Stromausfall Im Netz wird es eng

Der Blackout zeigt, dass die deutschen Stromleitungen an ihre Grenzen stoßen. Gewaltige Investitionen sind nötig, auch um die zunehmende Zahl kleiner Alternativ-Erzeuger zu verkraften.

Schon heute schöpfen hohe Lasten die Kapazitäten der Hochspannungsleitungen bisweilen voll aus. Da kann, wie am Wochenende, schon eine kleine Abschaltung genügen, um ganze Teile des Stromnetzes zusammenbrechen zu lassen.

Dazu kommt, dass die Regelung des Stromflusses durch viele Kleinkraftwerke - vom Windrad über die Solaranlage bis zum Biomassekraftwerk - immer schwieriger wird. Damit es das sicherste und verlässlichste Stromnetz der Welt bleibt, wie die Versorger rühmen, sind Ausbau, Modernisierung und neue Technologien dringend nötig. Ein Aufwand, der in den kommenden Jahren Milliarden verschlingen wird. Damit könnte in Zukunft die trotz Liberalisierung ungebrochene Marktdominanz der großen Stromerzeuger unterlaufen und jeder Verbraucher zum eigenen Stromhändler werden.

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Jahrelang wurde das deutsche Stromnetz zwar gut gepflegt, aber nicht wesentlich ausgebaut. Der Stromausfall vom Wochenende macht deutlich, dass für die Netzbetreiber Handlungsbedarf besteht. "Wir kommen an immer mehr Stellen im Netz an die Grenze und müssen ausbauen", sagt selbst Konstantin Staschus, Geschäftsführer vom Verband der Netzbetreiber (VDN). Er muss es wissen, vertritt sein Verband doch die Mehrheit der Netzbetreiber, von den vier Gebietsmonopolisten E.on, Vattenfall, RWE und EnBW bis zu den Gemeinde- und Stadtwerke auf regionaler Ebene.

Doch die bewährte Technik kommt in die Jahre. "Teile der Netze und Anlagen sind fast 40 Jahre alt", bestätigt Staschus. Parallel wuchs der Stromverbrauch langsam aber stetig seit dem Einbruch nach der Ölkrise 1973 auf etwa 625.000 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr an. Allein deswegen bestehe ein Ausbaubedarf von etwa 25 Prozent.

Damit nicht genug: Die Stromwirtschaft steht vor einem grundlegenden Wandel. Während der VDN von einem "ungezügelten Wachstum der Windkraft" spricht, ist der Umstieg auf regenerative Stromquellen voll im Gange. Politisch gewünscht und dank EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) mit Milliarden an Fördermitteln gesponsert, sprießen Solaranlagen, Windparks und Biomassekraftwerke aus dem Boden. 10,2 Prozent steuerten diese regenerativen Stromquellen bereits zum gesamten Bruttostromverbrauch 2005 bei. Bis 2020 soll sich dieser Beitrag nach Planung der Bundesregierung mindestens verdoppeln. Und all diesen neuen Kraftwerksbetreibern wird durch das EEG neben einem festen Abnahmepreis auch eine bevorzugte Einspeisung in das Stromnetz garantiert.

Schon bald werden weitere neuartige Kraftwerke folgen, die aus der Wärme der Sonnenstrahlung und des Erdreiches oder aus den Wellenbewegungen der Meere Strom gewinnen. Parallel läuft die Entwicklung von Brennstoffzellen-Systeme für Ein- und Mehrfamilienhäuser auf Hochtouren. Mit diesen Minikraftwerken werden Häuslebauer nicht nur ihre eigenen vier Wände wärmen und teilweise mit Strom versorgen können.

