E-Mail aus Berlin Rätselhafte Gelassenheit

Wie gefährlich werden die Untersuchungsausschüsse für den Außenminister, der bis 2005 mit der Aufsicht der Geheimdienste betraut war und derzeit beharrlich schweigt?

Auffallend gut gelaunt hielt Frank-Walter Steinmeier am Dienstag in Berlin eine Rede vor dem Verein der Auslandspresse. Kein Wunder einerseits, bekam er doch als Amtsneuling schon den Medienpreis der versammelten Weltpresse – eine Ehre, die Bundeskanzler Schröder erst 2005, also im siebten Amtsjahr, ereilte. Seine Ansprache, die so ernste Themen wie Deutschlands bittere Historie und seine neue Rolle in der Welt streifte, blieb durchweg kurzweilig, garniert von zuweilen selbstironischen Gags. Viel interessanter war, was er alles aussparte: die Bekämpfung des Terrorismus, die transatlantischen Beziehungen, Menschenrechte. Kurzdiagnose seines Auftretens: ein Mann, der mit sich im Reinen ist.

Das gibt Rätsel auf. Denn kein anderes Kabinettsmitglied steht so kurz davor, aufgrund seiner jüngsten Vergangenheit so schwer unter Druck zu geraten wie eben Frank-Walter Steinmeier, der unter Schröder als Kanzleramtschef mit der BND-Aufsicht und Koordination der Ministerien betraut war. In der SPD-Fraktion ist man sich bewusst, dass es mit zunehmender Aufklärungsarbeit gleich zweier Untersuchungsausschüsse eng für ihn werden wird, sich im Fall Kurnaz und anderer aus der Verantwortung zu stehlen. Die Indizien reichen schon jetzt aus, um zu sagen, dass er politisch mitverantwortlich dafür ist.

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Keine Oppositionspolemik, sondern in der SPD-Fraktion angekommen ist die Diagnose, dass es durchaus schwierig wird für seine Position als Minister. Dass er unter seiner Aufsicht begangene Verfehlungen als Außenminister überstehen kann, wird vor allem daran liegen, dass er bisher im neuen Amt nicht angeschlagen ist, sondern sehr anerkannt. Dass bisher auch die Opposition keine Zweifel an seiner persönlichen Integrität hegt. Solange er ein Zugpferd der Koalition ist und beste Umfragwerte weiter vorweisen kann, wird ihn die eigene Fraktion nicht hängen lassen. Anders sähe es aus, wenn er zur Belastung für das Image der Partei würde. Derzeit tritt diese die Flucht nach vorn an und hat nun von sich aus einen zweiten Untersuchungsausschuss angeregt, der deutsches Handeln im Zusammenhang der Terrorismusbekämpfung hinterfragen wird. Der Anfang des Jahres angetretene BND-Untersuchungsausschuss war noch nach erstem Zögern der Grünen und FDP von der Opposition initiiert worden. Nun werden die Vorwürfe von Murat Kurnaz gegen die KSK-Einheit der Bundeswehr, im Dezember 2001 in Afghanistan misshandelt worden zu sein, dort gesondert untersucht werden.

„Dieses Mal wollten wir nicht den üblichen Mechanismus des Ausschusses als Kampfinstrument der Opposition haben“, erklärt Rainer Arnold, der verteidigungspolitische Sprecher der SPD. Und legt Wert darauf, dass man den ohnehin geschlossen tagenden Verteidigungsausschuss nun mit den Rechten eines Untersuchungsausschusses versehen habe, um besser Zeugen laden zu können. Arnold wehrt sich gegen den Vorwurf, auf diese Weise alles geheim abhandeln zu können. „Ich sehe keinen Grund, die Untersuchungen geheim zu halten, bei denen es um politische Bewertungen geht, ob Informationen richtig weitergeleitet worden sind.“ Geheimhaltungsstatus sei nur dann nötig, wenn es um persönliche Daten der Soldaten geht.

