Stromausfall Wer hat Schuld?

Die Medien diskutieren die Verantwortung für den europaweiten Stromausfall am Sonntag und finden zwei Sündenböcke: E.on und Rot-Grün. Adrian Pohr kommentiert das aktuelle Meinungsbild.

Es geschieht nicht häufig, dass die Berliner Nachbarn Bild -Zeitung und tageszeitung einer Meinung sind. Doch nach dem Zusammenbruch des Stromnetzes in der Nacht zum Sonntag sind sich die beiden Blätter in ihren Kommentaren erstaunlich nah.

Ziel ihrer Attacken sind die Stromkonzerne. Die Bild -Zeitung gibt sich als Anwalt der Bürger und fragt: „Was machen die eigentlich mit den enorm erhöhten Stromgebühren?“ Die Behauptung der Stromunternehmen, das deutsche Netz sei das beste in Europa, wirkt auf den Kommentator „wie Hohn“. Millionen Stromkunden hätten ein Recht darauf, dass die peinliche Panne lückenlos aufgeklärt werde. „Es kann nicht sein, dass wir für Strom immer mehr zahlen - und am Ende wie die Deppen im Dunkeln sitzen!“

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Ähnliches lesen wir auf Seite 1 der taz : „Da ist also etwas faul im Staate E.on: Netze vernachlässigen, Kunden schröpfen, versprochene Sicherheiten nicht einhalten, Klimaschutz verweigern und Dividende erhöhen - wer all das gleichzeitig macht, handelt nicht verantwortlich als Suchender auf einem schmalen Grat.“ Deshalb müsse die Politik E.on dringend an die kurze Leine nehmen. „Oberste Pflicht des Staates ist schließlich, den Absturz zu vermeiden.“

Andere Zeitungen stimmen dem zu, so die Neue Presse Hannover . Auch wenn E.on versuchen werde, die Panne herunterzuspielen: „Es war ein folgenreicher Kurzschluss und kein gezielter Akt zur Belebung des Bevölkerungswachstums.“ Beim jüngsten Energiegipfel im Kanzleramt hätten die Stromriesen noch darauf gedrängt, die Restlaufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke zu verlängern. „Aber angesichts solcher Fehler kann man nur hoffen, dass am Atomausstieg nicht gerüttelt wird“, schreibt das Blatt.

Ganz anders sieht das naturgemäß die konservative Welt . Sie nutzt die Gelegenheit für eine Attacke auf Rot-Grün: Es sei heuchlerisch, „wie eilfertig deutsche Politiker wegen des Stromausfalls vom Sonntag auf die Stromkonzerne einschlagen.“ Schließlich habe die rot-grüne Umweltpolitik dafür gesorgt, dass ein großer Teil der Kraftwerkskapazitäten heute in Form von Windrädern in Norddeutschland stehe - also weit weg von den Städten und industriellen Verbrauchszentren im Süden. Der Schwerpunkt der deutschen Stromerzeugung sei verlagert worden, ohne das Netz ausreichend schnell anzupassen.

Verantwortlich sei mithin die Politik, und dies auch aus einem weiteren Grund: Aus Wettbewerbsgründen habe sie die Unternehmen gedrängt, die grenzüberschreitenden Stromleitungen auszubauen. „Dass es jetzt genau diese Grenzübergänge sind, über die sich ein sonst lokal begrenzbarer Stromausfall europaweit ausbreitet, ist Folge einer politischen Entscheidung, zu der sich leider keiner der herrschenden Populisten bekennen mag“, wettert der Kommentator.

Leser-Kommentare
  1. Den Nagel auf den Kopf trifft die FTD: die Stromkonzerne wollen mit möglichst viel Geld mit ihren Großkraftwerken verdienen - und damit das so bleibt, müssen natürlich regenerative Energien und die damit verbundene dezentrale Stromerzeugung mit allen Mitteln verhindert werden.

    Die Vermutung liegt nahe, dass die Stromkonzerne nach diesem "Probelauf" vermehrt Blackouts povozieren oder zumindest in Kauf nehmen werden, um die Bevölkerung gegen erneuerbare Energien aufzuhetzen.
    Betrachtet man das Blödzeitungsniveau, auf das weite Teile unserer ehemaligen Wissensgesellschaft abgesunken sind, könnte dieser Plan sogar funktionieren.

    Andererseits hat gestern Abend (ich konnte es erst nicht glauben!) sogar das ZDF über Redox-Flow-Batterien als Energiespeicher berichtet, eine Technologie, die anderen Ländern längst bekannt ist und eingesetzt wird.

    Vielleicht kann sich ja doch noch was bewegen in Deutschland, es bleibt jedenfalls hoch spannend ;-)

  2. Heute habe ich wieder einen Bericht im Fernsehen verfolgt in dem ausgerechnet ein Vertreter der SPD mehr Konkurrenz fuer den Energie-Markt gefordert wurde -dazu moechte ich sagen dass mehr Konkurrenz keine Garantie fuer besseren Service noch niedrigere Preise fuer Elektrizitaet.In den meisten Faellen bringen mehr Firmen mehr Konfusion ...

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