Mein Leben mit Musik (42) Ich entziffre KomponistenSeite 2/2
Das alles war Balsam gegen Adama jetzt. Mit Stift auf Papier sind Wellenlinien oder Punktwolken schnell gezeichnet, sie in den Computer zu übertragen, ist ein mühsames Geschäft. Wieso hier noch eine Klammer um ein ohnehin schon eingeklammertes Vorzeichen? Wohin mit dieser Pause? Ist die Krümmung der Glissando-Linie beabsichtigt? Und wer um alles in der Welt soll diese rhythmische Konstruktion auch nur annähernd präzise spielen können? Begreifen werde ich dieses Stück nie. Für mich ist es eine technische Herausforderung, sonst nichts, ein Problem, für das ich an einer Lösung bastle. Die Grenzen sind hier nun unbedingt erreicht: die des Programms, die der Augen, die der Geduld.
Dabei könnte Notensatz so schön sein. Es ist ein Genuss, ein klares, ausgewogenes Notenbild zu schaffen, hier noch eine Bogenspitze leicht anzuheben, dort noch eine Textsilbe stimmiger auszurichten. Man muss ein Pedant sein als Notensetzer, Kollisionen zwischen Bindebögen und Notenlinien müssen einem wehtun. In ruhigen Minuten überarbeite ich daher auch immer mal wieder unseren Notenzeichensatz, versuche, ihn weniger nüchtern aussehen zu lassen, indem ich zusätzlich kleine Unregelmäßigkeiten einbaue. Der gute alte Stich von Hand mit seinen ganz feinen Ausfransungen gilt eben nach wie vor als ästhetischer Maßstab.
Die Augen brennen, die Bleistifttakte unter der Schreibtischlampe bleiben verquast, enthüllen sich nicht. Für heute höre ich auf. Oder mache noch etwas Salieri. Ah, wie angenehm, Salieri
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- Datum 05.01.2007 - 05:17 Uhr
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