Theater

Elfriede Jelinek ist 60

© Roland Schlager/ dpa

Ein Blick auf Inszenierungen und Texte Sie hat nicht teilgenommen an den Feierlichkeiten, die man zu ihrem Geburtstag am 20. Oktober veranstaltet hat. Im Jahr 2004 nahm sie auch den Literatur-Nobelpreis nicht selbst entgegen. Sie sagt über sich: „Ich halte es nicht aus, angesehen zu werden“. Dabei inszeniert sie sich gern: mit roten Lippen, aufgeplustertem Haar und Designerkleidern. Mal ist sie eine witzige Gesprächspartnerin, mal zieht sie sich für lange Zeit ganz zurück. Ihre Heimat Österreich reagierte auf die Nobelpreisverleihung wie immer, wenn es um die Jelinek geht: gespalten. Die einen feierten die Sprachkünstlerin, ihre erbarmungslosen Angriffe gegen die österreichische Politik oder die "allgegenwärtigen männlichen Herrschafts- und Gewaltverhältnisse". Die anderen waren empört über die Entscheidung und sehen in der Autorin weiterhin nur die Nestbeschmutzerin. Die Texte der Jelinek transportieren vor allem eines: Wut. Und das in einem oft obszönen, blasphemischen oder höhnischen Ton. Viele Interpreten machen es sich leicht und lesen ihre Werke als Kunst-Porno ( ) oder lediglich als Ausdruck ihrer Biografie ( ).
Leser-Kommentare
  1. und beglückwünscht zum Geburtstag. Kaum so erfrischend, herzhaft realistische Texte, die ich las über das JETZT,
    für mich spiegelt sich darin keine Wut wieder, sondern eine sehr humorvoll akribische Zusammenfassung von Alltagsbeobachtungen. Sie sind in Text und Bild eine Zusammenfassung des Ist. Gut beobachtet, präzise zugehört und verdichtet wieder gegeben, wie es selbst Brecht nicht schaffte!!! Wunderbar!!!!

  2. Sehr geehrte Frau Jelinek,
    auch, wenn es Sie nicht sonderlich anficht, aber für mich sind Sie neben Wolfram von Eschenbach, Andreas Gryphius, E.T.A. Hoffmann, Gottfried Benn und Arno Schmidt eine der größten Autoren der deutschsprachigen Literatur, Verzeihung: heute sagt man ja korrekt Autoren/innen oder AutorInEn oder Autoren und Autorinnen oder einfach nur Autorin(?: Ich weiß es nicht. Das einzige was ich weiß ist: Sie sind gut.
    Herzlichen Glückwunsch!
    Und, daß Öffentlichkeit Unwohlsein verursacht, finde ich auch sehr sympathisch.
    Walter Brühn

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