Blackout War's der Wind?

Wer ist für den europaweiten Stromausfall am Wochenende verantwortlich? Angeblich haben alternative Erzeuger zu viel Energie aus Windrädern eingespeist. Aber die eigentliche Schuld trifft die Stromkonzerne.

Seit Sonntag wird bundesweit heftig über die Ursache des Stromausfalls diskutiert, der am Wochenende für Stunden weite Teile Europas im Dunkeln versinken ließ. Zwei Gründe werden in ersten Berichten für die Überlastung des Netzes, die zu einer Kette automatischer Abschaltungen führte, angeführt. So könnte nach Angaben des deutschen Netzbetreibers E.on zumindest eine Teilursache sein, dass über der Ems in Niedersachen für die Durchfahrt des neugebauten Kreuzfahrtschiffes Norwegian Pearl eine Starkstromleitung abgeschaltet wurde - an sich ein Routinevorgang. Ferner soll eine Panne bei der Einspeisung von Strom aus Windkraft ins Netz nach Darstellung des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums den Stromausfall mit verursacht haben.

So habe es am Samstag eine erhöhte Einspeisung von Windkraft-Strom gegeben, im Gegenzug sei vermutlich die übrige Strommenge nicht ausreichend reduziert worden. Die Regelung solcher Schwankungen obliegt jedoch den Netzbetreibern und nicht den Windbauern. Und diese sollte eigentlich funktionieren. Viel Erfahrung haben die Netzbetreiber in diesem Geschäft auf alle Fälle. Und sie schauen auch voran. Erst im September hat E.on in Schleswig-Holstein ein lang gefordertes, innovatives Netzmonitoring gestartet. Dadurch sollen vorhandene Leitungen bis zu 30 Prozent mehr Strom tragen können als bisher.

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Doch Streitereien zwischen E.on und den Betreibern von Windparks sind beileibe nicht neu. Olaf Coermann, Windbauer in Schleswig-Holstein, bietet ein klassisches Beispiel. Denn seine beiden Windräder, die unter Volllast seit Herbst 2003 rund 3,5 Megawatt Strom liefern können, machen ihm Sorgen. Denn die einfache Formel "Je stärker der Wind bläst, desto lukrativer ein Windpark", gilt im nördlichsten Bundesland nicht mehr. Gerade, wenn Böen die Nordseewellen aufpeitschen, die Windräder rotieren und sauberen Strom produzieren, ruft ein Computer in der zentralen Leitstelle des Netzbetreibers E.on Hanse die zu produktiven Windräder an.

Über Funkmodem und Schnittstelle erhalten sie den elektronischen Befehl: "Anlage drosseln". Darauf speist der Generator des Windkraftwerks nur noch 70 oder 50 Prozent ins Netz ein. Oder die automatische Steuerung dreht die Rotoren ganz aus dem Wind bis sie zum Stillstand kommen. Windbauer Coermann kann dieser Regelung von außen nur kopfschüttelnd zusehen, einen Einfluss darauf hat er nicht. Laut E.on können nur so bei einer Überproduktion an Windstrom die Leitungen vor Überhitzung geschützt werden.

In der gesamten Region klagen Windparkbetreiber über ähnliche Vorfälle. 2005 wurden die Windräder an etwa 40 windreichen Tagen für mehrere Stunden von E.on vom Netz genommen. "Und dieses Jahr bewegen wir uns bereits auf einen Ausfall von 15 Prozent hin", sagt Hermann Albers, Vizepräsident vom Bundesverband Windenergie (BWE). Mit gravierenden Folgen für die wirtschaftliche Grundlage von Windparks. Denn eine trotz guter Windverhältnisse um zehn Prozent geringere Stromproduktion kann jede Kalkulation ins Wanken bringen.

Leser-Kommentare
  1. Jahrhunderte lang hatten die Müller geklagt, dass sie entweder der Wind heftig blies und sie kein Getreide zu mahlen hatten oder dass es einen Haufen Getreide gab und keinen Wind.

    Das ist heute nicht anders. Windstrom kann nicht gespeichert werden. Wenn er dennoch abgenommen werden soll, muss er unter Umständen durch ganz Europa geschickt werden. Daz sind die vorhandenen Leitungen unterdimensioniert und die Kosten hoch. Die Sache ist also dreimal Mal teuer:

    1. Subventionen für die Errichtung
    2. Einspeiseinvestionen
    3. Ausbau des Netzes

    Da es den meisten Leuten hier zu Lande noch immer nicht schlecht genug geht, um das zu kapieren werden wir in Zukunft immer mehr für diesen Schwachsinn bezahlen müssen.

    Wenn es dann endlich die meisten von uns im Geldbeutel spüren fehlt das Geld für sinnvolle Alternativen und gegen bestehende Gesetze anzukämpfen ist wie ein Kampf gegen Windmühlenflügel.

  2. 2. Mit

    Windparks haben sich ineffiziente Unternehmer
    (kenne selbst einige) auf Kosten der Strompreise des kleinen Mannes die Taschen vollgestopft.
    Ich verlange, daß die Politik ein Ende damit macht,
    ineffiziente Energiegewinnung zu subventionieren.

  3. Es ist immer unangenehm, wenn man bei einem eigenen Fehler ertappt wird. Bei einem Fehler, der nach Meinung aller Experten so nicht hätte passieren dürfen und nach einer früheren Aussage von E.ON eigentlich auch gar nicht möglich gewesen wäre. Mittlerweile wissen wir, was wir von diesen hundertprozentigen Sicherheitsbeteuerungen der Energiekonzerne zu halten haben: Nichts! Dabei hat der Stromausfall einen ganz konkreten Grund: Der erforderliche Ausbau der Stromnetze wurde in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt. So halbierten sich in den letzten 10 Jahren nach Angaben des VDE die Investitionen in die Stromnetze, während sich gleichzeitig die Netznutzungsentgelte verdoppelten und die Gewinne der Netzbetreiber vervielfachten! Nach Berechnungen des Bundes der Energieverbraucher betrugen die Investitionen zuletzt weniger als 10 Prozent des Umsatz. Alle Nachfragen von Journalisten zur Höhe der Netzinvestitionen blieben auf den diesjährigen Bilanzpressekonferenzen von den Energieversorgern unisono unbeantwortet. Dabei haben die Netzbetreiber den gesetzlichen Auftrag, für eine sichere Stromversorgung zu sorgen. Zur großen Stromlüge gesellte sich am Wochenende schnell die kleine hinzu. Es ist billig, wenn Herr Glos und Frau Thoben quasi reflexartig wieder den "ungezügelten Ausbau" der Windenergie für den Stromausfall mitverantwortlich machen. Der Ausbau der Windenergie ist seit mehr als 15 Jahren erklärtes Programm aller Bundesregierungen, nur zu Herrn Glos und Frau Thoben und zu den Stromversorgern scheint sich dieses Ziel bisher nicht herumgesprochen zu haben. Der gesetzliche Auftrag wurde verschlafen oder schlimmer noch ignoriert! Und überhaupt, nach Meinung vieler Experten trägt die Windenergie eher zur Stabilisierung der Stromnetze bei. In Dänemark war am Wochenende im Übrigen von einem Stromausfall nichts zu spüren. Der Anteil der Windenergie an der Stromversorgung ist in unserem Nachbarland mehr als 5-mal so groß wie in Deutschland!

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