Geldanlage Marktlücke Frau

Frauen haben Geld und möchten es profitabel anlegen. Doch die deutschen Banken gehen auf die Bedürfnisse ihrer weiblichen Kundschaft nicht ein - ihnen entgeht ein lukratives Geschäft

Der Finanzbranche galt ihre weibliche Klientel immer noch als Heimchen am Herd, dabei hatte sich die Rolle der Frau in der Gesellschaft schon längst gewandelt: „Frauen wurden immer nur als Hausfrau und Mutter wahrgenommen – als eine vom Mann abgeleitete Person“, ärgerte sich Heide Härtel-Herrmann. Sie selbst wollte es besser machen und machte sich mit dem  „FrauenFinanzDienst“ selbstständig, der Frauen in allen Angelegenheiten rund ums Geld berät.

Das war vor zwanzig Jahren, doch Härtel-Herrmann ist nach wie vor überzeugt: „Frauen brauchen eine spezielle Beratung. Heute erst recht“, denn sie hätten heute mehr Geld als früher, etwa aus zunehmender Berufstätigkeit oder aus Erbschaften. Das müsse auch die Finanzplanung berücksichtigen.

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Auch Renate Schubert von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich sieht, dass Frauen in Finanzfragen anders ticken als Männer. Sehr viel seltener als Männer – so Schubert, die an der Schweizer Hochschule zum geschlechtsspezifischen Risikoverhalten forscht – wagten sich Frauen an risikoreiche Anlagen mit hohen Erträgen heran. Diese Schüchternheit ist jedoch nicht unheilbar. Frauen hätten einfach einen höheren Informationsbedarf, bevor sie eine finanzielle Transaktion unternehmen, hat Schubert herausgefunden. „Je besser die Frauen informiert sind,  umso risikofreudiger werden sie.“ Eine ausführliche Beratung sei deshalb für sie besonders wichtig.

Außerdem empfiehlt Schubert, bei der Beratung einen „ganzheitlichen Ansatz“ zu verfolgen und das Portfolio an die Lebens- und Karriereplanung der Kundin anzupassen. Denn noch immer unterbrechen viel mehr Frauen als Männer ihren Beruf für eine Weile oder arbeiten Teilzeit, um sich ihren Kindern widmen zu können. Sie verdienen mal mehr, mal weniger Geld und benötigen deshalb auch flexiblere Finanzlösungen als Männer, die ihre Karriere eher geradlinig verfolgen können.

Doch die deutschen Banken gehen kaum auf die speziellen Bedürfnisse dieser Frauen ein, Finanzforscherin Schubert jedenfalls stellt ganz eindeutigen Nachholbedarf fest. So bieten zwar Institute wie die Deutsche Bank, die Commerzbank oder auch Volks- und Raiffeisenbanken immer mal wieder spezielle Veranstaltungen für  Frauen an. Häufig mangele es dort jedoch noch an der passgenauen Beratung, sagt Helmut Jungermann.

Jungermann forscht am Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaft der TU Berlin und hat in einer Studie die Beratungspraxis bei Banken und Sparkassen untersucht. Dafür ließen sich Studenten bei den Geldinstituten zur Anlage einer größeren Summe beraten. Das Ergebnis:  „Frauen wurden kürzer und konservativer beraten.“  Häufig hätten die Berater für sie den „einfachsten Weg“ gewählt und zu Bundesschatzbriefen geraten.

Obwohl seitdem zwei Jahre ins Land gegangen sind, kann Jungermann keine Änderung  ausmachen. Und er glaubt den Grund für das Beratungsdefizit zu kennen: „Der Rationalisierungsdruck bei den Banken ist hoch. Da fehlt das Geld, um mehr Berater einzustellen.“

Die Berater müssten außerdem besser geschult werden, die speziellen Probleme des jeweiligen Kunden zu erkennen. „Sie könnten den Frauen dann erklären, welche Chancen sie durch ihre Risikoscheu vergeben.“ Schließlich sei es auch im Interesse der Institute, wenn eine Frau höhere Erträge erwirtschafte. Denn legen die Frauen ihr Geld risikoreicher an, handeln sie auch aktiver und häufiger – und können höhere Beträge neu investieren.

Frauen, die eine spezialisierte Beratung suchen, können sich an den Arbeitskreis der „Finanzfachfrauen“ wenden. Bevor eine selbstständige Beraterin sich diesem Arbeitskreis anschließen kann, muss sie eine gewisse Berufserfahrung nachweisen. Auch die örtlichen Verbraucherzentralen bieten eine unabhängige Beratung. Katharina Lawrence von der Verbraucherzentrale Hessen berät eigentlich zur Riester-Rente, aber auch sie fragen die Frauen nach einer Gesamtperspektive. „Frauen brauchen eine größere Flexibilität, sie haben andere Lebensläufe“, sagt die Verbraucherschützerin. Zu Lawrence kommen 30-Jährige, die ihre Babypause nutzen, um die finanzielle Zukunft zu planen. Aber auch fast 50-Jährige suchen Rat bei der Verbraucherschützerin: „Einige stellen mit Erschrecken fest, dass sie nicht genug vorgesorgt haben.“