Schon der Fragenkatalog des KSK-Auschusses ist durchaus brisant, jedoch gravierender für Steinmeier werden die Fragen im BND-Untersuchungsausschuss sein, in dem nach Aussage von Grünen-Obmann Christian Ströbele SPD-Vertreter gerade versuchen, den Auftritt des Außenministers so weit wie möglich zu verzögern. Ströbeles Idee, Murat Kurnaz als Zeugen bald zu laden, wird bisher von der Koalition nicht unterstützt, sondern nur von FDP: „Dann könnte man Steinmeier gleich zu Kurnaz mitbefragen“, argumentiert Ströbele, der einräumt, dass er noch Anfang des Jahres den Fall für weitgehend aufgeklärt hielt. Erwähnt ist er im Recherchekatalog von Anfang an. Jetzt will er vor allem wissen, weswegen Kurnaz bis 2006 im Gefangenenlager Guantánamo bleiben musste, „obwohl sich ab 2002 die deutschen Experten einig waren, dass er der falsche Mann am falschen Ort war“.

Es gibt sozusagen zwei Fälle Kurnaz, die nun getrennt behandelt werden. Der zum Untersuchungsausschuss gewandelte Verteidigungsausschuss wird nur das Zusammentreffen des in Pakistan aufgegriffenen und in ein US-Gefangenenlager verschleppten Kurnaz mit KSK-Soldaten untersuchen. Brisant dabei ist, dass man auch erörtern will, ob die Kommunikationsstruktur funktioniert hat und die politische Kontrolle gegeben war. Da man gleichzeitig derzeit von Regierungsseite behauptet, dass die Information über Kurnaz in Afghanistan nicht bis zur Ministerebene (damals verantwortlich: Rudolf Scharping) durchkam, andererseits nach ZEIT online -Informationen das Kanzleramt schon im Januar 2002 von dem Fall Kurnaz erfuhr, also noch vor dessen Verlegung nach Guantánamo, wird sich die damalige Bundesregierung an diesem Punkt nicht ganz herausreden können.

Leser-Kommentare
  1. vielleicht wurde dieses Spektakel genau deshalb inszeniert, um die Empörung über die Regierung auf die gemeinen kleinen Soldaten umzulenken, eine Verschärfung der Situation kann gleichzeitig dazu dienen mehr Soldaten nach Afghanistan schicken zu können, und die Regierung kann bei Verlusten vorbringen die Soldaten hätten die Verschärfung des Krieges in Afghanistan selbst verursacht, um von dem politischen gewissenlosen Abenteurertum abzulenken das diesem Krieg zugrundeliegt.

  2. In welchem Deutschland lebt der (anonyme) Verfasser dieses Artikels? In meinem wohl nicht. In meinem Deutschland bricht sich ein Bundespolitiker nicht einmal an gebeugten oder gebrochenen Gesetzten den politischen Hals. Es sei denn, seine politischen Feinde sind einflussreicher, als seine politischen Freunde. Dass Außenminister Steinmeier eines "zwielichtigen" Türken wegen fallen gelassen wird, ist momentan absolut ausgeschlossen. Schon aus Rücksicht auf die große Koalition. Da kann die Presse schreiben was sie will.

  3. Nachgewiesene Verbindungen?? Quelle? Wollen sie mit der Taqiyya sagen das Kurnaz lügt? Es ist doch ziemlich offensichtlich das die KSK-Soldateska Kontakt zu ihm hatten. Diese verlogene Hinhaltetaktik der Regierung ist einfach nur erbärmlich, man trickst und desinformiert was das Zeug hält, da hat Fritzfernando schon recht das wir Gefahr laufen in den Faschismus abzugleiten.

    Steinmeier ist widerlicher Politiker, jemand der keine deutsche Außenpolitik betreibt sondern amerikanische. Auch wenn er zurücktritt hat es keinen Sinn, jeder Politiker ist und bleibt irgendwo ein Vasall der USA.

  4. Steinmeiers Liste ist lang, und es geht dabei um den Verdacht von Kapitalverbrechen, und zwielichtige Militäreinsätze.

