Onkologie "Auch Jungs impfen!"Seite 4/4
zur Hausen: Das lag zum Teil an Personen und an unserer Kultur, in den USA hat sich die Erkenntnis wesentlich rascher ausgebreitet als bei uns. Die Papillomviren passten nicht in das Bild konventioneller Erreger, die sich gemäss den Kochschen Postulaten in Reinkultur isolieren lassen und in geeigneten Versuchstieren ein analoges Krankheitsbild auslösen sollten. In den meisten Fällen verläuft die Infektion eben harmlos und führt nicht zu Krebs. Zum Glück, denn die weitaus meisten Menschen infizieren sich im Lauf ihres Lebens mit Papillomviren.
ZEIT: Was muss denn hinzukommen, damit Krebs entsteht?
zur Hausen: Es müssen mehrere Faktoren erfüllt sein, deshalb dauert es meist auch zwei bis drei Jahrzehnte bis zum Einsetzen der bösartigen Wucherungen. So wirkt Rauchen begünstigend, oder das Kauen von Bethel-Nüssen kann Mundhöhlenkrebs begünstigen. In der Zelle müssen bestimmte Gene an- oder ausgeschaltet werden. Mit der Entdeckung von Genen, die in der Zelle Krebs auslösen oder unterdrücken können oder sie in die Selbstzerstörung treiben können, glaubte man molekularbiologisch das gesamte Krebsgeschehen erklären zu können. Da störte die Idee nur, dass auch noch Viren daran beteiligt sein könnten. Bis heute sind die Prozesse noch nicht in allen Details verstanden. Deshalb war es auch ein hartes Stück Überzeugungsarbeit, bis Firmen bereit waren, einen Impfstoff zu entwickeln.
ZEIT: Gab es auch da Widerstände?
zur Hausen: Oh ja. Ich habe damals beispielsweise versucht, die traditionsreichen Marburger Behringwerke davon zu überzeugen. Sie haben auch zeitweise unsere Forschung unterstützt, mir dann aber mitgeteilt, dass sie Wichtigeres zu tun hätten als einen HPV-Impfstoff zu entwickeln.
ZEIT: Haben dann die Amerikaner die Idee aufgegriffen?
zur Hausen: Ja, Merck und MedImmun, letztere verkaufte die Papillomvirus-Vakzine an Glaxo-Smith-Kline, die bald einen zweiten Impfstoff namens Cervarix auf den Markt bringen wollen.
ZEIT: Inzwischen wurden Sie mehrfach für den Nobelpreis nominiert. Was würden Sie tun, falls er Ihnen zugesprochen wird?
zur Hausen: Darüber will ich nicht spekulieren.
ZEIT: Aber Sie haben doch gewiss Zukunftspläne?
zur Hausen: Klar. Ich habe zu viele Festvorträge über Papillomviren gehalten und freue mich darauf, wieder mehr forschen zu können.
ZEIT: Was treibt Sie diesmal um?
zur Hausen: Wir arbeiten hier an einer Hypothese, dass bestimmte Viren wie die TT-Viren, die nach den Initialen eines japanischen Patienten benannt wurden, in der Zelle Umlagerungen von Erbgut, den Chromosomen verursachen können und dadurch möglicherweise Krebs auslösen. Wenn solche Chromosomenumlagerungen stattfinden, dann wäre die Rate der infektionsbedingten Krebserkrankungen noch wesentlich höher als bisher angenommen. Auf dieser Basis könnten zum Beispiel kindliche Leukämien ausgelöst werden. Beispielsweise die rätselhaften Häufungen von Blutkrebs um das Kernkraftwerk Krümmel, die manche Kernkraftgegner erhöhter Strahlung zuordnen, wofür es aber trotz aufwändiger Suche keine Hinweise gibt.
ZEIT: Sie schreiben in Ihrem Buch, Sie hätten Ihre Familie deswegen vernachlässigt. Wird ein solches Riesenforschungsprojekt das Problem nicht verschärfen?
zur Hausen:
Nein, meine Frau Ethel-Michele de Villiers leitet eine
Forschungsabteilung hier am DKFZ und arbeitet intensiv an Projekten der
Virus-bedingten Krebsforschung. Und meine mittlerweile 13jährige Enkelin
scheint sich bereits für das Labor zu begeistern. Die Vernachlässigung war
im Wesentlichen eine Folge des Buchschreibens.
Das Gespräch führte
Hans Schuh
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- Datum 26.10.2006 - 11:42 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 26.10.2006
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"Mit der Entdeckung von Genen, die in der Zelle Krebs auslösen oder unterdrücken können oder sie in die Selbstzerstörung treiben können, glaubte man molekularbiologisch das gesamte Krebsgeschehen erklären zu können. Da störte die Idee nur, dass auch noch Viren daran beteiligt sein könnten."
merkwürdig. viren tun doch auch nix anderes.
Im Artikel wird immer nur von der Impfung von Mädchen gesprochen. Wie sieht es bei Frauen über 26 Jahren aus? Empfiehlt sich da eine Impfung? Vielleicht kann jemand weiterhelfen.
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