Afghanistan "Schnelle Aufklärung"

Das Verteidigungsministerium untersucht, ob Offiziere der Bundeswehr vom makabren Treiben ihrer Untergebenen wussten

Immer neue Bilder von deutschen Bundeswehrsoldaten, die makabre Späße mit Totenschädeln und anderen Menschenknochen treiben, belasten zunehmend das Ansehen der Bundeswehr. Bild veröffentlichte am Samstag eine dritte Fotoserie aus Afghanistan, angeblich aus den Jahren 2003 oder 2004, auf der auch Fallschirmjäger zu sehen sein sollen. Unterdessen berichtete der Truppenpsychologe Horst Schuh, deutsche Soldaten hätten bei Exhumierungen im Kosovo ähnliche Fotos gemacht.

Ob Bundeswehr-Offiziere vom Treiben ihrer Untergebenen wussten, wird derzeit im Verteidigungsministerium untersucht. Ein früherer Entwicklungshelfer der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit hatte berichtet, in der nordafghanischen Region Kundus, wo die deutschen Truppen vor allem stationiert sind, gebe es schon länger Gerüchte über "Exzesse in einem Knochenfeld" unter Beteiligung "deutscher und anderer Friedenssoldaten".

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Der frühere Verteidigungsminister Peter Struck wies jede Verantwortung für die Vorfälle von sich. "Hätte der Führungsstab oder gar ich davon erfahren, wäre das natürlich sofort bestraft worden. Aber es gab zu keiner Zeit Hinweise auf solche Vorgänge", sagte er der Bild am Sonntag .

Andere Politiker warnten davor, von den schockierenden Fotos auf den Gesamtzustand der Truppe zu schließen. "99,9 Prozent der Soldaten benehmen sich ordentlich", sagte der SPD-Verteidigungsexperte Jörn Thiessen, und der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, nahm die Armeeführung in Schutz: Es gebe keine Truppe, die ihre Einsätze "so sorgfältig, so umfassend und so wohlüberlegt" vorbereite wie die Bundeswehr, sagte der Ex-General. Die Vorfälle in Afghanistan offenbarten vielmehr ein Problem der Gesellschaft. "Wie soll die Bundeswehr in wenigen Wochen oder Monaten das, was an Fehlentwicklungen in 18 Jahren entstanden ist, ändern?", fragte Kujat.

Bundeskanzlerin Merkel lobte die "schnelle Aufklärung" der "abscheulichen und schockierenden Vorfälle". Nun komme es darauf an, "dass Afghanistan sieht: Solche Vergehen werden nicht geduldet, sondern schonungslos verfolgt und bestraft". In Afghanistan gab es in den Medien bisher zwar Berichte über die Vorfälle, aber keine größeren Reaktionen in der Bevölkerung oder bei den Freitagsgebeten.

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Leser-Kommentare
  1. 1. \N

    @medardus: die Soldaten verstehen sich aber nicht als Soldaten. Dazu kommt auch noch, dass sie sich in diesem Land hüten müssten einen auf dicke Hose zu machen bzw. die Hosen runter zu lassen.

  2. Bei aller Liebe, entweder ich ticke nicht richtig oder große Teile der Medien und Politiker. Ich muss gestehen: Hätte ich die Bilder gesehen ohne die "Schock"-Etikettierung, ich fürchte, ich hätte sie nur als völlig daneben empfunden, weil man mit Menschenknochen nicht rumspielt, schon gar nicht, wenn sie noch relativ jung sind und man den gewaltsamen Tod dieser armen Menschen vor Augen hat. Einen Menschenschädel in der Hand zu halten, hat schon viele fasziniert, man blicke nur in die Welt der Kunst. Unter "Leichen-" oder "Totenschändung", wie vielfach zu hören, stelle ich mir etwas anderes vor. Außerdem: Diese Fotos für's Privatvergnügen zu machen, ist schlimm genug, diese aber weltweit zu verbreiten, das ist der Gipfel und wohl der eigentliche Skandal.

  3. Die gleichen Leute, die heute Gewissen und Moral entdecken, werden übermorgen mit ihren Kindern das obszöne Halloween-Spektakel veranstalten.

    Die Fachgeschäfte für Kinderspielzeug erfreuen sich schon seit Wochen des Umsatzes mit Skeletten, Totenschädeln und Geisterkostümen.

    Die gleichen Leute, die heute Gewissen und Moral entdecken, haben keine Skrupel ihre Mitbürger mit unzureichendem Material in Afghanistan täglicher Lebensgefahr auszusetzen.

    Die Soldaten haben den Menschen in Deutschland nur ihr Spiegelbild gezeigt.

    korfstroem

  4. will unsere Junx schwer bestrafen", die sich in ihrer schrecklichen Situation ein allzu menschliches Notventil gesucht haben.

    Und diese Frau Bundeskanzlerin machte vor dem großen Kriegsverbrecher Bush einen Hofknicks und bedauerte, dass wir nicht am Irak-Krieg teilnahmen. Da wären unsere Junx tiefer in der Scheiße als in Afghanistan. Und von diesem Typen Bush wurde sie dann auch noch vor laufender Kamera begrapscht.

    Nee Frua Bundeskanzlerin Merkel, ich hoffe, dass unsere Richter und Staatsanwälte besser drauf sind und sich ein paar vernünftige Psychologen zu Rate ziehen, wenn die Junx zurück sind.

    By the way, stehe nicht auf Bw, aber verstehen kann ich das Verhalten dieser Soldaten sehr gut, auch wenn ich es nicht gut heiße. Aber es ist die logische und natürliche Konsequenz aus dem Vorgang, Krieg zu führen.

    Oder geht es wieder nur um ducken vor Muslimen? Auch nicht beeindruckend.

  5. Nicht das Material des Spielzeugs, die Geisteshaltung zeigt das Wesen der Spieler. Oder - Wer mit Plastik übt ...

    korfstroem

  6. Hallo Herr Walther,

    ich glaube, Frau Merkel ist das auch ziemlich egal. Die hat nur Angst vor geifernden Muslimen, genannte Islamisten. Die Sache mit den "Monstern" finde ich peinlich. Und ich weiß auch nicht, wie sie sich dazu verrennen kann, höchste Strafen anzudrohen. Die Gewaltenteilung gilt doch noch, oder sind wir hier auch schon in einem Gottesstaat, pardon Kanzlerinnenstaat, was iach angesichts der kommenden Un-Gesundheitsreform allemal schon denke.

    MfG
    Dborrmann

  7. Skandal? Das war doch abzusehen. Machen wir uns doch nichts vor. Es war nur eine Frage der Zeit, bis wir mit der Realität deutscher Soldaten in Kriegsgebieten konfontiert werden. Solche Bilder enstehen sicherlich in den meisten Kriegsgegenden (bzw. dort wo negativeer Frieden herrscht)Warum sollte die BWS Soldaten dort eine Ausnahme darstellen?

  8. Wir leben im Informationszeitalter und Bilder sind billig. Ein Kriegsberichterstatter zu Zeiten des zweiten Weltkrieges musste wahrscheinlich mit seinen Filmrollen sparsam umgehen und fuer Nebensaechlichkeiten wie diese waere wenig Aufmerksamkeit uebriggewesen. Schenken die Medien dem Alltag deutscher Soldaten in Afganistan ebensoviel Beachtung?

    Die Aeusserung der Kanzlerin kostet erstmal nichts und ist diplomatisch richtig. Man denke nur daran, die juengsten Ueberlaeufer zum Terrorismus mit islamischen Hintergrund sind idealistische Heissporne aus dem Studentenmilieu, in England aufgewachsen. Nichts falsch daran Symbole zu entschaerfen.

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