    Wer so nachdrücklich für "Friedensmissionen" die Lizenz zum töten fordert, in Ausseinandersetzungen die nicht zu gewinnen sind, wie die Amis und Briten leidvoll erleben, der wird eines Tages auch vor einem Gericht stehen das Rechenschaft fordert.

    Und auch die Masse wird das wieder auszubaden haben die jetzt schon vorauseilend nichts von dem wissen will, was bereits offensichtlich ist, in der Hoffnung auf einen Endsieg bei den verbrecherischen Konflikten in die wir verwickelt werden.

    Die abendländische Kultur wird immer wieder im Faschismus enden, und es werden immer wieder welche aufstehen die diese Despotie zerschlägt, gestern war es Stalin, heute formieren sich schon Kräfte die dem Unrecht entgegentreten werden.

  5. Fritzfernando, Sie erzählen aber einen Unsinn. Natürlich ist Kurnaz eine zwielichtige Person. Er hat nachgewiesene Verbindungen zu radikal-islamischen Organisationen und das wissen Sie auch. Kriegen Sie eigentlich Fleißkärtchen mit denen Sie irgendwann ins Paradies eingehen. Sagt Ihnen der Begriff "Taqiyya" etwas. Sicher. Ich danke Gott auf Knien, dass er mich nicht zum "Rechtgeleiteten" gemacht hat. Den kulturelle Mief und die seit jahrhunderten andauernde Selbstverzagtheit des orien... "Kulturraumes" wollte ich mir nicht antun.

    Grämen Sie sich, Fritzfernando, Sie haben allen Grund dazu

  6. nun Kurnaz mag eine eigene Meinung haben die auch jedem zusteht, auch wenn sie vom Mainstream abweicht, oder wo leben sie denn, aber ich denke er sieht sich lieber als Familienvater und Schiffsbauer, wie einer der von verbrecherischer Politik konfrontiert ist. Vor ihm müssen wir uns nicht fürchten, sondern davor eventuell von Leuten regiert zu werden die bei Verbrechen Schmiere stehen und darin immer weiter verwickelt werden, sich über Stimulierung von Feindsseligkeit gegenüber unserer islamischen Bevölkerung im inneren, und Gewalt in den islamisch geprägten Regionen an der Macht zu halten versucht , bevorzugt in Rohstoffregionen.

    Die Europäer und ihre Kolonien haben eine Neigung die schlimmsten Verbrechen an der Menscheit und der Schöpfung zu verüben, und das kann nicht nochmal 2000 Jahre lang so bleiben.

    Dass die Abendländisch christliche Kultur sich ihrer Bestialität selbst entledigt ist unwarscheinlich, deshalb wird das wohl von aussen gewaltsam geschehen. So sehen das Russen, Chinesen und auch die islamische Welt, fragen sie die Menschen dort doch einfach mal.

  7. 7. Kurnaz

    ...Kurnaz ist ein sehr zwielichtiger Mensch und man muss sich fragen ob die tuerkische Regierung nicht genau wusste und sie deshalb keinen Finger geruehrt hat ihren Staatsbuerger auszulosen und ich denke Steinmeier weiss auch warum die Schroeder Regierung sich nicht drum riss den Mann wieder in der BDR zu haben.Ich bin auch ueberzeugt dass das Kapitel Kurnaz noch lange nicht abgeschlossen ist sondern dass seine Entlassung nach Deutschland der Anfang von einer neuen Story sein wird.

  8. Die neueste Entwicklung zeigt den Trend noch deutlicher, Eine Führung und Medien die bei Entführung, Folter staatlichem Mord, Angriffskriegen, Grausame Entvölkerung von Regionen mittels Millionen verstreuter tückischen Streubombenfallen Schmiere steht und sich zunehmend an unterdrückerischer militärischen Gewalt beteiligt, und eine Truppe über die trotz verordnetem Stillschweigen immer wieder Gräuel bekannt werden, die man unter diesen Umständen nur als Spitze eines Eisbergs bezeichnen kann.

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