Dass ältere Frauen von Banken häufig falsch beraten werden, bestätigt Brigitte Mayer von der hessischen Verbraucherzentrale.  Seit einem halben Jahr häufen sich bei ihr Beschwerden von Seniorinnen. Diese Frauen, meist über 60 Jahre alt, haben oft ihre Männer die Finanzen regeln lassen. „Stirbt der Partner, haben sie Angst, dass ihnen ihre Rente nicht genügt“, sagt Verbraucherschützerin Mayer. Häufig schlössen die Seniorinnen dann Verträge bei Banken oder Versicherungen ab, die völlig an ihrem Bedarf vorbeigingen. Wie etwa Rentenversicherungen mit Einmalzahlungen: „Das Geld fließt dann nur noch häppchenweise, darüber sind viele enttäuscht“, sagt Mayer. Solche Verträge seien zudem schlecht verzinst - und nach der ersten Auszahlung auch nicht mehr kündbar.

Um Finanzfrust zu vermeiden, rät Verbraucherschützerin Mayer,  sich bereits in jungen Jahren mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen. „Im Leben wird man sich immer wieder mit diesem Thema auseinandersetzen müssen, es gibt keinen einfachen Weg.“

Heide Härtel-Herrmann scheint mit ihrer Frauenberatungsfirma jedenfalls den richtigen Weg beschritten zu haben: Im laufenden Jahr würdigt die deutsche Finanzwirtschaft ihre Leistungen mit einem „Innovationspreis“. Und ihre Beratung wird inzwischen längst nicht mehr nur von Frauen geschätzt:  Rund zwanzig Prozent ihrer Kunden sind Männer, Tendenz steigend.  

 
Leser-Kommentare
  1. Warum eigentlich Arbeitskreis der "Finanzfachfrauen"? Muss das politisch korrekt nicht "FinanzfachfrauInnen" heisen?

    Unterschrift
    Arbeitskreis für weibliche Mathematik und Finanzwesen

    • Rellem
    • 07.11.2006 um 9:30 Uhr

    Hi @ll
    Was bitte schön soll ein Einsatz am *Finanzmarkt*(gebührenpflichtiges Pyramidenspiel in meinen Augen)ausser Rendite noch bringen?
    Wenn Frauen die risikoreichen *Anlagen* scheuen dann spricht das für sie.
    Das ist ein deutlicher Beweis dafür das sie in Geldfragen(meistens,nicht immer)einen recht kühlen Kopf bewahren.
    Was bitte ist daran falsch?
    Wenn die *Beratung* dazu dienen soll dieses rationale Verhalten zu kippen,dann frage ich mich für wen die Banken eigentlich da sind....
    Und daraus jetzt wieder mal die *Frauen sind benachteiligt,frauen als Marktlücke* Nummer abzuziehen,anstatt dieses rationale Verhalten zu loben ist schon reichlich fragwürdig.
    Gruss
    Rene

  2. Manche Menschen haben die Welt nicht verstanden, deshalb muss man sie wohl einiges erklären.
    Warum werden Reiche immer reicher?
    Weil Reiche in Anlagen investieren, die im Zeitablauf an Wert zunehmen, wie Aktien oder andere Beteiligungen.

    Gebührenpflichtiges Pyramidensystem? Bei Direktbanken sind die Transaktionskosten gering. Für ein Sparbuch oder Schatzbriefe zahlt man zwar keine Gebühren, aber die entgangenen Wertsteigerungen kosten doch sehr viel. Es ist wohl mit Pyramide ein Schneeballsystem gemeint. Und wenn man sich Google anschaut, könnte man es verstehen. Google hat hohe Wachstumsraten, deshalb steigt der Kurs auch. Sobald der Wachstum sich verlangsamt wird man es auch an der Aktie sehen.

    Die europäische oder eine sonstige Zentralbank, die Geld druckt, ohne das was dahinter steckt. Das ist doch ein Schneeballsystem. Das einzige was dahinter steckt ist das Versprechen, nicht zu viel davon zu drucken. Bei einer Aktie steckt eine Firma dahinter. Eine Firma, die am Markt etabliert ist und deren Produkte gekauft werden. Wenn sie gut organisiert ist, kann sie damit auch viel verdienen. Warum werden da Aktien als riskanter angesehen? Der Wert kann zwar schwanken, weil es Über- und Untertreibungen gibt. Weil es immer wieder neue Einschätzungen und Erwartungen gibt.

    Untersuchungen bei Direktbanken haben gezeigt, dass Frauen besser anlegen, weil sie nicht so wild herumspekulieren wie Männer. Vielleicht machen sie etwas, dass man „Fundamentalanalyse“ nennt.

    Arme werden immer ärmer weil sie sich für Konsum verschulden und somit auch noch Zinsen zahlen müssen. Oder in ein Sparbuch anlegen, das täglich an Wert verliert, da die Zinsen nicht ausreichen, um die Inflation auszugleichen.

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