Schien uns die demografische Zukunft bisher nur düster, so müssen wir sie jetzt wohl gänzlich schwarz sehen. Das ist zumindest der Eindruck, den die neuesten Bevölkerungsvorausberechnungen hinterlassen, die das Statistische Bundesamt heute in Berlin für die Jahre 2006 bis 2050 vorgelegt hat. Worum es geht, machte Vizepräsident Peter Radermacher unmissverständlich klar: Um den demografischen Wandel als "Problem".

Zwar sei ihm wichtig, "keine Panik zu verbreiten", aber die Zahlen seien schon "dramatisch". Vielleicht ist es diese Sichtweise, die dafür sorgte, dass das Bundesamt seine große Chance verpasste: Die demografischen Daten tatsächlich frei von jeder Panikmache endlich einmal neutral darzustellen. Was die Statistiker für die Öffentlichkeit aufbereitet haben, liest sich hingegen so gar nicht wertfrei. War etwa in der letzten Vorausberechnung noch die Rede von der "Differenz zwischen Lebendgeborenen und Gestorbenen", hat man den technischen Terminus jetzt durch einen griffigeren Begriff ersetzt: "Geburtendefizit".

Die Botschaft zwischen den Zeilen ist klar: Momentan erfüllen die deutschen Frauen den Sollwert an Geburten nicht. Die Bevölkerung schrumpft, und das darf wohl nicht sein.

Dabei verkennt das Statistischen Bundesamt allerdings seinen eigentlichen Auftrag. Und der lautet, für die öffentliche Diskussion die Fakten zu liefern, und zwar in neutraler Form. Ob die Tatsache, dass es einen demografischen Wandel gibt, nur negativ zu sehen ist oder auch große Chancen für Wirtschaft, Staat und Gesellschaft bietet, soll und kann das Bundesamt nicht beurteilen.