund warum man ein teures Depot bei einer Filialbank haben sollte wird gerne das Argument Beratung aufgeführt. Bei einer Bank gibt es aber keine Beratung, es werden soweit wie möglich nur die eigenen Produkte verkauft. Es ist meistens unsinnig bei einer Bank von Beratung zu sprechen und es ist unverständlich warum seriöse Zeitschriften wie Finanztest, ein wichtiger Kunde des Autors, von so etwas reden. Wenn Sie in ein Autohaus gehen erwarten Sie doch auch keine Beratung. Der freundliche Autohändler wird Ihnen vielleicht die Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle erklären, aber letztendlich will er Ihnen einen Wagen seiner Marke andrehen.
Ein Argument für ein teures Depot wäre, dass falls Ihre Anlagen schlecht laufen Sie Ihre Bank auf Falschberatung verklagen können. Inzwischen lassen die Banken Sie alle möglichen Formulare unterschreiben, so dass dieses Unterfangen wenig Aussicht auf Erfolg haben wird.
Was ist eigentlich eine Hausbank? Ihrer Bank sollten Sie genauso emotionslos gegenüber stehen wie Ihren Aktien. Es wird eine persönliche Beziehung vorgegaukelt, nur um Sie besser ausnehmen zu können.
Außerdem gibt es ein neuartiges Informationsmedium, von dem Sie vielleicht mal gehört haben. Dort gibt es ein breites Informationsangebot und dort treffen sich auch Menschen und tauschen sich aus. Dieses Medium nennt sich das Internet.
Ein Teil ihrer Selbstverwirklichung sollte in der Geldanlage liegen. Geldanlegen ist einer der Freuden im Leben, genauso wie Wein, Weib und Gesang. Da ist es schwer verständlich, warum Sie dies jemanden anders überlassen.
Vielleicht sind Sie ein Menschenhasser, der auf Krieg hofft und der sich außer an seinen Untergebenen schwer ausleben kann. Da wäre eine Rüstungsaktie wie die ausgebombte EADS etwas für Sie. Wenn Sie Masochist sind können Sie Bundesanleihen, -obligationen und schatzbriefe kaufen (wg. der niedrigen Zinsen).
Mein Rat: Nehmen Sie alle Werbe-Aktionen mit und machen Sie möglichst viel Depot-Hopping. Der Depot-Übertrag kostet ja nichts und dann sehen Sie selbst die Vor- und Nachteile der einzelnen Banken.
Nur mal ein kurzes Beispiel zur Qualität von Beratungen bei Banken:
Ich wollte 2004 einen DAX-Index-Fonds kaufen. Bei der Deutschen Bank wollte man mir entweder gar keine Aktienfonds verkaufen ("Die Kurse entwickeln sich zur Zeit ja eher zur Seite") oder nur die eigenen ("Wollen Sie DWS, DWS oder DWS und wenn Sie DWS nicht wollen hätten wir hier noch DWS"). Bei der Postbank habe ich dann zwar bekommen, was ich wollte, aber der Berater hat mich überredet, noch ein paar andere Fonds zu kaufen, die alle schlecht gelaufen sind. Denn an Index-Fonds verdient die Bank, glaube ich, nict besonders gut. Hätte ich vollkommen ohne Beratung investiert, hätte ich deutlich mehr verdient. Außerdem wird man von niemandem ernst genommen, solange man nicht mindestens 10.000 Euro anlegen möchte.
Also, besser selber lesen und alles über das Internet machen. Dann ärgert man sich danach wenigstens nur über sich selbst.
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