Leser-Kommentare
  1. Leider ist das eine politische Diskussion um ein technisches Thema. Das Ende der sogenannten Alternativenergien ist aus finanziellen Gründen absehbar. Die Fragen nach einer seriösen Energieversorgung lauten doch:

    - Welcher Staat (von welchem Geld) will auf die Dauer Windkraft bzw. Solarenergie mit 40 bzw. 50 Cent pro KW/h subventionieren, wenn Uranmeiler mit 1 Cent pro kW/h produzieren ?
    - Wer will ein funktionierendes Energieversorgungsnetz so umbauen, dass jeder seine Taschenlampenbatterie an die Steckdose anklemmen und dafür Geld verlangen kann ?
    - Welcher internationale Energiekonzern will sich auf die Dauer zum Äffchen von deutschen Politikern machen, selbst wenn die auf seiner Gehaltsliste stehen ?

    Und die abschliessende Frage lautet:

    Welcher deutsche Energieminister hat eigentlich mal Elektrotechnik studiert (ich meine jetzt mit Abschluss) ?

  2. > Welcher Staat (von welchem Geld) will auf die Dauer Windkraft bzw. Solarenergie mit 40 bzw. 50 Cent pro KW/h subventionieren, wenn Uranmeiler mit 1 Cent pro kW/h produzieren?

    Offenbar reicht die Einbildung, etwas von E-Technik zu verstehen, nicht aus um zu wissen, dass die Umlage (keine Subvention) für erneuerbare Energien degressiv ist.
    Gegenfrage: Sind in den angeblichen 1ct/kWh schon die Kosten enthalten, die die AKW-Betreiber für die Versicherung ihrer Anlagen zahlen müssten, wenn diese Kosten eines evtl. GAUs nicht vom Steuerzahler übernommen würden?

    > Wer will ein funktionierendes Energieversorgungsnetz so umbauen, dass jeder seine Taschenlampenbatterie an die Steckdose anklemmen und dafür Geld verlangen kann?

    Alle die auch in Zukunft eine sichere, umweltfreundliche und bezahlbare Energieversorgung haben wollen.
    Wer etwas von Elektrotechnik versteht, weiß allerdings, dass zwischen Taschenlampenbatterie und Steckdose noch ein Wechselrichter geschaltet werden sollte.
    Es ist schon klar, dass für in alten, faschokommunistischen Denkstrukturen gefangene Monopol-Ideologen der Gedanke, ein gewöhnlicher Untertan könnte z.B. Strom gleichzeitig produzieren und konsumieren, unfaßbar ist.
    Aber die Dinosaurier sind ja auch irgendwann ausgestorben...

    > Welcher internationale Energiekonzern will sich auf die Dauer zum Äffchen von deutschen Politikern machen, selbst wenn die auf seiner Gehaltsliste stehen ?

    Gegenfrage: Welcher mündige Bürger will sich auf Dauer zum Äffchen von internationalen Energiekonzernen und den auf ihren Gehaltslisten stehenden Politikern machen?

    >Welcher deutsche Energieminister hat eigentlich mal Elektrotechnik studiert (ich meine jetzt mit Abschluss)?

    Frag doch mal das deutsche Energieministerium - viel Spaß beim Suchen desselben.

    Gruß Skarrin
    * Industrieelektroniker (Gerätetechnik)
    * Dipl.-Ing. (FH) Elektronik (Kommunikationstechnik)

  3. Windkraft und BHKWs sind 2 Paar Stiefel, GeldverBrennstoffzellen sowieso (die fressen mehr Energie für die Wasserstofferzeugung als sie jemals liefern können).

    Windkraftanlagen, und zukünftige Meereskraftwerke (Wellen, Strömungen, Gezeiten) sind nun mal in Norddeutschland effizienter als am Chiemsee ;-), daher ist es schon richtig dass das Stromnetz Nord->Süd deswegen ausgebaut werden muß.
    Nur, das Problem hat man auch bei jedem neuen konventionellen Großkraftwerk, dessen Energie muß ebenfalls irgendwie ins Verbundnetz eingespeist werden.

    Nichts was sich technisch nicht lösen läßt, die Barrieren sind eher ideologischer Natur - wie so oft (nicht nur) in Deutschland...

