Interview Süchtig nach Fußball?
Auch das noch: Mario Basler hat seinen Trainerschein gemacht. RUND sprach mit dem Enfant Terrible über Zigaretten, Glücksspiele, schmutzige Witze - und die Fußball-Sucht.
LÜGENLEGENDE
+___ Flunkern
++__ Leichte Lüge
+++_ Mittlere Lüge
++++ Große Lüge
Herr Basler, sagen Sie immer was Sie denken?
Mario Basler: Fast immer. Zu 99,9 Prozent. Es kommt aber auf das Thema an, bei manchen muss man auch mal etwas vorsichtiger sein.
Was sollten wir Sie besser nicht fragen?
Lassen Sie sich überraschen. Sie werden schon sehen, ob Sie eine Antwort kriegen. (+___)
Welche Farbe hat Ihre Unterhose?
Ich habe gerade keine an. Zu Hause brauche ich keine Unterhose, da brauche ich meine Freiheit. Hier will ich mich ganz frei bewegen können.
Schon mal auf Fußballspiele gewettet?
Na klar, jedes Wochenende. (+___)
Mal gewonnen?
Unterschiedlich, manchmal gewinne ich, manchmal verliere ich.
Ist das eine Sucht bei Ihnen?
Was ist denn eine Sucht? Lotto spielen? Auto fahren? Ist Wetten jetzt schädlicher als Alkohol oder Rauchen? Diese ganze Diskussion finde ich schwachsinnig.
Seit wann rauchen Sie?
Seit 24 Jahren. Und ich höre auch nicht auf. Wenn ich sterbe, möchte ich unbedingt Zigaretten mit auf die lange Reise nehmen. Keine Blumen bitte! Sie sollen mir Zigaretten reinschmeißen. (++__)
Haben Sie während Ihrer Profikarriere heimlich geraucht?
Ich habe nie eine Zigarette verheimlicht. Manch Trainer hat versucht, es zu verbieten, ich habe aber immer selber entschieden. Nur die ersten drei Jahre zu Hause musste ich heimlich rauchen. Einmal hat mich mein Vater erwischt, da hat es gescheppert. Als ich 16 war, durfte ich aber auch bei meinen Eltern rauchen.
Wie viele Zigaretten sind es am Tag?
Kommt darauf an, ob ich in Gesellschaft bin oder nicht. Mal eine, mal zwei Schachteln am Tag. Ich fahre ja auch viel Auto, da habe ich viel Zeit zum Rauchen.
Nun sind Sie lizenzierter Trainer. Haben Sie ein Problem damit, mit dem Fußball aufzuhören?
Nein, es bringt mir einfach Spaß, mit den jungen Burschen zu kicken. (+___)
Wo wären Sie gerne mal Trainer?
Kaiserslautern ist nur 20 Kilometer von hier entfernt, ich bin ein Pfälzer Junge, der FCK war schon immer mein Verein. Ich dort als Trainer wäre natürlich ein Traum – vielleicht irgendwann mal.
Sie wurden dort schon mal ins Gespräch gebracht.
Das kam von Medienseite, vom Verein hat niemand mit mir gesprochen. Damals war der Jäggi auch noch Vorstandschef, und mit dem hätte das sowieso nie funktioniert. Das hätte nur Mord- und Totschlag gegeben.
Warum?
Weil Herr Jäggi für mich ein Lügner ist. Der hat die Leute drei Jahre lang nur verarscht und den Verein kaputtgemacht. Nun ist er weg und Lautern in der zweiten Liga.
Tut Ihnen das weh?
Ja.
Wie viele Kilo haben Sie zugenommen?
Ich wiege noch genauso viel wie als Spieler, 82 Kilo. (++__)
Die Muskelmasse nimmt ab und ...
... ich habe ein kleines Bäuchlein bekommen, genau. Wo die Muskeln gewesen sind, ist es nun halt etwas schwabbeliger. Aber das ist nicht schlimm, ich muss keinem mehr etwas beweisen. (+++_)
1999 gegen Manchester United waren Sie fast Champions-League-Sieger. Sie hatten das 1:0 geschossen, wurden ausgewechselt und mussten sich das Drama zum 1:2 von der Bank ansehen. Haben Sie Ihre Kollegen damals verflucht?
Nein, habe ich nicht. Es hat für mich immer Wichtigeres gegeben, als ein Fußballspiel zu verlieren. Natürlich war ich damals enttäuscht, doch fünf Stunden nach Abpfiff war ich völlig voll und habe auf den Tischen getanzt und gesungen. Da war das 1:2 für mich schon wieder vergessen. (+___)
Wann haben Sie das letzte Mal geweint?
Vor drei Jahren, als mein Onkel gestorben ist. Und davor vor fünf Jahren, als meine Oma gestorben ist. Auch als Rudi Carrell starb, standen mir die Tränen in den Augen. Wir haben uns sehr gut gekannt und auch oft Golf miteinander gespielt.
Ihren Lieblingswitz bitte.
Da gibt es einige, die ich hier aber nicht erzählen kann, da sie alle ein wenig strenger sind.
Strenger?
Die etwas härtere Garnitur eben. Nichts zum Schreiben für Sie, nichts zum Lesen für die Leute – daher gibt es auch nichts zu erzählen.
Ihren Zweitlieblingswitz?
Der ist frauenfeindlich, den möchte ich auch nicht erzählen.
Und den dritten? Den versuchen wir noch.
Den stellen wir mal besser zurück – später vielleicht.
Wenn Sie einen Tag machen könnten, was Sie wollten, ohne dafür bestraft zu werden ...
... würde ich zunächst ins Kanzleramt fahren und dort mal so richtig aufräumen. Die verarschen die Leute und halten keine ihrer Wahlversprechungen. Die lügen doch das Blaue vom Himmel runter. Deshalb gehe ich seit vier oder fünf Jahren auch nicht mehr wählen. 20 Stunden würde ich denen ganz sicher die Meinung sagen.
Und in den verbleibenden vier Stunden?
Da würde ich meinem FCK so viel Geld besorgen, dass er der reichste Verein der Welt wäre. Ich würde die Banken fragen, ob sie mir Geld geben und es dem FCK überweisen.
Meinen Sie, dass Sie das Geld einfach so geschenkt bekommen?
Ich würde nachts fragen, wenn keiner da ist.
Würde der FCK das Geld sinnvoll anlegen?
In der gleichen Nacht würde ich mich natürlich noch zum Präsidenten wählen, dann würde das bestimmt klappen.
Wollen Sie uns zum Abschluss vielleicht doch noch Ihren Lieblingswitz erzählen?
Nein, besser nicht.
Fazit des Tests: Super Mario ist völlig schmerzfrei. Das Gerät der Wahrheit arbeitete einwandfrei, schlug aber nur ganz selten mal aus. Wenn alle so ehrlich wären, wäre die Welt eine bessere – oder zumindest anders. Vielleicht gäbe es dann auch „Mord- und Totschlag“, wie Basler selber sagt.
- Datum 29.06.2007 - 08:04 Uhr
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- Quelle ZEIT online, RUND, 24.10.2006
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Mit Basler (und Effenberg) wäre Deutschland 2002 im Endspiel gegen Brasilien Weltmeister geworden. Kein Witz!
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