Datenklau Ausgezeichnete Diebe
Der BigBrother-Award kürt jedes Jahr Firmen, die ihre Kunden besonders schamlos digital ausspionieren. Ein Buch zum Preis erklärt, was hinter dem Preis steckt.
So hässlich wie das, wofür er verliehen wird: der BigBrother-Award.
Es sind die ganz banalen Dinge: Das Handy, mit dem wir telefonieren, ist leicht zu orten. Die E-Mails, die wir verschicken, sind so offen lesbar wie eine Postkarte. Und an der Supermarktkasse wird unser Einkauf von der Milch bis zum Wattestäbchen in einem stetig wachsenden, persönlichen Einkaufsprofil gespeichert. Der Mensch von heute hinterlässt überall und unentwegt Datenspuren. Unternehmen sammeln diese Spuren auf, verwerten sie, vernetzen die Informationen - und nutzen sie für ihre Zwecke. Das mag für viele nach düsterer Utopie klingen, ist aber leider längst Realität. Denn Daten bedeuten heutzutage: Macht.
Doch es gibt Menschen, die die Gefahr längst im Auge haben: Rena Tangens und padeluun, Künstler und Netzpioniere der ersten Stunde, beschäftigen sich seit den frühen Mailboxtagen mit dem Fluss und dem Schutz von Daten. Die beiden Bielefelder betrieben in den Achtzigern die so genannte BIONIC-Mailbox, ein bekanntes Bürgernetzwerk. 1989 bauten sie das überregionale Zerberus-Netz mit auf und gründeten FoeBud e.V. (»Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs«). Zusammen mit der Deutschen Vereinigung für Datenschutz, dem Chaos Computer Club, der Internationalen Liga für Menschenrechte und einigen anderen Netz- und Menschenrechtsorganisationen verleiht der Verein seit 2000 die »BigBrotherAwards«.
Diese "Oscars für Datenkraken" ehren jährlich Konzerne, Behörden und andere Datensammler, die auf besonders dreiste Weise in die Privatsphäre von Verbrauchern und Bürgern eindringen, um an empfindliche Informationen heranzukommen. In einschlägigen Kreisen ist der Award verständlicherweise keine beliebte Auszeichnung. Damit die Preisträger nicht in Vergessenheit geraten, haben Rena Tangens und padeluun nun, kurz vor der diesjährigen Verleihung des Awards am 20. Oktober, ein Buch herausgegeben. Das Schwarzbuch Datenschutz versammelt die größten und übelsten Datenkraken der letzten fünf Jahre. Eine Übersicht, die dem Leser eine Gänsehaut verursacht und Zeugnis darüber ablegt, welch schützenswertes Gut unsere privaten Daten eigentlich sind.
Die Preisträger kommen aus allen Bereichen der Wirtschaft, der Regierung und nachgeordneten Behörden. Der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily wurde während seiner Amtszeit sogar gleich zweimal geehrt: 2001 für das Anti-Terror-Gesetz und 2005 für sein Lebenswerk - weil er mit seinen Gesetzesinitiativen viele Errungenschaften des Datenschutzes außer Kraft gesetzt hatte. Heute führen andere seine Arbeit fort. Die Firma »Toll Collect« hatte schon 2002 für das Sammeln von KFZ-Bewegungsdaten einen Award bekommen, heute wird ernsthaft diskutiert, ihre Daten zur Kriminalverfolgung auszuwerten. Oder die Bundesagentur für Arbeit, die für das Arbeitslosengeld II akribisch die Daten ihrer Kunden, aber auch deren Familienangehörigen, Freunde und sogar Mitbewohner aufzeichnet, teilweise jenseits der gesetzlichen Zulässigkeit.
Das Buch schildert eindrücklich, wie dreist sich Behörden und Konzerne unsere Adressen, Geburtsdaten und persönliche Informationen erschleichen, sie zu Profilen zusammensetzen und untereinander damit Handel treiben. Die meisten Daten werden laut Schwarzbuch heimlich und vor allem selten zweckgebunden gesammelt. Und über Daten, von denen niemand weiß, kann auch niemand Auskunft verlangen.
- Datum 20.10.2006 - 07:48 Uhr
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Die Zahl der Schäden durch Computerausspähungen und Manipulattionen gehen fast unbemerkt an der Führungsebene vorbei. Kaum eine Unternehmensführung ist ausreichend auf dieses Thema sesibilisiert. Aus unserer Täglichen Beschäftigung können wir zum Thema Datenklau+Datendiebstahl nur anmerken das wir auf diesem Gebiet ein Entwicklungsland sind. Die Schäden auf diesem Gebiet sind kaum absehbar und eine Grundsätzliche Änderung ist auch in der nächsten Zeit nicht in Sicht.(entfernt. Bitte verzichten Sie auf Schleichwerbung dieser Art. Die Redaktion/jk)Marco Pandera
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