Stromausfall Schelte aus Routine

Noch kennt keiner die genauen Ursachen für den Blackout vom Samstag. Das hält Politiker nicht davon ab, die deutschen Stromkonzerne mit alten Vorwürfen zu attackieren.

Deutschland wäre gern überall Weltmeister. Nicht nur im Fußball. Auch beim Export von Gütern, bei der Entwicklung von neuen Technologien oder beim Betrieb von Stromnetzen. Mindestens bei letzterem sind jetzt Zweifel angebracht.

Als im Sommer 2003 in den Vereinigten Staaten die Licher ausgingen, saßen die Vorstandsvorsitzenden der vier großen Stromkonzerne E.on, RWE, Vattenfall Europe und Energie Baden-Württemberg gerade mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder beim Rotwein. Solcherlei Blackout sei in Deutschland unmöglich, versicherten sie.

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Im vergangenen Winter, als im Westen Deutschlands Schnee und Eis mehrere Dutzend Masten brechen ließen, war der Stromausfall plötzlich doch da. Über mehrere Tage verharrten die Menschen im Münsterland ohne Licht und Heizung.

Und am vergangenen Wochenende gingen von Emden bis Andalusien die Licher aus, weil in Deutschland das Netz teilweise zusammenbrach.

Warum? Eine planmäßig abgeschaltete Hochspannungsleitung könne eine der Ursachen sein, ließ Marktführer E.on wissen. Das klingt unglaubwürdig. Schließlich gehört das angekündigte Abschalten zur Routine des Netzbetriebs. Zu viel Windstrom, vermutet man im Wirtschaftsministerium von Nordrhein-Westfalen, könne das Netz lahmgelegt haben. Auch dieses Argument sticht nicht allein: Schließlich werden die Windstärken auch dank eines E.on-Forschungsprojektes seit längerer Zeit präzise prognostiziert.

Für die hiesigen Politiker ist die unklare Faktenlage kein Grund, mit Schuldzuweiseungen abzuwarten. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) forderte von Eon „eine rückhaltlose Aufklärung des Vorfalls und seiner Ursachen.“ Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) verlangte umgehend mehr Investitionen in die Netze.

Ob die allgemeine Vermutung, die Qualität der hiesigen Stromtrassen lasse zu wünschen übrig, tatsächlich angebracht ist, muss die Ursachenforschung erst noch ergeben. Doch selbst ausgebaute und modernisierte Netzverbindungen werden die Betreiber nicht davor schützen, beim Betrieb derselben folgenreiche Fehler zu begehen.

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Leser-Kommentare
  1. 1. \N

    Erbärmliche Heuchelei & versagende politische Kontrollinstanzen: Managergehälter der Energiewirtschaft sind an Gewinnen der AGs orientiert für die auch Abgeordnete & Minister Anteile zeichneten und keine staatliche Kontrolle wurde durchgesetzt incl siebenstelliger Geldbußen für mangelnde Instandhaltung resp -setzung der Netze .

    • ErichH
    • 07.11.2006 um 7:51 Uhr

    Die Elektrifizierung Deutschlands besteht nicht seit gestern! Insofern können wir recht gut beurteilen wie hoch die Verfügbarkeit sein kann und was uns das kostet. Unvorhergesehene Ereignisse gibt es nicht erst seit gestern und jeder Netzwerk-Fuzzy kennt Möglichkeiten die Ausfallsicherheit zu gewährleisten und bei unseren bisherigen Energieversorgern gab es offensichtlich solche Fuzzies.

    • Juifen
    • 06.11.2006 um 21:29 Uhr

    Natürlich kennen jetzt schon einige den oder die Gründe für den Stromausfall. Nur ringt man in den Vorstandsetagen noch um die passende Lüge um den eigenen Geschäft nicht zu schaden. Müsste nicht die Regulierungsbehörde objektiv und von außen die Störung untersuchen. Sicher gibt es genügend Logbücher und Protokolle, die jetzt z.B. vom TÜV untersucht werden könnten. Warum kennen wir in der Wirtschaft keinen Untersuchungsausschuss ? Ist die Stromversorgung nur ein privates Gut ?

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