Medien Schon dein „Zine“ gemacht?Seite 2/2

Der ungewöhnliche Boom erklärt sich vor allem daraus, dass die krisengeschüttelten und von Zukunftsangst befallenen, dazu von Sparzwängen personell ausgedünnten „alten Medien“ in ihren Themenangeboten immer konformer werden. Die neuen Zines schaffen aus dem Alltäglichen und Unbekannten ein Gegengewicht.

Am extremsten und beeindruckendsten macht das Karen vor. Von emap 2005 bizarrerweise als bestes Lifestyle-Magazin gekürt und von der Sonntagszeitung The Observer kürzlich als eines der „bestgehüteten Kunstgeheimnisse“ gelobt, dokumentiert Karen Lubbock mit gradliniger Fotografie das Gewöhnliche („made out of the ordinary“): Weisheiten ihrer Nachbarn im kleinen Dorf in der Grafschaft Wiltshire, wo sie heute wohnt (bevor sie ihre zweite Karriere als Grafikerin begann, arbeitete sie zehn Jahre lang als Sozialarbeiterin in London), Imbissverpackungen, Obstsalat aus der Dose.

„Meine Inspiration kommt von den Leuten, die ich treffe“, sagt Lubbock, „mich interessieren die kleinen Dinge, die Details des Lebens – leise Stimmen, die etwas Treffendes oder Lustiges sagen.“ Die Faszination von Zines liege darin, „dass DU es machen kannst, auf eigene Faust“. Gleichzeitig habe das Internet diese Art von Publikationen bekannter gemacht, aber das erkläre den Boom nur teilweise: „Am Ende kommt es auf den Inhalt an, und Zeitungen, gerade in England, verlieren immer mehr an Qualität. Die Presse versucht, dieses ‚counterculture‘-Ding einzufangen, aber am Ende geht es nicht zusammen.“

Auch das Internet ist für die neue kleine gedruckte Presse-Welt nicht nutzlos: Es vereinfacht den Vertrieb. Außerdem spült das Web neue Leser und mögliche Autoren an. Es gibt allerdings auch einige wenige reine Online-Magazine, so genannte E-Zines wie Nth Position oder Twohundredby200 aus dem schottischen Rosyth. Die Gründe: Druckkosten und Umweltschutz.

Weitere Infos:

Zum Zine-Festival in Manchester »
und zum Zine-Symposium in London »

Kunst, Künstler, Kultur - Feuilleton auf ZEIT online »

 
Leser-Kommentare
  1. hallo herr hoff,

    danke für den text. die ziemlich umfangreiche zine-szene sprang mir in london auch ins auge. mindestens 30 publikationen gibt`s da im gut sortierten magazinladen. und wenn mich nicht alles täuscht schwappt die freude am heftchenmachen langsam auch nach deutschland. denn bei tausenden von blogs möchte man am ende des tages dann doch vielleicht lieber ein echtes heft auf der kommode liegen sehen - zum mit in die badewanne nehmen. nach dem schönen fanzine no.1 gibt es jetzt auch NEUE PROBLEME - das magazin mit heissen geschichten. 80 seiten, 22 abbildungen, 5 euro.

    [ Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion ]

    best regards,

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