Spendenaffäre Minenfeld für KochSeite 2/2
Die SPD-freundliche Süddeutsche Zeitung ist gegenteiliger Ansicht über die Dauer des Prozesses: „Dieses Strafverfahren ist ein Lehrstück dafür, dass ein Innenminister dem Recht unterworfen ist wie jeder andere Bürger auch.“ Selbst wenn es sich nun hinziehe – „ein solches Lehrstück kann eigentlich nicht lange genug dauern.“
Nachsichtig dagegen ist die unionsnahe Frankfurter Allgemeine Zeitung : Kanther habe sich zwar verstrickt, aber niemandem schaden wollen. Genau dieser Glaube, alles richtig gemacht zu haben, sei das Fatale am Fall Kanther, meinen dagegen die Badische Neueste Nachrichten . „Der hessische Christdemokrat, geprägt durch die 70er Jahre, durch den Fall Barzel und die Affäre Guillaume, den Klassenfeind im Osten wissend und dessen gefährliche Umtriebe auch in der Nähe wähnend, war die Politik ein mit harten Bandagen geführter regelrechter Kampf um Macht.“ So habe Kanther geglaubt, „sich diesem Kampf mit bestem Wissen und Gewissen stellen zu müssen - und bis heute nicht erkannt, dass er zu weit gegangen ist.“
Die Sächsische Zeitung bewertet den Fall nicht nur strafrechtlich, sondern auch moralisch: „Das Image als ordnungsliebender Saubermann, das sich Kanther in seiner Amtszeit als Bundesinnenminister zugelegt hat, ist ein für alle mal verloren.“ Er habe wenig zur Aufklärung des Falles beigetragen, die nach den Worten des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch ja eigentlich „brutalstmöglich“ erfolgen sollte. Bis heute ist unklar, aus welchen dunklen Kanälen die Millionen-Spenden für die CDU stammen.
Da ist er gefallen, der Name Koch. Die Frankfurter Rundschau befasst sich etwas eindringlicher mit dessen Rolle im Spendenskandal. „Roland Koch tut so, als müsse er den Fall Kanther nicht zur Kenntnis nehmen.“ Koch wisse seit der Landtagswahl 2003, dass die Affäre nicht die dringlichste Frage ist, die die Menschen umtreibt. Damals holte er die absolute Mehrheit, obwohl die Opposition sich bemühte, ihn mit den schwarzen Kassen in Verbindung zu bringen. Deshalb ist es denkbar, dass das Thema auch im nächsten Wahljahr 2008 wieder eine Rolle spielt. Die Frankfurter Rundschau vermutet: „Koch aber hat sich entschieden. Er wird die Sache aussitzen.“
Auch die
Kieler Nachrichten
halten es für möglich, dass sich die Richter noch einmal mit der Rolle des hessischen Ministerpräsidenten befassen. Auch könnte „der Anteil von Kochs treuem Knappen und heutigen Verteidigungsminister Jung erneut auf die Tagesordnung kommen“. Als „Minenfeld“ bezeichnen auch die
Dresdner Neueste Nachrichten
Kochs Verwicklung in den Spendenskandal – zulasten einer möglicherweise erhofften Kanzlerkandidatur.
Zum Thema
Schwarzgeldskandal
-
Ex-Innenminister Kanther blühlt mildere Strafe »
Das Recht bin ich
-
Manfred Kanther galt als strenger Hüter von Gesetz und Ordnung (ZEIT 16/2005) »
Aktuelle Nachrichten aus Deutschland »
Analysen und Hintergründe »
Aus dem Archiv
Nach Kanthers Beichte sind in der Schwarzgeld-Affäre der hessischen CDU viele Fragen offen.
Hinter jeder möglichen Antwort lauert ein weiterer Skandal (ZEIT 4/2000) »
- Datum 19.10.2006 - 13:39 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 6
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Kanther könnte bis zum neuen Urteil doch wieder als Saubermann für Frau Merkel tätig werden. Mit den korruptionsbelasteten CDU-Ministern Jung und Schäuble wäre er doch in einer sehr guten Gesellschaft. Irgendwo müssen auch noch die DM 100.000 rumliegen, die Schäuble vergessen hat.
Sie haben einen merkwürdigen Ehrbegriff...
.. kann ich da nur zu Koch sagen,
mir wär er jedenfalls 1000 mal lieber als die handlungsunfähige Merkel.
In Hessen hat sich doch was bewegt.
für MP Koch ist sein Inkompetenzminister Jung.
korfstroem
bestätigt sich hier ja trefflich, nur an Argumenten mangelt es leider,
ja wirklich sehr "undemokratisch", dass er nicht zurücktritt, weil seine völlig maßlosen Feinde das ständig fordern. Nur wer von demokratisch redet sollte die Wähler, das heißt die Mehrheit respektieren, sogar die absolute Mehrheit in Hessen.
Fremdenhass war immer ein politisches Kampfwort, das ich nicht verstanden habe, eher ein Problem des Ostens und nicht der braven Hessen. Die wichtigsten Einwanderungsbeschränkungen stammen von rot/grün unter Min. Schily.
Also die Haushaltssanierung des Staates, Wirtschaftwachstum und sinkende Arbeitslosigkeit von Hessen, das ja noch aufhohlen muss, könnte durchaus ganz Deutschland gebrauchen. Ich würde es ihm zutrauen.
Und Merkel gegenüber war er loyal, vielleicht lest ihr mal weiter Zeitung, dass er gerade jetzt für Angela Mekel mit dem SPD-Finanzminister kontruktiv die Unternehmenssteuerreform aushandelt. Also bitte keine blindwütigen inhaltleeren Schlagwörter.
"In Hessen hat sich doch was bewegt": Jawohl, und zwar Schwarzgeld in die Schweiz. Ansonsten: Wann waren Sie das letzte Mal in Hessisch-Sibirien?
Was mich an diesen hessischen Konservativen - gelinde gesagt - ankotzt, ist ihre Grabenkämpfer-Mentalität: Sie kämpfen um die Macht nur für sich selber, nicht etwa zum Wohle des Volkes, und versuchen, mit diesem "Kampf" auch noch illegale Machenschaften zu entschuldigen.
Wenn ich ein CDU-Mann wäre, würde ich mich für solche "Parteifreunde" schämen: Diese "Konservativen" sind dem Totalitarismus näher als alle anderen politischen Gruppen in Deutschland, selbst Lafontaines Kasperletheater ist dagegen harmlos. Demokraten jedenfalls sehen anders aus...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren