Theater "Ich bin absolut pessimistisch"Seite 2/2
Dabei bedient sich die Autorin ihrer alten Methode der theatralischen Geisterbeschwörung. Die Lebenden streiten mit den Toten, wie man am besten kaputtmacht, was kaputtmacht, und können naturgemäß zu keiner Einigung kommen. In einem heillosen Wirrwarr aus Anspielungen, Zitaten, Verballhornungen, aus ernst gemeinten, ironisch gemeinten und absichtlich missverständlichen Ansprachen an das Publikum stolpern die Figuren durch die Zeiten. Die junge Ensslin mit Lederjacke, die alte Meinhof am Krückstock, die greise Stuart mit Krinoline, der tote Baader als satanischer Engel und schließlich die RAF als Rockband. Für die Inszenierung am Hamburger Thalia Theater hat der Regisseur Nicolas Stemann die praktische Form des Multimedia-Bühnenzirkus gewählt. Es ist die Form, die sich stets anbietet, wenn der Autorenstandpunkt des zugrundeliegenden Stückes nicht ganz klar ist und die Handlung irgendwie opak.
Leider wirkt pseudosentimentales Singen mittlerweile ein bisschen abgedroschen. Die Slapstickeinlagen und das obligatorische Nacktcatchen lässt man halt über sich ergehen. Vor Wasserpistolen-Schießereien fürchtet sich schon lange niemand mehr. Und wie die Kulissen von hinten aussehen, weiß nun auch der letzte Premierenabonnent.
Immerhin gibt es ein paar schöne, geisterhafte Videoüberblendungen, dazu schräge Robbie-Williams-Interpretationen. Außerdem wechselt Zirkusdirektor Stemann die Szenen je nach Stimmungslage. Hohn schlägt plötzlich um in Klage, Klage in Hass, Hass in Verzweiflung. Die aber bleibt das Leitmotiv des anscheinend so trashigen Stücks. In einer der besten Szenen erlebt man Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin, verkleidet als gigantische, pelzverbrämte Vaginas im Otto-Dix-Stil, wie sie sich mit den Stimmen von Marlene Streeruwitz und Elfriede Jelinek über Feminismus unterhalten. Vagina 1: »Ich bin absolut pessimistisch.« Vagina 2: »Ich auch.« Es ist nämlich der konsequent unpathetische Ton, in dem Elfriede Jelinek das Pathetischste (sogar das Missglücken der Emanzipation) verkündet, der ihre Texte auszeichnet.
Merkwürdig ist, dass
Ulrike Maria Stuart
alle Bezüge zum aktuellen
Terrorismus konsequent vermeidet. Dadurch wirkt das Stück am Ende ein
bisschen feige und vorgestrig. Trotzdem bleibt die Verfasserin – in
ihrer Wut auf die Verhältnisse, ihrer Unversöhntheit, ihrer
Verletzbarkeit – eine verlässliche Gegnerin solcher Maximalzyniker wie
Kurt Beck, die von den Systemverlierern noch die fröhliche Affirmation
des Systems fordern und dank ihrer Unbarmherzigkeit gegen das
Jelinek-Syndrom gefeiht sind. Es bezeichnet ja letztlich die Weigerung,
herrschendes Unrecht zu ignorieren. Es bezeichnet die Unfähigkeit, sich
über den Zustand der Welt mit zweckoptimistischen Floskeln zu täuschen.
Man könnte auch von einem Meinhof-, Tucholsky-, Heine-, Schiller- oder
Müller-Syndrom sprechen. Müller nach dem Dramatiker Heiner Müller, der
einmal sagte, Hoffnung sei etwas für Leute, die unzureichend informiert
sind.
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- Datum 05.12.2008 - 11:02 Uhr
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Wenn einer sonst nichts mehr einfällt, könnte man ja mal Ulrike Meinhoff mit Maria Stuart vergleichen.
was heisst da "ulrike maria stuart" - klingt doch die maria mitten drin viel autonomer also insgesamt nach triumvirat ... durch dessen schleier die elizabeth I durchschimmert ... schimmert sie durch alle drei durch ? ... oder schlimmert sie duch durch die drei und dabei refelktiv auf sich selbst und durch den spiegel/reflektor mit durch sich durch und alle durcheinander durch ... s ist doch wohl so ... und die vier sind also durch hamburg gezogen - was ja eben nicht die "hauptstadt der unterschicht" (DIE ZEIT) ist ... denn es schimmert was ganz anderes ... die ulrike wird auf eine gleiche augenhöhe gehoben ... ein königinnendrama (wieso wird nicht auf die theaterarbeit von elfriede jelinek verwiesen aber statt dem auf prosafrühwerke - weil man damit den beck in den ... beissen will? - also freie inszenierung) ... man könnte ebsno an die königinnendramen von dario fo denken (bei dem die sog unterschicht vermutlich mentalerweise ungleich aktiver ist und dabei klug, was bei jelinek s diagnose der unterschicht im opposit diagnostiziert wird - eben andere mentalitäten) ...
.. königin ulrike ergo also sum ... es fällt leicht, wenn man es nicht gesehen hat ... und elizabeth I schimmert durch alles durcheinander ... auch durch die ulrike ... wer richtet wen und lässt hinrichten ... aber die ulrike ist die verbindung zur debatte, wenn man schon will ... wo das heim nicht heim sondern ein anderes heim es so will ... man traf sich da regelwidrig zum boule-spielen ... königin ulrike nun wollte das ganz anders lösen als elfriede ... das mit der unterschicht ... das mit dem klassenkampf ... königin ulrike glaubte dran um dann dran zu glauben ... elizabeth I - nicht das wachpersonal schimmerte durch die fenster, vergittert, gell - durcheinander ...
... und hier kommt maria ... zu spät ... königin ulrike am kreuze schon ... was die unterschicht ganz anders in der bild-zeitung nachlesend (also doch keine analphabeten, sondern beten können die schon) zufällig auf seite 1 findet ... königin ulrike hat die nicht erreicht, die popmusik dafür schon ... wir erinnern an "dieses ehrenwerte haus" das udo jürgens heute aka robbie williams damals intonierte ... udo jürgens hatte die unterschicht erkannt, unisono mit kaiserin elfriede ... mit tucholsky also eine oberlöwin ... elfriede jelinek hat das stück geschrieben - und steht doch über allem drüber - dagegen sind alle königinnen klein und keinerlei elizabeth I schimmert durch frau jelinek durcheinander, es bleibt nur die I, die durch kommt ... elfriede, prosit
Zu dem Zitat " Man könnte auch von einem Meinhof-, Tucholsky-, Heine-, Schiller- oder Müller-Syndrom sprechen." hätte Tucholsky gesagt: "Da werden Eintagsfliegen in einem Atemzug mit Löwen genannt." Das macht aus der Eintagsfliege aber noch keinen Löwen...
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