    Gruß Skarrin

    • Anonym
    • 06.11.2006 um 19:24 Uhr

    Es ist schon lange an der Zeit, dass die Energiemonopolisten anfangen, ihre Netze auf eine dezentrale Struktur umzustellen, damit künftig viele kleine Energiequellen unterschedlichster Art (Fossile Brennstoffe, Wind, Solarenergie, Wasserkraft, Biomasse etc.) ein weit stabileres Netz als bisher bieten - und es uns mittelfristig möglich wird, von teuren Energieimporten unabhängig zu werden.
    Die fossilen Energieträger - einschließlich Uran - sind halt nun mal limitiert, sodass früher oder später ein Umstieg auf regenerative Energien unausweichlich wird (vom CO2-bedingten Klimawandel wollen wir mal gar nicht erst reden ...). Und eine Ahnung davon, wie schnell Energiepreise förmlich explodieren können, haben wir ja in den letzten Jahr erlebt.

    @SteinMain: Ihre Meinung ist daher leider etwas kurzsichtig gedacht: vielleicht erleben wir beide es nicht mehr, das Kohle, Öl, Gas zu Ende gehen - aber es wird in einigen Jahrzehnten unausweichlich so weit sein, und schon weit vorher wird der Preis für fossile Energieerzeugung (auch Atomstrom) den von regenerativen Energiequellen übersteigen. Und dann wäre es für Deutschland / Europa DER Exportschlager, wenn wir Herstellungs- und Netztechnologien zur Verfügung hätten, die unter den dann herrschenden Bedingungen die Energieversorgung sicher gewährleisten - noch besser wäre wahrscheinlich eine gute lokale Energiespeichertechologie, die das ständig verfügbare Netz weitgehend überflüssig machte - nur ist da technisch bisher nichts in Sichtweite.

    Insoweit bleibt uns nichts übrig, als das Thema politisch zu diskutieren (wobei auch ich mir etwas mehr Sachverstand in der Politik wünschte), denn ein auf Gewinnerzielung ausgerichtetes (also jedes) Wirtschaftsunternehmen kann im Normalfall diese langfristige Denkweise - selbst wenn es sie haben sollte - nicht umsetzen, solange Konkurrenten da sind, die auf Teufel komm raus nur den Gewinn (kurzfristig) steigern wollen; udn die gibt es immer.
    Ohne gesetzgeberische Maßnahmen wird es daher irgendwann mal zum Energiekollaps kommen (und das könnte bald sein, wenn z.B. große Rohstofflieferanten aus politischen Gründen ausfallen), aus dem zwar die Energiekonzerne irgendwie trotzdem noch Gewinn schlagen werden, der uns aber gesamtgesellschaftlich weit zurückwerfen könnte.

    Also: nicht immer nur auf Politiker schimpfen; Versorgungssicherheit und reine, unkontrollierte Marktwirtschaft passen nicht zusammen - da muss die Gemeinschaft aller (namens Staat) die Kontrolle behalten, denn das was uns in Zukunft die Energieversorgung sichern kann, ist halt derzeit gerade nicht preislich konkurrenzfähig - kann es auch nicht sein, sonst wäre die Technik ja längst marktbeherrschend ... sollten irgendwasnn mal wirklcih sehr viele Strom- bzw. Energieanbieter auf Basis unterschiedlichster Technologien auf dem Markt sein, dann könnte man ggf. die staatliche Kontrolle abschaffen. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg!

  4. Irgendjemand muss mir mal erklären, wie alternative Energien, deren Erzeugung häufig in der Nähe der Verbraucher, bei Brennstoffzellen oder BHKWs sogar direkt beim Verbraucher, stattfindet, zur höheren Belastung des Überland-Starkstromnetzes beitragen sollen.

    Die grossen Energiekonzerne und Netzbetreiber möchten ihren eigenen Strom verkaufen und lassen keine Gelegenheit ungenutzt, Alternative Energien zu diskreditieren. So wurde auch der Stromausfall vom Samstag einfach mal mit der Einspeisung durch ein Windkraftwerk in Verbindung gebracht.

    Liebe Monopolisten, wir fallen darauf nicht rein!

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